Evi Kramarz übergibt das Hotel Rössle an Max Diegruber und Silas Schmorell von der Blauen Traube

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Drei Hausgiebel umfasst das Gebäude in der Christophstraße, in dem im zweiten Obergeschoss und in einem Halbgeschoss darüber 17 Hotelzimmer angeboten werden. © Elke Robert

Die Schongauer Pächterin zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die neuen Pächter führen bereits die Blaue Traube in Schongau.

„Es ist ein ausgesprochen familiär und mit so viel Liebe und Privatheit geführtes Haus. Nach dem Motto ,immer zu Diensten‘ kann man um jede Uhrzeit klingeln, es ist heimelig, und es gibt immer positives Feedback“: So fasst es Sofi Seitz zusammen, gemeinsam mit ihrer Schwester Anni Inhaberin der gesamten Rössle-Immobilie an der Schongauer Christophstraße. Die beiden Münchnerinnen sind schon länger informiert über die Idee der Pächterin Evi Kramarz, das Hotel irgendwann in jüngere Hände zu geben, und finden die beiden neuen Pächter „sehr sympathisch“.

Stabübergabe beim Hotel Rössle: Max Diegruber (links) und Silas Schmorell übernehmen zum 1. Januar den Betrieb von Evi Kramarz.
Stabübergabe beim Hotel Rössle: Max Diegruber (links) und Silas Schmorell übernehmen von Evi Kramarz. © Elke Robert

Die Übergabe erfolgt zu einem passenden Zeitpunkt: Nach genau 30 Jahren geht die Leitung des Hotels zum 1. Januar an Max Diegruber und Silas Schmorell über, die jede Menge Erfahrung mitbringen in der Branche, führen sie doch seit 2015 die Blaue Traube. Diese zehn Jahre arbeiten Diegruber und Schmorell auch bereits eng mit dem Hotel Rössle zusammen, immer wieder half man sich gegenseitig aus, schließlich sei man als Pächter auch in einer ganz besonderen Rolle im Vergleich zu den anderen, inhabergeführten Hotels in Schongau.

Die Geschichte des Hotels und des Rössle-Bräu

Die Schwestern Sofi und Anni Seitz erbten das Gebäude 2001 von ihrer Mutter Christiane Seitz, die es wiederum von Helmut Zedelmaier erworben hatte. Lange hätten Denkmalschützer versucht, zumindest die Mauern zur Christophstraße hin, teils aus dem 16. bzw. 17. Jahrhundert, zu erhalten, so Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Aber 1987 sei wegen der schlechten Substanz der Abriss erlaubt worden. Unter den im Anschluss neu aufgebauten drei Giebeln liegen die 17 Zimmer des Hotels im oberen Stock sowie die Gaststätte Rössle-Bräu im Erdgeschoss. Auch der Biergarten an der Stadtmauer gehört dazu. Der Gebäudekomplex sei mit wenig Rücksicht auf den Denkmalschutz gebaut worden, erinnern sich alte Schongauer. Zum Leidwesen von Helmut Schmidbauer, dem ehemaligen Kreisheimatpfleger, sei die Planung, etwa der Tiefgarage, zulasten historischer Baureste gegangen. U.a. Gewölbekeller der Brauerei seien zerstört worden, weiß auch der Stadtbaumeister. Seit wann es zuvor schon Fremdenzimmer gegeben hat in dem Gebäude, ist unklar. Die Historie des Rössle-Bräu jedenfalls reicht mehr als 500 Jahre zurück, handelt es sich doch um eine der ersten Brauereien von einst 13 im Stadtgebiet. Laut Schmidbauer wurde das Rössle-Bräu im Jahre 1490 erstmals erwähnt durch Herzog Christoph den Starken. Im 18. Jahrhundert führte ein bedeutender Braumeister namens Ludwig Kollmann, auch Besitzer der „Sonne“, die Wirtschaft. Seit 1783 war die Brauerei in Besitz der Familie Bader. 1917 wurde die Brauerei an Löwenbräu verkauft.

Schon länger habe man darüber gesprochen, dass man gerne das Haus übernehmen würde, wenn Kramarz aufhören sollte. Das ging jetzt zwar etwas rascher, als es sich die 75-Jährige gewünscht hatte. „Eigentlich hätte ich gerne noch ein Jahr weitergemacht“, berichtet sie bei einem Ortstermin. Aus gesundheitlichen Gründen muss sie sich jetzt jedoch zurückziehen.

Kramarz leitete ihr Hotel nicht nur mit Herz und Seele, sie hat ihr Fach auch von der Pike auf gelernt. Angefangen im Hotel Rössle hatte sie schon bei ihrer Vorgängerin Ilona List, die das Hotel vier Jahre führte und für ein Jahr noch parallel das Restaurant Rössle-Bräu, was laut Kramarz dann aber den finanziellen Ruin bedeutete. „Ich bin von der damaligen Besitzerin Christiane Seitz gefragt worden, ob ich das Hotel nicht übernehmen würde“, erinnert sie sich. Das erste Jahr nach dem Neubau 1986/87 (siehe Kasten) habe Elke von Schuckmann das Hotel geleitet.

„Sie hat es mit viel Liebe geführt“, weiß auch Diegruber die Arbeit der bisherigen Pächterin sehr zu schätzen. Für die Angestellten im Bereich Frühstück, Zimmerservice und Rezeption soll sich nichts ändern, alle vier würden übernommen, so Diegruber. „Das war mir auch ganz wichtig, denn die Angestellten sind teils seit 23, 24 Jahren dabei, das ist wie eine Familie, mit ihnen verbringe ich mehr Zeit als mit meinen eigenen Kindern“, betont die Pächterin.

Seit 24 Jahren etwa ist Susanne Strobl im Haus. Gemeinsam überlegen die Frauen, an welche besonderen Gäste sie sich erinnern können. Spontan fallen Namen wie die „Spider Murphy Gang“ oder die Rapperin Sabrina Setlur. Für Stammgäste hätte man gerne einen besonderen Aufwand betrieben. Insgesamt sei das Hotel Rössle das Schongauer Haus schlechthin, auch für Gäste etwa, die hier ihre Verwandten besuchen.

Die langjährigen Pächter des Rössle-Bräu hörten bereits 2022 auf.

Haus mit viel Liebe geführt

Ändern soll sich nichts, höchstens der digitale Bereich, um die Buchung zu vereinfachen. Und natürlich bleibe der Name Hotel Rössle. „Wir erweitern einfach nur unser Hotel“, so Diegruber. Und wenn es Fragen gibt: Kramarz ist nicht aus der Welt. „Sie bleibt ja im Haus und wird sicher ein Auge darauf haben“, schätzt Sofi Seitz. Evi Kramarz lacht: „Ja, mir kommt nichts aus.“ Wenn sie wieder fit sei, wolle sie sehr gerne auch mal aushelfen.

Auch der Biergarten wurde aus dem Dornröschen-Schlaf erweckt.

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