120 Pferde und das ganze Dorf schaut zu: Silvester-Tradition feiert 50. Geburtstag

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Die Kreuzreiter führen traditionell den Festzug durch Gelting an. © Peter Herrmann

Der Silvesterritt in Gelting wird seit 1975 organisiert durchgeführt. Rund 120 Pferde werden am 31. Dezember erwartet.

Am 31. Dezember 1975 belebten einige Reiter in dem damals noch nicht zu Geretsried gehörenden Dorf Gelting einen Brauch, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1630 zurückgehen. Einst grassierte dort eine Rinder- und Pferdeseuche, deren Ende die Bewohner zu einem Gelöbnis für den bäuerlichen Schutzpatron Silvester veranlasste. Der dreimalige Ritt um die Kirche St. Benedikt fand in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Das war wild und unorganisiert“, berichtet Markus Wirtensohn beim Besuch unserer Zeitung.

Silvesterritt Gelting 2025
Das Jubiläumszeichen: Entworfen hat die Stallplakette Marion Denzel von der Brauchtumsgruppe Gelting. © Peter Herrmann

Am Mittwoch werden rund 120 Pferde in Gelting erwartet

Der 49-jährige Fähnrich trägt während des Ritts die Standarte der Brauchtumsgruppe, mit deren Mitgliedern er den Festzug organisiert. In diesem Jahr werden rund 120 Pferde erwartet. „In den 1980er-Jahren waren es schon mal über 200 Tiere“, erinnert sich Wirtensohn. Damals musste die Strecke erweitert werden, weil nicht alle Vierbeiner auf den Straßenzug passten. „Die Wegstrecke war zu kurz für die vielen Pferde“, erklärt der Besitzer von fünf Rössern.

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Er selbst saß schon 1979 als Dreijähriger auf einem Pferd. „Der Silvesterritt hat bei uns in der Familie schon immer eine große Rolle gespielt“, erzählt Wirtensohn. Bereits sein Großvater stieg lange vor der 1975 erfolgten Neuorganisation regelmäßig an Silvestertagen aufs Pferd. Unfälle gab es übrigens noch nie. Nur Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl hatte bei einer Übungseinheit vor dem Silvesterritt mal mit einem etwas zu locker sitzenden Sattelgurt zu kämpfen, sodass er auf seinem Brauereiross in eine brenzlige Schieflage geriet. „Gerhard nahm’s mit Humor und wollte danach sofort wieder auf den Sattel“, verrät Wirtensohn.

Am Silvesterritt beteiligen sich ein Pfarrer, der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller und Mitglieder der Brauchtumsgruppe. Manche Pferdebesitzer nehmen sogar eine Anfahrt aus Niederbayern und dem Allgäu auf sich. „Da sind echte Freundschaften entstanden“, so Wirtensohn.

Mit seinen Pferden reitet er unter anderem auch beim Oktoberfestumzug sowie bei den Leonhardifahrten in Bad Tölz und Benediktbeuern mit. Ausgefallen ist der Silvesterritt nur einmal: 2020 verhinderte die Corona-Pandemie die Durchführung der Veranstaltung, die ein Jahr später unter verschärften Auflagen im kleinen Rahmen wieder stattfinden konnte. „Für uns ist das ein Feiertag mit hohem Stellenwert“, stellt der Fähnrich fest. Und das 50. Jubiläum umso mehr. Das Jubiläumsdesign der Stallplakette, die am Mittwoch jeder Teilnehmer erhält, hat Marion Denzel von der Brauchtumsgruppe entworfen. Um einen festlichen und geordneten Umritt der Kaltblüter, Haflinger, Warmblüter, Ponys und Esel gewährleisten zu können, gibt es eine festgelegte Reihung. Nach den sogenannten Kreuzreitern folgen die Standarte, die hohe Geistlichkeit und Rathauschef Müller.

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Zuvor treffen sich die Festgäste bereits wieder um 9 Uhr zu einem Gottesdienst in der Kirche St. Benedikt, ehe sich gegen 10 Uhr die Pferde in Bewegung setzen. Danach lädt die Brauchtumsgruppe am späten Vormittag zu einer zünftigen Brotzeit in den Theatersaal an der Leitenstraße in Gelting ein.