Supermarkt führt langsamere Kassen ein – Warum das keine so schlechte Idee ist

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Viele Supermarktketten setzen nun auf langsamere Kassen, um ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Was dahinter steckt und welche Vorteile es gibt.

Der Einkauf im Supermarkt wird oft hektisch. Schnell die benötigten Produkte zusammensuchen, an der Kasse möglichst zügig bezahlen und wieder nach Hause oder zur nächsten Aufgabe eilen – so sieht der gewohnte Ablauf aus. Zeit ist Geld, und das gilt auch für den Handel. Immer mehr Supermärkte setzen daher auf Selbstbedienungskassen, um die Prozesse zu beschleunigen. Doch nicht überall steht Effizienz im Vordergrund: Einige Supermarktketten setzen nun genau auf das Gegenteil, die entschleunigte Plauderkasse. Doch wie funktioniert dieses Modell inmitten vom Trubel?

Supermarktkassen, „Nächster Kunde“ Schild.
Plaudern statt hetzen – das ist die neue Devise an den langsamen Kassen. (Symbolbild) © IMAGO / HRSchulz

Die britische Supermarktkette Morrisons hat Anfang Dezember die sogenannten „Talking Tills“ vorgestellt, die den Bezahlvorgang bewusst entschleunigen. Kunden sollen an diesen Kassen die Möglichkeit haben, mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, um Einsamkeit zu bekämpfen. Die Kampagne lief zunächst über ein Wochenende, doch das Konzept hat bereits international Aufmerksamkeit erregt.

Plauderkassen: Der Gegenpol zur Hektik und Einsamkeit im Alltag?

Das Konzept der Plauderkassen ist nicht neu. In den Niederlanden hat die Supermarktkette Jumbo sogenannte „Kletskassa“ eingeführt. In mittlerweile rund 200 Filialen können sich Kunden dort bewusst an den Kassen Zeit nehmen und Gespräche mit dem Personal führen. Auch in Deutschland gibt es ähnliche Ansätze: In Städten wie Kempen haben Rewe- und Edeka-Märkte in Kooperation mit der Seniorenberatung sogenannte Plauderkassen eingerichtet. Diese sind an bestimmten Tagen geöffnet und bieten vor allem älteren Menschen die Gelegenheit, mit anderen in Kontakt zu kommen.

Die Vorteile solcher entschleunigter Kassen liegen auf der Hand. Sie bieten Menschen, die sich im Alltag oft einsam fühlen, eine Möglichkeit zur sozialen Interaktion. Auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Eltern mit kleinen Kindern sind die langsamen Kassen eine Erleichterung. Sie nehmen den Druck, schnell bezahlen und die Einkäufe hastig einpacken zu müssen, während andere Kunden ungeduldig warten. Doch das Modell ist nicht ohne Nachteile.

Das Konzept der Plauderkassen bringt auch Herausforderungen mit sich. Kunden, die es eilig haben, könnten sich durch die längeren Wartezeiten gestört fühlen. Zudem besteht die Gefahr, dass sich an diesen Kassen lange Schlangen bilden, was für kleinere Supermärkte problematisch sein kann. Auch die Hemmschwelle könnte für introvertierte Menschen eine Rolle spielen. Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, mit fremden Menschen zu plaudern und insbesondere nach den Feiertagen fühlen sich viele Menschen sozial ausgelaugt. Mit diesen sieben Tipps laden Sie Ihre soziale Batterie wieder auf.

Trotz der Herausforderungen bietet das Konzept der langsamen Kassen eine echte Zukunftsperspektive. Projekte wie die Initiative von Morrisons sowie Plauderkassen in Deutschland und den Niederlanden sind Teil eines gesellschaftlichen Trends. Die Bundesregierung unterstützt mit ihrer Strategie gegen Einsamkeit Maßnahmen wie Mehrgenerationenhäuser und Zukunftswerkstätten, um soziale Kontakte zu fördern. Supermärkte als Treffpunkte könnten dabei eine wichtige Rolle spielen – Plauderkassen sind ein Schritt zu mehr Menschlichkeit.

Ein Modell mit Zukunftspotenzial

Langsamere Kassen mögen auf den ersten Blick wie ein Rückschritt wirken. Doch sie sind ein Beispiel dafür, wie der Einzelhandel auf gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren kann. Die Initiative von Morrisons zeigt, dass ein einfaches Gespräch für viele Menschen eine große Bedeutung haben kann. Aktuell wichtig, wenn Sie beim Discounter einkaufen gehen: Dieser Wurstrückruf betrifft aktuell alle Bundesländer.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/verbraucher/langsame-plauderkassen-im-supermarkt-eine-hilfe-gegen-einsamkeit-94100293.html