Mit 10 Jahren zum Gardasee geradelt

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Am Ziel: Nach sechs Tagen und über 430 Kilometern im Fahrradsattel ist Lars Tischer am Gardasee angekommen. © privat

Der Erdinger Schüler meisterte die Tour trotz Hitze und Nasenbluten. An einem Tag wollte er am liebsten umkehren und aufgeben.

Erding – Zu seinem zehnten Geburtstag im August bekam Lars Tischer ein graublaues 11-Gang-Mountainbike. Andere Kinder wären damit vielleicht ins Schwimmbad gefahren oder hätten eine kleine Landkreistour mit den Eltern gemacht. Lars aber radelte mit seinem Papa Maik von der Ratiborer Straße in Erding an den Gardasee. In sechs Etappen, bei zum Teil brütender Hitze und über Anstiege, die Maik Tischers Vorderrad abheben ließen, strampelte der Zehnjährige insgesamt 431,3 Kilometer ab – die Strecken ins Restaurant, auf Hotelsuche oder am Gardasee entlang nicht mitgezählt.

Trainingsetappe nur 40 Kilometer lang

Erfahrene Radfahrer hätten ihm für die Vorbereitung zu langen Touren geraten, erzählt Maik Tischer. Ihre weiteste Trainingsfahrt führte ihn und seinen Sohn aber gerade einmal halb so weit wie er es später für jede Tagesetappe einplante: einmal zum Flughafen und zurück, das waren etwa 40 Kilometer. „Ich habe Lars gefragt, ob er sich die doppelte Strecke zutraut. Er meinte, ja.“ Und er hat‘s geschafft. „Lars ist von Tag zu Tag immer fitter geworden“, so sein Vater.

„Der erste Tag war schwierig“, urteilt Lars rückblickend. Da ging‘s von Erding an den Tegernsee, auf der ersten Etappe wäre der Zehnjährige am liebsten umgekehrt. Nach einem kohlenhydratreichen Mittagessen kehrte die Motivation zurück und wurde bis zum Schluss immer größer. Vater und Sohn kletterten über den Achenpass und ließen nach einer kurzen Abkühlung im See die Räder auf der Abfahrt nach Wiesing laufen. Bei Papa Maik, dessen Mountainbike mit den Gepäcktaschen und dem eigenen Körpergewicht deutlich stärker belastet war als das von Lars, liefen die Bremsen heiß.

Extreme Hitze machte den beiden auf dem Radweg von Wiesing nach Innsbruck zu schaffen. „Die Luft flimmerte“, erinnert sich der 45-jährige Maik Tischer. Doch sie mussten die lange Strecke bis Innsbruck hinter sich bringen, weil am nächsten Tag der Aufstieg zum Brenner anstand. „Da wollte ich, dass wir frisch sind“, so Tischer. Lars radelte tapfer an der Inntal-Autobahn entlang. Bis die Nase blutete. „Ich hab‘ mir dann an einem Brunnen Wasser ins Genick getan, dann ging‘s schon wieder“, erzählt der Zehnjährige. Belohnt wurde er abends mit dem „besten Essen auf der ganzen Reise“.

Am nächsten Tag stand die Bergetappe an: 58,9 Kilometer und knapp 600 Höhenmeter von Innsbruck nach Sterzing. An einigen Stellen ging Papas Vorderreifen hoch, aber bei Lars „war alles gut“. Frustrierend sei nur das ständige Auf und Ab gewesen, erinnert sich der Sohn. Viele Rennradfahrer hätten ganz schön geschaut, als sie einen so kleinen Jungen auf der Strecke radeln sahen. Denn da war er schon die Ausnahme, wie er auch selbst feststellte: „Ich habe sonst kein einziges anderes Kind gesehen.“

Von Sterzing aus ging‘s erst mal bergab: 101 Kilometer über Brixen und Bozen bis Auer. Bei 35 Grad tat Abkühlung not: In Brixen gab‘s ein Eis, in Bozen ging‘s für ein paar Stunden ins Freibad. „Lars ist stundenlang gerutscht“, berichtet Maik Tischer. Abends schwangen sich die beiden wieder in den Sattel und fuhren drei Stunden in die Nacht hinein bis Auer.

Die letzte Etappe sollte eigentlich in einem Stück an der Gardasee führen, aber bei 33 Grad bereits am Morgen entschied Maik Tischer, dass Trient ihr Ziel sein sollte. Dort verbrachten die Radler den Nachmittag im Freibad. Entlang der wunderschönen italienischen Radwege war die letzte Etappe dann pure Erholung. „Ich habe mich richtig gefreut, als ich den Gardasee gesehen habe. Und ich fand‘s megacool, dass ich bis dahin geradelt bin“, sagt Lars. Seine Freunde in der Grundschule am Grünen Markt seien auch recht beeindruckt gewesen.

Auch beim Skiclub aktiv

Jetzt schnallt sich der Zehnjährige erst mal wieder die Skier an. Er ist im Rennteam des Skiclubs Erding, seine Lieblingsdisziplin ist der Riesenslalom.

Denn nach Lars‘ erfolgreicher Alpenüberquerung möchte jetzt auch sein Bruder Vinzent mit dem Papa an den Gardasee radeln. Der wiegelt allerdings noch ab: „Mit sieben Jahren ist er dann doch etwas zu klein.“

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