Hochsaison, Trockenheit und ein Leck im Versorgungssystem – all das hat dazu geführt, dass in einer österreichischen Gemeinde das Trinkwasser fast zur Neige ging.
Eine Nachbarschaftshilfe der besonderen Art haben die heimischen Feuerwehren am Montag in Tirol geleistet. Weil in Reith bei Seefeld das Trinkwasser knapp wurde, rief die Gemeinde die Rettungskräfte zu Hilfe. Neben österreichischen Feuerwehren rückten auch mehrere aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen aus. Und sorgten dafür, dass die Hochbehälter ㈠inzwischen wieder ausreichend gefüllt sind.
Trinkwasser in Tiroler Gemeinde geht zur Neige – Bürgermeister bittet Feuerwehren um Hilfe
Eine Million Liter fassen die Trinkwasserquellen in der Gemeinde Reith. Normalerweise reicht diese Menge ohne Probleme aus, um die gut 1500 Einwohner zu versorgen. Nun fielen die Wasserstände in mehreren Hochbehältern aber unter die vorgegebenen Sicherheitsmarken. Die Gemeinde und ihr Bürgermeister Dominik Hiltpolt mussten handeln. Unterbrachen am vergangenen Wochenende in einzelnen Ortsteilen über Nacht die Wasserversorgung. Und holten dann die Feuerwehr zu Hilfe. Die sind auch über die Landesgrenzen vernetzt. „Wir kennen uns“, sagt Martin Gapp, Abschnittskommandant für das Seefelder Plateau. „Außerdem waren die Kameraden aus Bayern mit den passenden Tankfahrzeugen ausgestattet.“ Genau diese waren am Montag gefragt.
Aus dem Landkreis und unter der Führung von Kreisbrandrat Andreas Küspert machten sich gegen 15 Uhr Kräfte aus Mittenwald, Wallgau, Oberammergau, Farchant, Garmisch und Partenkirchen auf den Weg ins benachbarte Tirol. Sie alle unterstützten die Kameraden aus Reith, Seefeld und Scharnitz dabei, die Hochbehälter wieder aufzufüllen. Weil Eile geboten war, brachten sie das Wasser in einem Pendelverkehr von Seefeld nach Reith. Dort wurde das Wasser auf Tanklöschfahrzeuge – mit Schneeketten und Allradantrieb – der Feuerwehren Oberammergau, Wallgau und Partenkirchen umgeladen und über einen zwei Kilometer langen, steilen Waldweg zu einem Hochbehälter transportiert. Parallel dazu bauten die Tiroler Kameraden eine provisorische Trinkwasserleitung zwischen Seefeld und Reith auf.
„Da sind gleich mehrere Faktoren zusammengekommen“: Bürgermeister liefert Hintergründe
Doch wieso war das Trinkwasser in der Gemeinde so plötzlich zur Neige gegangen? „Da sind gleich mehrere Faktoren zusammengekommen“, sagt Dominik Hiltpolt. Auslöser war ein Leck im Versorgungssystem. Unter normalen Umständen, erklärt der Bürgermeister, hätte man dieses kompensieren können. Zum einen aber sind in der Hochsaison zahlreiche Urlauber vor Ort, verbrauchen viel Wasser. Zum anderen sind die natürlichen Reserven wegen der anhaltenden Trockenheit begrenzt. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. Die Hochbehälter sind gut gefüllt, die Feuerwehren haben in wenigen Stunden etwa 200 000 Liter Wasser transportiert. Die provisorische Leitung soll bis zum Silvestertag abgebaut sein.
Für die heimischen Feuerwehren ging der Einsatz bis in den späten Abend, gegen Mitternacht waren sie wieder zurück im Landkreis. „Kameradschaft und Unterstützung kennen bei uns keine Grenzen“, betont Kreisbrandrat Küspert. Bürgermeister Hiltpolt formuliert es so: „Das ist gelebte Nachbarschaftshilfe.“ (tsch)