Während die Strompreise für Verbraucher im kommenden Jahr stabil bleiben, warnt Brandenburgs Regierungschef vor Risiken für die Industrie und die Energiewende.
Berlin – Die Bundesnetzagentur erwartet 2026 stabile oder leicht sinkende Strompreise in Deutschland. Laut Behördenchef Klaus Müller sorgt der Ausbau erneuerbarer Energien für mehr Stromangebot, was die Erzeugungskosten drückt. Zwar steigen die Gebühren für den Stromnetz-Ausbau. Aber der Staat will diese sogenannten Netzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro bezuschussen – damit Haushalte nicht zusätzlich zahlen müssen. Das sind gute Nachrichten für Endverbraucher, besonders in Regionen mit viel erneuerbaren Energien wie im Norden. Aus Sicht des Ministerpräsidenten Brandenburgs, Dietmar Woidke (SPD), ist das aber nicht genug.
Ohne deutlich sinkende Strompreise, auch für die Industrie, drohe die Energiewende zu scheitern, warnt der SPD-Politiker. Mit Energiewende gemeint ist der Wechsel von Energiequellen wie Kohle und Gas zu erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarstrom. Damit soll die Klimaneutralität erreicht werden. „Besonders in den energieintensiven Branchen, die von der Transformation betroffen sind – wie die Stahlindustrie, die chemische Industrie und die Pharmaindustrie – haben wir momentan die größten Probleme“, so Woidke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Strompreis in der Industrie als zentrale Herausforderung
Die zentrale Herausforderung für die Bundesregierung sei, die Strompreise zu senken, betont Woidke. Das ermögliche Planungssicherheit für Investitionen. Die EU gab zuletzt grünes Licht für mehr Subventionen: Am vergangenen Dienstag (23. Dezember) beschloss Brüssel, mehr staatliche Beihilfe für energieintensive Industrien zu erlauben. Dazu zählen etwa Sektoren wie Stahl oder Chemie. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant, ab dem 1. Januar 2026 günstigeren Industriestrom durch staatliche Zuschüsse bereitzustellen.
Woidke hält das grundsätzlich für richtig, fordert aber, wettbewerbsfähige Strompreise künftig auch ohne Subventionen möglich zu machen. Als mögliche Maßnahmen für Kostensenkungen schlägt beispielsweise der Chef der Bundesnetzagentur Müller Freileitungen vor, die günstiger sind als Erdkabel. Das könnte die Netzentgelte reduzieren. Außerdem solle die Aufteilung bei den Verbrauchern gerechter werden: „Wer zum Beispiel ein Solardach oder einen Solarpark in Betrieb nimmt, sollte stärker an den Netzkosten beteiligt werden. Denn er profitiert von einem gut ausgebauten Netz, sowohl beim Verkauf von Strom als auch dann, wenn die Sonne nicht scheint“, so Müller gegenüber der Rheinischen Post.
So ist es um die Gasspeicher und den Gaspreis 2026 bestellt
Noch im Juli warnte die Initiative Energien Speichern (Ines) in ihrem Update zur Gasversorgungslage, dass ein extrem kalter Winter die Gasspeicher im Januar 2026 leerlaufen lassen könnte. Doch der Chef der Bundesnetzagentur gibt Entwarnung. Trotz der Kälte und der mäßig gefüllten Gasspeicher in Deutschland sei die Gasversorgung gesichert. „Es droht aktuell kein Gasmangel“, so Müller zur Rheinischen Post. Die Lage sei inzwischen deutlich entspannter als im ersten Jahr nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Dafür sorge neben LNG-Terminals auch eine „große Mengen an Pipeline-Gas aus Norwegen wie Importe über Belgien, die Niederlande und zeitweise Frankreich“.
Aktuell gingen die Gaspreise zwar nach unten, betont Müller. „Das liegt leider auch an der schwachen Konjunktur, Betriebe fragen weniger Gas nach.“ Allerdings sieht der Experte die Gaspreise auf Dauer steigen. „Zum einen steigen die CO₂-Abgaben, zum anderen die Netzentgelte für Gas. Deutschland will 2045 klimaneutral sein. Wenn die Stilllegung der Gasnetze näher rückt, sinkt die Zahl der Gaskunden. Die Netzkosten werden auf immer weniger Verbraucher verteilt.“ Schon jetzt zögen einige Verbraucher ihre Schlüsse und stiegen auf Alternativen wie zum Beispiel die Wärmepumpe oder Fernwärme um, so der Bundesnetzagentur-Chef weiter. Zuletzt hatte die Bundesregierung die Gasspeicherumlage gestrichen. Damit sparen Verbraucher im Schnitt pro Jahr zwischen 30 und 60 Euro. (Quellen: dpa, Rheinische Post, Bundesnetzagentur) (bme)