Der kleine Moritz ertrinkt in neuem Südtiroler Erlebnisbad. Nach schweren Vorwürfen meldet sich der Bademeister zu Wort. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Bozen – Ein vierjähriger Junge soll wie ein Blitz auf das Wasser zugerannt sein. Sekunden später habe er am Beckenboden um sein Leben gekämpft. Was am 15. Dezember im brandneuen Erlebnisbad „Curunes“ in Graun im Vinschgau geschehen sein soll, kostete dem kleinen Moritz das Leben. Jetzt meldet sich der Bademeister zu Wort – und wehrt sich gegen schwere Vorwürfe.
Alessandro S., 52 Jahre alt und ehemaliger Carabiniere, arbeitet seit 2021 in Südtirols Schwimmbädern. Der Bademeister betont gegenüber der Zeitung Alto Adige: „Ich möchte betonen, dass das Kind nicht von den Badegästen gerettet und versorgt wurde, sondern von mir selbst, dem anwesenden Bademeister.“ Im Sommer kam es auch in deutschen Freibädern immer wieder zu tödlichen Unfällen: Ein Mann starb in einem Schweizer Schwimmbad, nachdem ein Junge auf ihn gestürzt war.
Überwachungskameras zeigen, wie Junge in Südtiroler Schwimmbad ohne Schwimmflügel ins Wasser springt
Die Überwachungskameras würden den dramatischen Moment zeigen. „In diesen Aufnahmen sieht man mich am Beckenrand. In den Bildern sieht man das Kind wie einen Blitz ins Wasser rennen“, schildert S. die Sekunden vor der Tragödie. Der Vierjährige sei ohne Schwimmflügel in den Bereich mit den Hydromassage-Düsen geraten, wo das sprudelnde Wasser die Sicht getrübt habe.
Als S. eine Frau mit aufgerissenen Augen suchend umherblicken sah, habe er sie angesprochen. Es sei die Tante des Buben gewesen. „Sobald die Tante mir Alarm gegeben hatte, dachte ich blitzschnell an die Treppe. Ich bin hineingesprungen, habe das Kind genommen und herausgebracht“, berichtet der Bademeister.
Badeunfall in Südtirol: Junge war wegen Missverständnis unbeaufsichtigt
Laut der Neuen Südtiroler Tageszeitung sei ein tragisches Missverständnis der Auslöser gewesen: Die Mutter sei davon ausgegangen, dass die Tante auf Moritz aufpasse – die Tante habe dasselbe von der Mutter gedacht.
Was S. am Beckenrand gesehen haben will, sei erschütternd gewesen: „Er war bereits blau angelaufen, aus dem Mund erbrach er das Wasser, das er im Magen hatte.“ Barfuß und durchnässt sei der Bademeister durch den Schnee zur nur 30 Meter entfernten Rettungsstation gerannt. „Von der Verzweiflung habe ich geweint“, gesteht er.
Nach tödlichem Unfall in Südtirol: Bademeister appelliert an Eltern
Die Bozener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen vier Personen, berichtet Rosenheim24: die Mutter, die Tante, den Bademeister und die Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde. S. betont: „Ich werde routinemäßig ermittelt. Aber ich bin in gutem Glauben. Im Video der Kameras ist alles zu sehen.“
Der erfahrene Bademeister appelliert eindringlich an die Eltern: „Ich bin der Bademeister für alle, nicht nur für die Kleinsten. Besonders in diesem Schwimmbad habe ich schon viele Kinder herausgefischt: Die Eltern lassen sie allein, weil ‚sie haben ja die Schwimmflügel‘, aber die Schwimmflügel können verrutschen.“ Ein anderer Bademeister hat ein Alarmsignal verraten, bei dem Gäste in ein anderes Schwimmbad gehen sollten.
Das erst Ende November eröffnete Erlebnisbad „Curunes“ war ein Prestigeprojekt der Gemeinde Graun. Nach der Tragödie trauert die ganze Region um den kleinen Moritz, der am 28. Dezember in St. Valentin auf der Haide beerdigt wurde. (Quellen: Alto Adige, Neue Südtiroler Zeitung, Rosenheim24) (tt)
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