Keine guten Nachrichten für Peißenbergs Gebührenzahler: Aufgrund einer hohen Unterdeckung in der ablaufenden Kalkulationsperiode müssen die Gemeindewerke ab 2026 den Trinkwasserpreis um 64 Prozent erhöhen. Auch die Gebühren für Ab- und Niederschlagswasser werden steigen – allerdings moderater.
Peißenberg - „Das ist ein relativ hoher Preis – da beißt die Maus keinen Faden ab.“ Stefan Ziegler, der Vorstand der Peißenberger Gemeindewerke redete nicht lange um den heißen Brei herum, als in öffentlicher Sitzung des Verwaltungsrats die neuen Wassergebühren einhellig beschlossen wurden. Ab 2026 zahlen die Verbraucher statt der bisherigen 2,20 Euro pro Kubikmeter Frischwasser 3,69 Euro. Zudem wird die Zählergrundgebühr von 79 Euro auf 120 Euro pro Jahr angehoben. Angesichts der massiven Kostensteigerung für Trinkwasser fallen die ebenfalls abgesegneten Gebührenerhöhungen beim Abwasser (3,20 Euro pro Kubikmeter statt 2,57 Euro) und Niederschlagswasser (0,79 Euro/Quadratmeter statt 0,62 Euro) fast schon nicht mehr ins Gewicht.
Defizit von 2,8 Millionen in der Peißenberger Wassersparte
Alternativen zur Preisanpassung gab es letztlich nicht. Als Teil der Daseinsvorsorge müssen die Sparten „Wasser“ und „Abwasser“ nach den gesetzlichen Vorgaben strikt kostenneutral geführt werden. Die Gebühren werden alle vier Jahre im Voraus kalkuliert. Nach Ablauf der Perioden werden die Plan- mit den Istkosten verglichen. Gewinne, aber auch Verluste müssen in der Folgeperiode ausgeglichen werden. Die Gemeindewerke erhalten nur eine spärliche Eigenkapitalverzinsung. Das Problem: Zwischen 2022 und 2025 hat sich in der Wassersparte ein Defizit von knapp 2,8 Millionen Euro aufgetan. Das heißt, die Gebührenzahler haben die vergangenen vier Jahre mit den 2,20 pro Kubikmeter einen viel zu niedrigen Wasserpreis bezahlt. Um auf Plus-Minus-Null zu kommen, wären eigentlich 2,91 Euro fällig gewesen. Diese Lücke muss nun geschlossen werden.
Beispielrechnung
Mit den Preiserhöhungen für Wasser sowie Abwasser- und Niederschlagswasser ergibt sich eine durchschnittliche Gesamterhöhung der Gebühren von 43 Prozent. Für ein Einfamilienhaus steigen die Gesamtgebühren unter dem Strich um etwa 372 Euro pro Jahr. Rund 72 Prozent aller Kunden (Verbrauchsmenge zwischen 51 und 300 Kubikmeter) zahlen künftig mehr als zehn Euro und weniger als 50 Euro zusätzlich im Monat (ohne Niederschlagswassergebühr).
Aber warum lag die 2021 extern erstellte Kalkulation derart daneben? Stefan Ziegler, der erst im November 2022 das Ruder bei den Werken übernahm, hütet sich im Gespräch mit dem Kreisboten vor Schuldzuweisungen: „Kein Mensch hätte sich 2021 vorstellen können, dass sich die Welt so verändert“, sagt der Chef des Kommunalunternehmens (KU) unter anderem mit Hinweis auf Corona, den Ukraine-Krieg, die hohen Inflationsraten und den Anstieg bei Beschaffungs- sowie Energiekosten. Zudem wurde in der Kalkulation die Wasserabgabemenge mit 647.000 Kubikmetern zu hoch angesetzt. Der Logik folgend mussten die Kosten auf weniger Verbrauchskubikmeter umgelegt werden. Auch im investiven Bereich gab es Abweichungen: Der neue Hochbehälter am Schweiber wurde um 242.000 Euro teurer ebenso wie die dazugehörige Pump- und Versorgungsleitung (plus 664.000 Euro). Des Weiteren erforderte die Keimbelastung im Sommer 2024 den Einbau von UV-Filtern.
Zu spät gehandelt?
Ohne Kritik ging die Gebührenerhöhung intern nicht über die Bühne. Der notwendige Weisungsbeschluss an den KU-Verwaltungsrat fiel in nichtöffentlicher Sitzung des Marktrats dem Vernehmen nach nicht einhellig aus. Drei Gemeinderäte verweigerten ihre Zustimmung. Moniert wurde offenbar, dass der Unterdeckung durch eine Neukalkulation nicht schon frühzeitig entgegengewirkt worden sei. Aber: Unter dem Strich müssen die Defizite so oder so von den Verbrauchern beglichen werden – ob früher oder später. Im Verwaltungsrat liefen Bemühungen, die Gebührenerhöhung zumindest ein wenig abzufedern (siehe auch Kasten). Großen Handlungsspielraum hatte man dabei nicht. Mengenrabatte für Großabnehmer wie zum Beispiel für Landwirte sind gesetzlich nicht erlaubt. Die Zielgruppe soll durch die Erhöhung der Zählergrundgebühr entlastet werden, weil dadurch ein Teil der Kostenumlage nicht mehr an den Verbrauch gekoppelt ist. Der Wermutstropfen: Normal-Verbraucher werden durch den Anstieg der Grundgebühr relativ gesehen mehr belastet. Kein Thema war indes, Investitionskosten über Sonderbaubeiträge einzufordern. Das war in der Wassersparte noch nie der Fall – und dabei soll es auch bleiben: „Das würde bei den Bürgern zu großer Unzufriedenheit führen“, glaubt Ziegler.
Wasserpreis „massiver Wettbewerbsnachteil“
Groß diskutiert wurde im Verwaltungsrat der Gemeindewerke vor der Beschlussfassung zu den Gebührenerhöhungen nicht mehr. „Wir haben uns in tiefgreifender Analyse diesen Gebührensätzen genähert“, erklärte Bürgermeister Frank Zellner (CSU). Georg Hutter (CSU / Parteilose) sprach von einem „sehr herausfordernden Wasserpreis“, der auf den Erfolg seines landwirtschaftlichen Betriebs durchschlagen werde. Aber auch der „Otto-Normal-Verbraucher“ werde stark belastet. „Das macht mir Kopfzerbrechen“, so Hutter: „Wir müssen in Zukunft ganz massiv draufschauen, dass die Kosten nicht noch weiter steigen.“ Walter Wurzinger (Freie Wähler) konstatierte, dass Peißenberg mit dem hohen Wasserpreis einen „massiven Wettbewerbsnachteil für die Wirtschaft“ habe. Von Seiten der Kommune seien finanziell deutlich höhere Anstrengungen nötig, um die Gemeindewerke künftig auf wirtschaftlich gute Basis zu stellen. Wurzinger ließ durchblicken, dass hauptsächlich er es war, der im Verwaltungsrat für einen nicht noch höheren Anstieg des Wasserpreises gekämpft hat: „Ich habe wenig Verständnis dafür, dass die Gremien so inaktiv waren.“ Wurzinger bedankte sich indes bei Kämmerer Michael Lidl und bei Werke-Vorstand Stefan Ziegler, die Vorschläge aufgegriffen und geprüft hätten. „Die Diskussion hat zumindest eine Reduktion um 52 Cent gebracht“, so Wurzinger.
Stellschrauben hat man indes bei der Konzessionsabgabe angelegt. Die muss von den Werken regelmäßig an ihren „Mutterkonzern“, die Gemeinde, entrichtet werden. Nun einigte man sich darauf, die umsatzabhängige Abgabe auf konstantem Niveau einzufrieren. Das verschafft den Werken ein Finanzpolster von knapp 200.000 Euro, das in die Wassersparte fließen und die Gebührenzahler entlasten soll. Ziegler spricht von einer „klugen Lösung“. Andere Subventionierungsmodelle sind aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Der Haken: Das Geld fehlt der Gemeinde in ihrem kommunalen Haushalt. Noch nicht enthalten ist in der neuen Kalkulationsperiode (2026 bis 2029) die mögliche Einführung des Wassercents, dafür aber sind Investitionen wie hydrologische Untersuchungen am Brunnen im Eibenwald oder die Umstellung von analogen auf fernauslesbaren Wasserzählern berücksichtigt.
Vergleiche zu anderen Kommunen in Bezug auf die Höhe des Wasserpreises (z.B. Obersöchering 60 Cent pro Kubikmeter und Weilheim 1,47 Euro) hält Ziegler für „nicht belastbar“. Topologie und Geologie von Gemeinden seien unterschiedlich ebenso wie die Organisationsstrukturen. Zieglers Schlusswort in der Sitzung in Hinblick auf 2029: „Nach der Kalkulation ist vor der Kalkulation.“
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