In einer Reihe mit Kerkeling und Kinseher: Oberammergauer gewinnt Kabarettpreis

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Emotionaler Moment: Maxi Pongratz (r.) bekommt von Matthias Egersdörfer, dem Beilgewinner von 2007, in Passau den Preis überreicht. © Stefan Schopf

Und der Gewinner ist... Maxi Pongratz. Der Oberammergauer holt sich in Passau das Scharfrichterbeil. Danach braucht er dafür eine Genehmigung.

Es ist sein erster Preis als Solo-Künstler. Und der sorgt beim Zugpersonal gleich einmal für große Augen. Maxi Pongratz hat am Mittwoch das Scharfrichterbeil gewonnen – ein renommierter Kabarettpreis, den bereits Hape Kerkeling oder Günter Grünwald ihr Eigen nennen dürfen. Das schwere, scharfe Beil hat der Oberammergauer Liedermacher am Mittwoch entgegennehmen dürfen – und musste tags darauf mit dem Zug von Passau gleich nach Würzburg zum nächsten Auftritt weiter. Das Beil im Gepäck. „Ich musste eine Genehmigung einholen, dass ich das mitführen darf“, sagt er schmunzelnd. „Es ist ja schließlich eine Waffe.“

Wer mit einer Waffe im Handgepäck unterwegs ist, braucht gute Geschichten, um sie zu erklären – Pongratz hat sie. Viele davon führen zurück in seinen Heimatort. In Oberammergau wachsen Kinder mit Szenen auf, die anderswo nur auf Theaterbühnen stattfinden. Kreuzigungen am Garagentor, Geißelungen auf dem Schulhof – Jugendliche spielen nach, was die berühmten Passionsspiele ihnen jedes Jahrzehnt einprägen. „Wir haben das Theater im Kreuz“, sagt er. An diesem Mittwochabend im Passauer Scharfrichterhaus zeigt er, wie tief dieses Theater in ihm tatsächlich sitzt.

Das war wie bei der Papstwahl.

Jury und Publikum sind sich über seinen Sieg so einig wie selten. Mit einem Akkordeon, das sich wie ein Farbfächer öffnet, und Geschichten, die mal mehr, mal weniger sanft in Moll gleiten, singt und erzählt er sich in die Herzen des vollbesetzten Hauses – und überzeugte schließlich. Für die Entscheidung zogen sich die Preisrichter dennoch für rund eine Stunde lang in ein Zimmer zurück. „Das war wie bei der Papstwahl“, sagt Pongratz lachend.

Kurz nach Mitternacht überreichte Moderator Matthias Egersdörfer die schwere Stahlklinge. Pongratz hat Tränen in den Augen. „Ich bin ja eigentlich gar kein Kabarettist.“ Umso mehr freut ihn der Preis. Der Moment ist groß für jemanden, der gelernt hat, die Welt mit vorsichtigen Worten zu betreten. Harte Konsonanten meidet er seit jeher – sie seien Stolpersteine, erzählt er. Besonders für jemanden wie ihn, der zum Stottern neigt. Also denkt er voraus, findet Umwege – und daraus entstehen seine feinen Wortspiele.

Zum Einstieg hatte er die Angst als „engste Vertraute“ vorgestellt. Zum Ausstieg schenkt er dem Publikum ein leises Schlaflied. Seine Verbindung zur Bühne beginnt früh: Schon als Bub, erzählt er, spielte er eine Kinderrolle in den Oberammergauer Passionsspielen. Wer dort vor 5000 Menschen steht, müsste für 70 Zuschauer eigentlich nicht extra nach Passau fahren. Für ihn aber habe es sich „trotzdem gelohnt“ – an diesem Abend mehr denn je.

Neues Album

Maxi Pongratz stellt sein neues Album „Rum und Num“ am 13. und 14. Januar am Münchner Volkstheater vor. Tickets gibt‘s auf der Homepage.