Am heutigen Samstag (20.30 Uhr/Apple TV) steigt in Fort Lauderdale das Finale um den MLS Cup. Inter Miami gegen die Vancouver Whitecaps.
Oder anders gesagt: Lionel Messi gegen Thomas Müller.
Lassen Sie das kurz sacken. Es ist das Duell, das den Weltfußball über ein Jahrzehnt geprägt hat. Deutschland gegen Argentinien im Maracanã 2014. All die großen Duelle zwischen dem FC Bayern und FC Barcelona, unvergessen das historische 8:2 in Lissabon.
Messi vs. Müller: Ein Endspiel in der MLS, das niemand mitbekommt
Zwei Legenden treffen nochmal in einem Endspiel aufeinander. Vermutlich zum allerletzten Mal. Bei einem Champions-League-Finale würden wir uns tagelang nur mit diesem Duell auseinandersetzen.
Doch drüben in den USA? Stille.
Ich scrolle durch die großen amerikanischen Sportportale. Ich muss scrollen. Lange scrollen. Irgendwo zwischen einer Analyse zu den Playoffs im College Football und Gerüchten über einen Baseball-Trade finde ich eine kleine Meldung. Das Desinteresse ist nicht nur greifbar, es ist laut. Und genau das macht mir, mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in den USA, Mexiko und Kanada, verdammt große Sorgen.
Als Thomas Müller im August überraschend zu den Vancouver Whitecaps wechselte, sprachen wir von der "Müller-Mania". Er hat geliefert. Seine bisherige Zeit in Nordamerika ist, wie er selbst sagt, eine "Cinderella-Story". Und sie führte ihn nun bis ins Finale der MLS.
Auf der anderen Seite steht Messi, der Miami sportlich belebt hat. Der erhoffte "Soccer-Boom", der durch diese Personalien ausgelöst werden sollte, entpuppt sich aber als Strohfeuer. Die breite Masse an Fans fehlt weiterhin.
Fußball ist in Amerika seit 40 Jahren der "Sport der Zunkunft"
Ein Blick auf die Zahlen ist ernüchternd. Experten warnen seit Monaten, dass die Exklusivität der Liga hinter der Paywall von Apple TV dem Sport mehr schadet als nützt. Wenn man einigen Berichten Glauben schenken darf, dümpeln MLS-Spiele im Durchschnitt bei 245.000 Zuschauern. Zum Vergleich: Bei der NFL sind es 18,58 Millionen für ein Spiel. Ein vernichtendes Urteil für den "Messi-Hype". Fußball findet in Amerika nicht in der gesamten Nation statt, sondern hinter einer Bezahlschranke für eine Nische.
Dabei ist die sportliche Geschichte des Endspiels so reichhaltig. Thomas Müller ist so etwas wie das Kryptonit für Lionel Messi. In zehn direkten Duellen ging der Deutsche siebenmal als Sieger vom Platz. Er nahm ihm 2014 den WM-Pokal vor der Nase weg. Er demütigte Messis Barcelona 2020.
"Es geht nicht um Messi gegen Müller", sagte der Bayer gewohnt diplomatisch nach dem Halbfinalsieg, "es geht um Miami gegen Vancouver". Aber wir alle wissen: Das stimmt nicht.
Dass dieses Epos nun fast unter Ausschluss der amerikanischen Öffentlichkeit endet, ist tragisch. Football, Baseball, Basketball – sie alle spielen in einer anderen Galaxie. Der Fußball ist auch Ende 2025 in den USA noch immer der "Sport der Zukunft" – und das schon seit 40 Jahren.
WM-Stimmung kommt in den USA nicht auf – obwohl Messi und Müller in der MLS spielen
Und hier kommen wir zu dem Punkt, der mir wirklich Bauchschmerzen bereitet. In weniger als sieben Monaten beginnt die Weltmeisterschaft in diesem Land. Die Fifa, die Sponsoren und die US-Organisatoren haben Milliarden darauf gewettet, dass Stars wie Messi und Müller den Boden bereiten für das größte Turnier aller Zeiten. Die Rechnung schien simpel: Holt die Stars, dann kommen die Fans, und der Fußball wird endlich Mainstream.
Doch diese Rechnung wird nicht aufgehen. Das sagt auch Steven A. Bank, Professor an der UCLA und Analyst des amerikanischen Fußball-Business'. Seine Sorge: Die WM könnte für die heimische Liga MLS kein Katalysator sein, sondern ein Bumerang. Er ist der Meinung: "Das Risiko besteht nicht darin, dass der US-Fußball in zehn Jahren noch am selben Punkt steht, sondern dass er sich zurückentwickelt hat."
Weltmeisterschaft 2026 wirft schlechtes Licht auf die MLS
Sport-Management Professor Stefan Szymanski warnt vor einem gefährlichen Vergleichseffekt. Wenn die Amerikaner im Sommer 2026 die absolute Weltklasse sehen – Mbappé, Yamal, Musiala in Höchstform – und diese Qualität dann mit dem vergleichen, was ihnen die MLS im Alltag bietet, könnte das Interesse an der heimischen Liga eher kollabieren als wachsen. "Amerikaner wissen, was guter Sport ist und was schlechter Sport ist. Und sie wissen, dass die MLS ein niedriges Niveau hat", analysiert Szymanski.
Und genau hier mischt sich meine Vorfreude mit großer Skepsis. Eine Weltmeisterschaft lebt von der elektrisierenden Spannung, die ein ganzes Land ergreift. Doch wenn selbst ein Finale zwischen Müller und Messi im Rauschen des amerikanischen Sport-Alltags untergeht, woher soll diese Energie 2026 kommen?
Fußball in den USA? Ja, aber nur als Show-Veranstaltung
Ich fürchte, wir werden eine WM der zwei Geschwindigkeiten erleben: Drinnen eine elitäre Party für jene, die sich die teuren Tickets leisten können, und draußen ein Land, das achselzuckend weiter Baseball schaut.
Statt eines Sommermärchens droht uns eine sterile Show-Veranstaltung. Der Fußball ist in den USA angekommen, ja – aber er wird dort behandelt wie ein weiteres Konsumgut, nicht wie eine Religion. Und das könnte der Atmosphäre im nächsten Jahr das Genick brechen.