Abschied nach 46 Jahren: Weilheims Kämmerer warnt vor schweren Zeiten

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Vorsichtig optimistisch blickt Stadtkämmerer Christoph Scharf in die Zukunft: Doch Scharf befürchtet, die Haushaltslage der Stadt könnte bald eine Herausforderung für viele werden. © Holly

Seit mehr als 46 Jahren arbeitet Christop Scharf mit Zahlen und viel Herzblut für die Stadt Weilheim.Innerhalb der nächsten Wochen verabschiedet sich der gebürtige Erlanger in die Altersteilzeit. Doch der Kämmerer sieht große Herausforderungen für die Stadt Weilheim was die Haushaltslage angeht.

Weilheim - Viele seiner Kollegen bedauern den Abschied des langjährigen Weilheimer Kämmerers zutiefst – allen voran Erster Bürgermeister Markus Loth.

„Herr Scharf ist eines meiner besten Pferde im Stall“, beteuert der Stadtchef. „Ich schätze nicht nur seine fachliche Kompetenz. Scharf ist vor allem ein ganz feiner Mensch.“

Darauf angesprochen wirkt der Kämmerer fast verlegen. Zwar freut er sich über das Kompliment, „aber ehrlich gesagt mag ich solches Lob gar nicht.“ Er habe vielmehr während seiner gesamten beruflichen Laufbahn stets versucht, offen und ehrlich mit allen Kollegen umzugehen. Auch Informationen zum Haushalt habe er der Verwaltung und dem Stadtrat stets umfassend und bis ins kleinste Detail zur Verfügung gestellt.

„Der Bürgermeister schätzt, dass wir immer gemeinsam versucht haben, Lösungen zu erarbeiten“, so Scharf. Bis heute würden sie gut zusammenarbeiten – auch wenn sich die gemeinsame Zeit nun dem Ende zuneigt.

Freude an der Arbeit

Kaum glauben kann Scharf, wie schnell seine Arbeitsjahre vergangen sind, zumal der Beruf des Kämmerers ursprünglich nie sein Ziel war. „Mein Vater war Müllermeister in Erlangen. In den Ferien habe ich bei ihm gejobbt.“ Noch heute erinnert er sich an den vielen Dreck und den Mehlstaub in der Mühle. „Er hat dann zu mir gesagt: ‘Bua, schau, dass du in die Verwaltung kommst und mach keinen solchen handwerklichen Beruf.’“

Tatsächlich kannte Scharf senior den Erlanger Personalreferenten – „weil mein Vater mal ein Gschbusi mit der Schwester des Referenten hatte“. So bekam Christoph die Chance, sich für das Einstellungsverfahren zu bewerben. Schließlich hatte er die Wahl zwischen einer Ausbildung als Bank- oder Industriekaufmann, entschloss sich jedoch für eine berufliche Zukunft bei der Stadt Erlangen. „Das habe ich nie bereut“, sagt Scharf. Seine Karriere begann 1979 in der Erlanger Führerscheinmeldestelle. Von 1995 bis 2008 arbeitete er in Starnberg, wo er zur Jahrtausendwende Stadtkämmerer wurde. Seit 2008 ist er in Weilheim tätig.

Über die Jahre habe sich sein Beruf stark verändert. Während er Anfang der 1980er-Jahre noch Fahrzeugbriefe vollständig mit der Schreibmaschine im Zehn-Finger-System ausfüllen musste, seien die Herausforderungen trotz technischer Fortschritte keineswegs geringer geworden. Zwar habe die Technik rasante Entwicklungen gemacht, dafür sei alles rund ums Geld deutlich schwieriger geworden.

Mehr Auflagen - Weniger Einnahmen

„Früher war die Ausgabesituation nicht so vorbestimmt wie heutzutage“, erinnert sich der Vater zweier Töchter. „Der Staat schafft große Investitionen an und die Kommunen müssen sie umsetzen – obwohl die Förderungen weniger werden und die Baukosten immer weiter steigen.“ Die Taktung der Projekte werde immer kürzer, die Aufgaben immer mehr. Gleichzeitig nehme das Einnahmepotenzial ab, während staatliche Zuschüsse geringer ausfielen und häufig spät ausbezahlt würden. Für Scharf ist das ein alarmierendes Signal.

Scharf sieht große Änderungen

„Wir befinden uns alle auf einem sehr hohen Niveau – und wir werden runterkommen müssen“, warnt er. „Die ganze Finanzsituation – nicht nur hier in Weilheim – wird sich verändern, und zwar nicht zum Guten.“ Schwierig werde es dann, wenn die Politik den Bürgern diese bittere Botschaft vermitteln müsse. Scharf weiß, dass bestimmte Zuschüsse künftig nicht mehr möglich sein werden – vor allem im Bereich der Sportvereine. „Was wir den Sportvereinen derzeit alles kostenlos zur Verfügung stellen“, merkt er an. „Die Vereine können umsonst in die Hallen, während wir die Energiekosten und die Reinigung übernehmen. Das wird auf Dauer nicht mehr gehen.“

Auch bestehende Projekte wie die renovierte Stadthalle oder Arbeiten am Stadtmuseum verursachten weiterhin hohe Kosten, die die Stadt nun überrollen. Dieses Wissen habe ihm viele schlaflose Nächte bereitet – und tue es noch.

Neues Kapitel

Nun steht die offizielle Übergabe an seinen Nachfolger, Herrn Christian Hollrieder an. „Der versteht sein Handwerk,“ so Scharf. Doch vor der Amtsübergabe möchte er dem Stadtrat noch einen genehmigungsfähigen Haushalt hinterlassen – eine Aufgabe, die dem neuen Stadtrat nach den kommenden Wahlen den Start erleichtern soll.

Auch privat hat Scharf Pläne. „Ich sammle Schrauben, die ich aus entsorgten Elektroteilen heraushole“, erzählt er verschmitzt. „Das hat überhandgenommen, und ich muss dringend Ordnung in meine Werkstatt bringen.“ Dann ist da noch der Karton seines Vaters, der im Keller steht – eine Box voller Bilder und Erinnerungen. Sein Vater verstarb dieses Jahr im Alter von einhundertundeinhalb Jahren. Er durfte Scharfs berufliche Erfolge miterleben – und war rückblickend richtig stolz. „‚Gut, dass du auf mich gehört hast“, sagte er ihm noch. Im Frühjahr soll Christoph Scharf im Stadtrat offiziell verabschiedet werden

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/weilheim/kreisbote/abschied-nach-46-jahren-weilheims-kaemmerer-warnt-vor-schweren-zeiten-94063142.html