Neues Abwehrsystem in Polen: Die „Fritteuse“ für Putins Drohnen

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Science-Fiction rückt näher: Nachdem die USA mit Lasern „all in“ gehen, meldet auch Polen Erfolge in Tests für Drohnenabwehr mit gerichteter Energie.

Danzig – „Lange Zeit waren Laserwaffen auf Science-Fiction beschränkt“, schreibt Kapil Kajal. Der Autor von Interesting Engineering prognostiziert, dass für verschiedene NATO-Partner von 2025 an „gerichtete Waffen die Verteidigungspläne verändert haben“ werden – Polen scheint aufgrund des Ukraine-Krieges und Wladimir Putins Bedrohung seine Offensiven zu forcieren und vor einem technischen Durchbruch zu stehen, wie die Kyiv Post berichtet: die „Fritteuse“ für Putins Drohnen.

Das System namens Stratus setze auf „hochintensive elektromagnetische Impulse, die eine Drohne nahezu augenblicklich neutralisieren können, ohne dabei physische Explosionen zu verursachen“, berichtet TVP World. Dem polnischen Sender zufolge würden die Entwickler der Universität Danzig behaupten, „dass dieser Durchbruch die Art und Weise, wie kritische Infrastrukturen und sensible Standorte geschützt werden, grundlegend verändern könnte“, wie sie formulieren. Demnach beschieße das System anfliegende Drohnen mittels kurzer, hochintensiver elektromagnetischer Impulse – die anfliegenden Bedrohungen würden deaktiviert und vermutlich unverzüglich abstürzen, ohne dass kinetische Energie aufgewandt werden müsste und die Drohnen unkontrolliert in Stücke flögen. TVP World berichtet davon, dass die Drohnen quasi „frittiert“ würden, und Polen bereits von einem „unsichtbaren Drohnenschutzschild“ spräche.

Die Polen-Mikrowelle gegen Putin: bisher nur im Labor und unter kontrollierten Bedingungen brilliert

Obwohl das System wohl bisher nur im Labor und unter kontrollierten Bedingungen brilliert habe, so die Kiyv Post. Wie so viele Systeme steht der operative Einsatz noch aus – auf unbestimmte Zeit. Die Herausforderungen liegen einerseits darin, die benötigte Energie permanent zur Verfügung zu stellen und sie dann gebündelt, gerichtet und kontrolliert auf das feindliche Objekt zu übertragen. Der Direktor des britischen „Center for National Security Initiatives“ führt die Attraktivität eines Lasers oder einer Mikrowellen-Waffe darauf zurück, dass sich damit die Idee der Munition, des Kalibers oder der Logistik überlebt hätten: „Bei Lasern ist es aber so, dass man, solange sie an eine Stromquelle angeschlossen sind, ununterbrochen feuern kann“, so Boyd gegenüber der Sun

„Was sollen wir tun? Jedes Mal F-16 und F-35 schicken? Das ist nicht nachhaltig. Wir müssen uns besser mit Anti-Drohnen-Systemen ausrüsten.“

Auch die Bundeswehr testet inzwischen eine Drohnen-Abwehr mittels Laser für die Marine. Die USA haben längst ein System auf Panzerfahrzeugen im Test – allerdings mit mittelmäßigem Erfolg trotz eines vergleichsweise langen Testzeitraums. Im Jahr 2023 hat die US-Armee erste Prototypen ihres M-SHORAD-Systems an die Truppe übergeben. Das Waffensystem Stryker Directed Energy Maneuver-Short Range Air Defense (DE M-SHORAD) ist ein Programm der US Army zur Integration eines Hochenergielaserwaffensystems der 50-Kilowatt-Klasse in das Panzerfahrzeug Stryker A1 8x8, berichtet das Magazin Army Recognition. Demnach habe die US-Armee offiziellen Angaben zufolge im Februar 2024 vier auf Stryker montierte 50-kW-Laser-Prototypen des DE M-SHORAD in den Nahen Osten entsandt, damit Soldaten die Leistungsfähigkeit des Systems gegen Bedrohungen aus der Luft erproben konnten.

Der niederländische Verteidigungsminister Ruben Brekelmans zielt mit einer Anti-Drohnenwaffe.
Ein Auge für die Luftabwehr: Der niederländische Verteidigungsminister Ruben Brekelmans mit einer Anti-Drohnenwaffe (Counter Unmanned Aircraft System, C-UAS) während eines Besuches auf einem polnischen Flugplatz. Während die Niederlande mit konventioneller Luftabwehr unterstützen, tüfteln die Polen selbst: Die Polen und andere NATO-Partner bauen an einer Drohnenabwehr mit gerichteter Energie (Symbolfoto). © IMAGO/Ramon van Flymen

Aber die USA gehen noch weiter, wie The War Zone (TWZ) im Sommer berichtet hat – demnach gingen die USA sogar „all in“: „Die US-Armee investiert 43 Millionen Dollar in die nächste Generation der Leonidas-Hochleistungsmikrowellen-Drohnenabwehrtechnologie“,schreibt Eric Tegler. Drei Systeme soll der Hersteller Epirus inzwischen zu Testzwecken hergestellt haben. Die Waffen sehen aus wie verkleinerte und flachere Patriot-Abschusscontainer. Leonidas folgt offenbar dem gleichen Prinzip wie Stratus, schreibt TWZ-Autor Tegler: „Epirus beschreibt IFPC-HPM („Integrated Fires Protection Capability High-Power Microwave“) als ein effektives und kostengünstiges System zur elektromagnetischen Interferenz mit der Fähigkeit, die Elektronik mehrerer Drohnen gleichzeitig zu stören. Dies geschieht durch die Aussendung von Mikrowellenimpulsen in mehreren Frequenzbändern, wodurch die elektrischen Systeme der Drohnen, die in das erzeugte elektromagnetische Feld fliegen, überlastet werden.“

NATO-Ziele: Primär Drohnen verschiedener Größen, einschließlich deren Schwärmen zu neutralisieren

Leonidas wie Stratus seien dafür konzipiert, primär Drohnen verschiedener Größen, einschließlich deren Schwärmen zu neutralisieren. Angedacht sei der Einsatz auch „gegen konventionellere Flugzeuge sowie gegen tieffliegende Marschflugkörper und robotische Bedrohungen an Land oder auf dem Wasser“, so TWZ. Das Magazin schreibt, die von der Ukraine initiierte Aktion „Spiderweb“, hätte in den USA die Alarmglocken läuten und die Notwendigkeit eines solchen Systems deutlich werden lassen. Der Effektor der Polen sieht in seinem Versuchsstadium aus wie ein sehr schlankes kleines Düsentriebwerk, und auch das US-System passt auf einen kleinen Anhänger mit Tandemachse – DE M-SHORAD und Leonidas können auch auf gepanzerte Fahrzeuge montiert werden.

Sie operieren damit unabhängig von einem Tross, der Munition nachführt. Die Waffen können somit hoch mobil eingesetzt werden und würden eventuell einen sehr beweglichen und kaum vorherzuberechnenden, also quasi einen organischen Schild darstellen. Laut TWZ fürchteten die USA seit „Spiderweb“ die Erfolge ähnlicher, wie Egler schreibt, „Trojanische Pferde“-Drohnenangriffe und stellen ihre Verteidigungspläne darauf ein und um. Wie „Spiderweb“ Russlands Bomberparkplätze in Olenja, 1.400 Kilometer nördlich von Moskau in der Region Murmansk teilweise schachmatt gesetzt hat, weil die Drohnen quasi vor dem Areal geparkt worden waren, fürchten auch die USA um ihre „Stützpunkte, Sensoren, Schiffe, Häfen, Kommunikationsnetze und die gesamte militärische und zivile Infrastruktur im In- und Ausland“, so Tegler.

Ob Stratus, Leonidas oder andere Systeme: Diese Art von Abwehr wird möglicherweise die Entwicklung von Kamikazedrohnen überholen und einen neuen Rüstungswettlauf in Gang setzen. Wenn solch ein System auf einem Panzerfahrzeug mobil einsatztauglich ist, wird wenig Zeit vergehen, dass ein ebensolches auch in kleinerer Form in einem Kampfpanzer implementiert und dieser Waffe zu neuer Stärke verhelfen kann. „Spiderweb“ hat insofern eine Zeitenwende gebracht, als dass wiederhergestellt ist, was Generalinspekteur Christian Freuding gegenüber dem Bundeswehr-Podcast Nachgefragt als „Sicherheit der Tiefe des Raumes“ bezeichnet hat. Das Magazin Breaking Defense hat im Juni dieses Jahres eine verstörende Aussage eingeholt – gegenüber russischen Raketen- und inzwischen auch Drohnenkapazitäten läge der Himmel über NATO-Territorium offen wie ein Scheunentor.

Kampfjet gegen Drohne? „Nicht nachhaltig. Wir müssen uns besser mit Anti-Drohnen-Systemen ausrüsten.“

Auf die Frage von Breaking Defense-Autor Jonas Olsson, wie groß er die Lücke zwischen der russischen Angriffs- und den westlichen Verteidigungsfähigkeiten auf einer Skala von eins bis zehn einschätze, habe William Alberque geantwortet: „Ich denke, die Lücke liegt bei etwa acht“, so der ehemalige Direktor des NATO-Rüstungskontrollzentrums. Israel und Lockheed arbeiten bereits an einer flugzeuggestützten Laserwaffe parallel zum bodengestützten Iron-Beam-Lasersystem. Die Anforderungen eines Lasers in verschiedenen Trägern sind grundsätzlich verschieden – im Mai 2024 hatten Angehörige des US-Luftlandeausschusses des Senatsausschusses für die Streitkräfte die SHORAD-Projektverantwortlichen zum Rapport gebeten. Die Erfahrungen seien durchwachsen, soll Doug Bush geäußert haben, wie Breaking Defense berichtet hat.

„Wir haben herausgefunden, wo die Herausforderungen bei der gezielten Energieverteilung auf unterschiedlichen Leistungsstufen liegen“, so der Beschaffungschef der Armee. „Diese Leistungsstufe (50 Kilowatt) ist eine Herausforderung für ein Fahrzeug, das ständig in Bewegung sein muss – die Wärmeableitung, die Menge an Elektronik und die Abnutzung eines Fahrzeugs in taktischer Umgebung im Vergleich zu einem festen Standort.“ Der September dieses Jahres hatte aber offenbart, wie wenig Zeit der nordatlantischen Verteidigungsallianz für die Entwicklung von Defensivwaffen bleibe – als vermutlich russische Drohnen über Polen aufgetaucht waren und neutralisiert werden mussten. Die NATO habe mit überkommenen Lösungen neue Herausforderungen zu meistern versucht, lässt Ulrike Franke erahnen, weil zum Abschuss der Drohnen über Polen drei niederländische F35-Kampfjets aufgestiegen seien.

„An der Operation sollen auch ein NATO-Tankflugzeug, ein italienisches Überwachungsflugzeug und ein deutsches Patriot-Luftabwehrsystem beteiligt gewesen sein.“ Ob dieses kostenintensiven Abwehrmanövers fordert die Analystin des US-Thinktanks „European Council on Foreign Relations“ (ECFR) neue Ideen zur Drohnenabwehr, schreibt Politico: „Was sollen wir tun? Jedes Mal F-16 und F-35 schicken? Das ist nicht nachhaltig. Wir müssen uns besser mit Anti-Drohnen-Systemen ausrüsten.“ (Quellen: Interesting Engineering, Kyiv Post, TVP World, Sun, Army Recognition, The War Zone, Nachgefragt, Breaking Defense, Politico) (hz)

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