Geretsrieder (57) radelt durch ganz Nepal - jetzt will er den Menschen dort helfen

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Schmale Trampelpfade im gefrorenen Schnee und schwindelerregende Abgründe bewältigte Daniel Boschert unfallfrei. © Privat

Mit dem Mountainbike bewältigte er in Nepal 16 500 Höhenmeter. Nur der Linksverkehr in Kathmandu brachte ihn ins Schwitzen.

Der Dienstagabend ist für den Geretsrieder Daniel Boschert ein fester Termin. Sommers wie winters steht bei ihm der 1220 Meter hohe Blomberg bei Bad Tölz auf dem Fitnessplan. Gute 500 Höhenmeter überwindet er dabei entweder mit dem Mountainbike, zu Fuß, mit dem Rodelschlitten an der Hand oder mit Tourenski. Einer Herausforderung ganz anderer Art hat sich der 57-jährige gelernte Koch jetzt unterzogen, nämlich einem dreiwöchigen Nepal-Trip, wobei er mit dem Mountainbike unter anderem über den 5416 Meter hohen Pass Thorong-La radelte. Insgesamt legte er bei der Annapurna Circuit genannten Rundtour gemeinsame mit seinem Guide Achyut Krishana 450 Kilometer in 15 Tagen zurück und bewältigte dabei 16 500 Höhenmeter.

Der Linksverkehr brachte Boschert ins Schwitzen

Ob endlose Anstiege, zahlreiche Hängebrücken, schmale Singletrails über schwindelerregende Abgründe, eine kurze Rast am 4919 Meter hoch gelegenen Tilicho See, der als einer der höchsten der Welt gilt, oder Trampelpfade im gefrorenen Schnee der Himalaja-Berge: die gesamte Rundtour, die von der subtropischen Zone bis zum beeindruckenden Blick auf die Achttausender führt, verlief unfallfrei. Nur der Linksverkehr in der Hauptstadt Kathmandu brachte den Hobbybiker und Freizeitsurfer so richtig ins Schwitzen, berichtet er nach seiner Rückkehr.

Einer besonderen Vorbereitung unterzog sich Boschert, der seit elf Jahren in Geretsried wohnt, nicht. Der begeisterte Sportler ist regelmäßig auf den heimischen Bergen unterwegs. Dennoch ist es sehr überraschend, dass er keinerlei Probleme mit der Höhe – schon Kathmandu liegt auf 1400 Metern – und der dünnen Luft hatte. Auch das einheimische Essen, vor allem Linsensuppe mit Reis, bereitete ihm keinerlei Probleme, gab ihm vielmehr die Power, die er für die täglichen Touren brauchte.

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Übernachtet wurde in einfachen Unterkünften ohne warmes Wasser, wo man sich abends mit den Trägern und den anderen Trekking-Teilnehmern traf, und sich um die einzige Wärmequelle, einen Ofen, scharte. Boschert und sein Guide waren dabei die Exoten, da diese Annapurna-Runde fast ausnahmslos als kürzere Tour für Bergwanderer angeboten wird.

Auf das Abenteuer brachte ihn seine Stieftochter

Die Idee zum Abenteuer Nepal war dem 57-Jährigen gekommen, als seine Stieftochter Elin Ott vergangenes Jahr nach dem Abitur zusammen mit zwei Schulkameraden die nepalesische Partnerschule des Geretsrieder Gymnasiums, die Lophelling Boarding School, auf 3300 Meter Höhe im Manangtal gelegen, besuchte. Dort unterstützten sie das dortige Team des Internats zwei Monate lang als Volunteers.

Die Fotos, die Elin dort machte, begeisterten ihn so, dass er sich heuer entschloss, das Land mit dem Fahrrad zu bereisen, wobei er nicht einfach über ein hiesiges Reisebüro buchen wollte. Den entsprechenden Kontakt stellte Marco Schreiber her, der in der Bikerszene als Radl Rasti mit seinem Fahrradgeschäft in Lenggries-Anger bestens bekannt ist.

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Zu den unvergesslichen Eindrücken rund um die vier Achttausender kam das Wetterglück mit klarer Luft nach dem Monsun und nur einer Stunde Regen, die Freude über die unfallfreie Tour sowie die Dankbarkeit darüber, das alles zu erleben. Boschert möchte den Menschen vor Ort helfen und wird, unterstützt von Radl Rasti, der ihm schon zuvor wertvolle Tipps gegeben hatte, auch anderen ambitionierten Bergradlern die Tour schmackhaft machen.

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Der Hobbyrennfahrer Achyut Krishana, der die ganze Tour geleitet hatte, belegte zwar beim wichtigsten Radrennen in Nepal, dem sogenannten Yak-Attack, den zweiten Platz, nennenswertes Preisgeld gab es für ihn aber nicht. „Ich will versuchen, dass das Geld, das die Leute für Trekkingtouren ausgeben, auch direkt bei den Einheimischen ankommt“, so Boschert, der inzwischen wieder die heimischen, etwas weniger schweißtreibenden und schneller erreichbaren Gipfel ansteuert.