Zu Besuch bei Trump: Dafür hat Selenskyj den Oscar verdient

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Während Putin die ukrainischen Städte terrorisiert, lobt Trump Putins Großzügigkeit. Dennoch hat Selenskyj in Mar-a-Lago einen Punktsieg errungen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Nur zu gerne würde man den Optimismus von Donald Trump teilen, dass sich die Ukraine-Verhandlungen in der „Endphase“ befänden – erst recht, weil auch Präsident Selenskyj nach seinem unfallfrei verlaufenen Besuch in den USA von „großen Fortschritten“ spricht und sogar aus dem Kreml plötzlich „Bewegung“ gemeldet wird. Doch kennen wir dieses Spiel bereits: Trump will den Nobelpreis, und weder Moskau noch Kiew wollen den Spielverderber geben, um den launischen US-Präsidenten nicht zu verärgern.

Zu Besuch bei Trump: Dafür hat Selenskyj den Oscar verdient. Ein Kommentar. © JOE RAEDLE / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

Auf dem Schlachtfeld spricht Putin leider weiter eine andere Sprache. Auch über Weihnachten ließt der russische Kriegsfürst die Metropolen Kiew und Odessa terrorisieren, zwei Drittel der ukrainischen Stromversorgung sind im fünften Kriegswinter zerstört, Millionen Menschen haben weder Heizung noch Wasser. Doch auch wenn ein diplomatischer Durchbruch weiter auf sich warten lässt: Eine bessere Hoffnung als die, dass Trumps Druck die Russen zu guter Letzt doch dazu zwingt, die Eroberung der ganzen Ukraine abzublasen, gibt es für die geschundenen Menschen in dem überfallenen Land nicht.

Europas 90 Milliarden-Unterstützung rettet Selenskyj bei Trump-Treffen

Und es hätte auch ganz anders laufen können beim Treffen in Trumps Privatclub Mar-a-Lago: Nur die – maßgeblich von Kanzler Merz durchgesetzte – europäische 90-Milliarden-Ukraineunterstützung für 2026 und 2027 hat verhindert, dass Selenskyj vom US-Präsidenten verfrühstückt wurde. So „wertlos“, wie der Kreml giftet, waren Europas Hilfen also doch nicht, erst recht nicht angesichts des gleichzeitigen Niedergangs der russischen Wirtschaft.

An der Front können die Verteidiger, trotz der Siegespropaganda der Russen, ihre Stellungen unter Mühen halten. Das ist ja der Grund, warum Putin den gesamten Donbass inklusive der dort befindlichen massiven Verteidigungslinien der Ukrainer am Verhandlungstisch zugesprochen haben will: weil er sie militärisch nicht erobern kann – und weil er nur so hoffen kann, nach einem kurzen Scheinfrieden das ganze Land überrollen zu können.

So „wertlos“, wie der Kreml giftet, waren Europas Hilfen für die Ukraine doch nicht.

Und so mussten die Ukrainer in Mar-a-Lago als gefährlichste Klippe nur noch den bizarren Trump-Kalauer umschiffen, dass der „großzügige“ Kriegsherr Putin sich den Wiederaufstieg der Ukraine wünsche. Allein für seine beherrschte Reaktion darauf hätte der ehemalige Schauspieler Selenskyj den Oscar verdient.

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