- Der vollständige Artikel von Gabor Steingart, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Merz und Klingbeil stecken in der Falle der Populisten - von links und rechts
Gabor Steingart beschreibt eine Regierung, die das Land mit Schulden stabilisiert, aber politisch und strukturell blockiert bleibt. Seine Diagnose einer geschwächten Mitte, eingeengt von Rändern und ohne Reformkraft, trifft bei vielen Lesern einen Nerv. In den Kommentaren wird die Analyse teils bestätigt, teils deutlich zugespitzt: Die Kritik richtet sich gegen Führung, Parteien und System, aber auch gegen den Umgang mit Populismus, Schulden und wirtschaftlichem Abstieg. Die Leserreaktionen zeigen, wie tief das Misstrauen in die politische Handlungsfähigkeit der Mitte inzwischen reicht.
Kritik an Politik und Führung
Gabor Steingart beschreibt die Regierung Merz/Klingbeil als stabilisierend, aber reformunfähig. Viele Leser gehen weiter: In den Kommentaren überwiegt der Eindruck politischer Orientierungslosigkeit und persönlicher Führungsschwäche. Kanzler Merz und SPD-Chef Klingbeil werden nicht als Getriebene der Lage, sondern als Verantwortliche ohne klaren Plan wahrgenommen. Stabilisierung reicht aus Sicht dieses Meinungsclusters nicht mehr aus.
"Das Problem liegt an ganz anderer Stelle. Als die Ampel am Ruder war, hat die CDU um sich gebissen und konnte alles besser. Jetzt ist Merz Kanzler und hat für nichts, aber auch rein nichts einen Plan." Zum Originalkommentar
"Merz und Klingbeil haben das Vertrauen zum großen Teil verloren und wollen noch so lange wie möglich an der Macht bleiben." Zum Originalkommentar
"Merz hat sich von Klingbeil selbst einmauern lassen. Die Leute wollen doch gar nicht extrem wählen, aber könnte sich ein Laternenpfahl zur Wahl aufstellen lassen, erhielte dieser vermutlich mehr Stimmen als Merz. Laternenpfähle machen zwar gar nichts, aber gar nichts machen ist weniger verheerend, als sich zu unsinnigen Taten treiben zu lassen." Zum Originalkommentar
Kritik an Parteien und Volksparteien
Steingart diagnostiziert eine Entkräftung der Volksparteien. Zahlreiche Leser bestätigen diese Analyse und ziehen daraus einen weitergehenden Schluss: CDU/CSU und SPD hätten ihren Anspruch, breite gesellschaftliche Mehrheiten zu vertreten, verloren. In den Kommentaren wird der Begriff "Volkspartei" selbst infrage gestellt. Die politische Mitte erscheint vielen nicht geschwächt, sondern inhaltlich ausgehöhlt.
"(...) Das ehemals bürgerliche Lager hat sich bis weit an den rechten Rand in einer Organisation versammelt, die nun die höchste Integrationskraft darstellt. Das ist nicht gut!" Zum Originalkommentar
"Ach Herr Steingart, ich glaube, ich erzähle Ihnen nichts Neues, wenn ich sage, weder CDU/CSU noch SPD sind noch Volksparteien. Weder die eine noch die andere regieren für das deutsche Volk. Am deutschen Volk vorbei, das trifft es am ehesten. Aber so etwas passiert, wenn man den Wählerwillen ignoriert." Zum Originalkommentar
"(...) Das Versagen der Politik der großen und sonstigen Koalitionen hat die Rechten und die Linken größer gemacht. Bald auch einflussreicher ..." Zum Originalkommentar
Kritik an Populismus und Parteienlandschaft
Während Steingart Populisten als einengenden Faktor für CDU und SPD beschreibt, stößt diese Deutung bei vielen Lesern auf Widerspruch. Der Begriff "Populismus" wird als unscharf oder delegitimierend zurückgewiesen. Die Leser argumentieren, dass nicht populistische Ränder, sondern Versäumnisse der etablierten Parteien den politischen Raum verengt hätten. Der Vorwurf richtet sich damit weniger gegen Protestparteien als gegen die politische Mitte selbst.
"Die Politiker sind ausnahmslos alle Populisten. Für das Volk und vom Volk gewählt. Was sie dann umsetzen, ist ein ganz anderer Schnack." Zum Originalkommentar
"Populist ist einer, der was verspricht mit Bewusstsein, dass er es nicht erfüllen kann. Ist Merz nicht einer davon?" Zum Originalkommentar
Kritik an Parteien und System
Steingarts Bild einer "versteinerten Republik" findet bei vielen Lesern Resonanz. In den Kommentaren wird das politische System als selbstreferenziell und reformunfähig beschrieben. Forderungen nach direkter Demokratie, mehr Bürgerbeteiligung oder einem grundsätzlichen Umbau parlamentarischer Abläufe greifen die These auf, dass Stabilisierung ohne strukturellen Wandel den Vertrauensverlust weiter verstärkt.
"Das ganze Land wird jetzt schon nur noch mit Geld am Laufen gehalten, welches eigentlich gar nicht da ist. Die Geldgeber werden es schon bald zurückfordern." Zum Originalkommentar
"Vielleicht liegt die Lösung in weniger Politik. Wir könnten mehr direkte Demokratie wagen, anstatt unmündige Anhängsel der Vertreter von Parteien zu sein, die wir alle 4 Jahre pauschal für jede Entscheidung ermächtigen sollen, im Wissen, dass sie meist doch nicht unsere Interessen vertreten. Die Schweiz ist hier ein Vorbild ..." Zum Originalkommentar
Kritik an Schulden und Wirtschaftspolitik
Steingart spricht von einem kreditfinanzierten Stimulus ohne Reformdurchbruch. Viele Leser teilen diese Skepsis. In den Kommentaren wird bezweifelt, dass Schulden Wachstum erzeugen, solange strukturelle Probleme ungelöst bleiben. Hohe Energiepreise, industrielle Abwanderung und steigende Zinslasten werden als Beleg gesehen, dass Stabilisierung mit Geld den wirtschaftlichen Abstieg eher kaschiere als stoppe.
"Merz hat das Land mit Schulden stabilisiert? Schulden macht Merz, aber das Land stabilisiert? Nach der Automobilindustrie bricht jetzt eine weitere Säule der deutschen Wirtschaft mit überdurchschnittlichen Löhnen weg. Aufgrund der hohen Energiepreise - Erdgas und Strom - wie der billigen Konkurrenz aus China und den USA ..." Zum Originalkommentar
"Stabilisierung des Landes mit Geld? Eher De-Stabilisierung, denn mit dem Geld werden die Probleme nur zugedeckt, sie schlummern aber weiter und werden durch die enormen Zinszahlungen für die Schulden nur noch viel schlimmer." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber AfD und Populismus
Steingart beschreibt die AfD als Machtfaktor, der die politische Mitte blockiert. Ein Teil der Leser reagiert darauf ambivalent. Einige sehen die AfD als Symptom politischer Fehlentscheidungen, andere warnen vor ihren strategischen Folgen. Ein wiederkehrendes Motiv: Der Umgang mit der AfD – Brandmauer oder Öffnung – wird als zentraler Grund für politische Lähmung wahrgenommen, unabhängig von der Bewertung der Partei selbst.
"Wer glaubt, die AfD sei das Gegengift zu links, verkennt die Dynamik. In Wahrheit kann sie zum Wegbereiter von Rot-Rot-Grün werden. Je stärker sie wird, desto enger rücken SPD, Grüne und Linke zusammen – aus Angst, nicht aus Überzeugung. So treibt rechter Protest linke Machtoptionen voran. Am Ende blockiert die AfD bürgerliche Mehrheiten und liefert den perfekten Vorwand für ein rot-rot-grünes Bündnis ..." Zum Originalkommentar
"Unsere Politiker/innen tun alles, um den Zulauf zur AfD zu verhindern. Glauben sie. Dabei machen sie alles falsch. Die AfD muss gar nichts machen. Merz, Klingbeil, Bas und Co. hören dem Volk nicht zu." Zum Originalkommentar
Sonstiges
Ein Teil der Kommentare reagiert weniger auf Steingarts Strukturkritik als auf Ton und Zuspitzung seines Textes. Persönliche Enttäuschungen über Wahlversprechen, scharfe Urteile über einzelne Akteure und Kritik an Medien und öffentlichem Diskurs überlagern hier die Systemdebatte. Auch diese Stimmen spiegeln jedoch ein verbreitetes Gefühl politischer Entfremdung.
"Bin Rentner, habe Merz gewählt, weil er sagte, die Renten werden mit ihm nicht mehr versteuert, nun nach der Wahl will er nichts mehr davon wissen, Merz ist ein Lügner mit samt seinen Parteigenossen, unwählbar!" Zum Originalkommentar
"In welcher Falle Merz und Klingbeil stecken, ist völlig irrelevant. Relevant ist ausschließlich, in welcher Falle der deutsche Bürger steckt." Zum Originalkommentar
Wie erleben Sie die Rolle der Volksparteien und ihrer Führung in der aktuellen Lage? Diskutieren Sie mit – Ihre Perspektive zählt!