"Kommen nicht noch einmal so billig davon" – Leser über Risiken bei Volksbanken

Skandale, hohe Verluste und riskante Geschäfte haben mehrere Genossenschaftsbanken in eine schwere Krise geführt. Der Artikel über Fehlentscheidungen, Bonuszahlungen und mangelnde Kontrolle stößt bei den Lesern auf ein breites Echo. In den Kommentaren geht es nicht nur um einzelne Vorstände, sondern um Verantwortung, Haftung, staatliche Aufsicht und die Zukunft des genossenschaftlichen Bankensystems insgesamt.

Kritik an Bankenführung und Management

Viele Leser reagieren empört auf das im Artikel geschilderte Missmanagement bei Genossenschaftsbanken. In den Kommentaren dominieren Forderungen nach persönlicher Haftung von Vorständen, dem Entzug von Pensionen und härteren Strafen bei Fehlentscheidungen. Besonders kritisch gesehen werden Bonuszahlungen trotz hoher Verluste und das Ausbleiben spürbarer Konsequenzen für Verantwortliche. 

Tatsächlich ist die persönliche Haftung von Bankvorständen rechtlich möglich, in der Praxis aber begrenzt. D&O-Versicherungen (Directors and Officers Liability) und hohe Hürden bei Schadenersatzklagen schränken die Wirkung ein. Bonusregeln wurden nach der Finanzkrise verschärft, Rückforderungen bleiben jedoch selten. Die Debatte verweist damit auf bekannte Governance-Lücken im deutschen Bankensektor.

"Vorstände/Aufsichtsräte haftbar machen mit gesamtem Privatvermögen, Pension streichen."  Zum Originalkommentar

"Solange die Vorstände der Banken auch diese Summen als Gehälter im 6-stelligen Bereich kassieren, geht es denen noch sehr gut! ?"  Zum Originalkommentar

"Verhoben mit Erneuerbaren. Na sowas, wie überraschend. Auch wenn sie mit Regionalität und Nähe werben, sind es am Ende auch nur Banken. Mit Managern und CEOs wie überall, die selber aufgrund der Strukturen nicht haften und daher machen (können), was sie wollen ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Risiko und Fehlentscheidungen

Ein Großteil der Leser kritisiert die riskanten und teils fachfremden Investitionen, die der Artikel beschreibt. Immobiliengeschäfte, spekulative Beteiligungen und Engagements außerhalb des Kerngeschäfts werden als verantwortungslos empfunden. Viele ziehen Parallelen zur Bankenkrise 2008 und äußern Zweifel, dass daraus ausreichend Lehren gezogen wurden. Banken stehen seit Jahren unter Ertragsdruck. Klassische Kreditgeschäfte allein reichen oft nicht aus, um Kosten und Regulierung zu decken. Dennoch gelten riskante Anlagen bei regionalen Genossenschaftsbanken als Ausnahme, nicht als Systemstandard. 

"Schade, da hat man leider nichts aus den (beinahe) Pleiten von Instituten aus der Bankenkrise (Lehman Brothers usw.) 2008 - 2010 gelernt. Immer fröhlich weiter zocken ganz nach dem Motto: Der Steuerzahler wird es schon wieder richten."  Zum Originalkommentar

"Investieren in Bordelle… auch nicht schlecht… hätte ich eher bei anderen Banken erwartet."  Zum Originalkommentar

Kritik am System

Zahlreiche Leser sehen die Skandale nicht als Einzelfälle, sondern als Symptom eines überholten Systems. In den Kommentaren ist von Vetternwirtschaft, mangelnder Kontrolle und fehlender Wettbewerbsfähigkeit die Rede. Einige stellen die Zukunftsfähigkeit des Genossenschaftsmodells grundsätzlich infrage. Allerdings gelten Genossenschaftsbanken weiterhin als tragende Säule der Mittelstandsfinanzierung. Ihr Sicherungssystem schützt Einlagen ohne direkte staatliche Rettung. 

"Das Bankenwesen ist überholt und gehört abgeschafft. Zinsen dauerhaft festgeschrieben, max. 2 Prozent. Und schon würde die Wirtschaft wieder brummen."  Zum Originalkommentar

"Meinen Genossenanteil habe ich zurückgegeben, da die Haftung über die Einlage hinaus zu riskant erschien. Die Volksbank ist z.B. im Bereich Anlageberatung und Online-Banking meines Erachtens nicht wettbewerbsfähig und zu teuer."  Zum Originalkommentar

Kritik an Kundenservice und Gebühren

Einige Leser verknüpfen die Managementkritik mit eigenen negativen Kundenerfahrungen. Genannt werden steigende Gebühren, Filialschließungen und der Verlust persönlicher Ansprechpartner. Der Mehrwert regionaler Banken sei für viele nicht mehr erkennbar.
Tatsächlich reagieren viele Institute seit Jahren mit Kostensenkungen auf steigende Regulierung und Digitalisierung. Filialabbau und Gebührenanpassungen sind branchenweit zu beobachten. Für Genossenschaftsbanken wird dies jedoch zum Problem, weil gerade persönliche Nähe ihr zentrales Alleinstellungsmerkmal war.

"(...) Hohe Kontoführungsgebühren, seltenere Öffnungszeiten, Filialen werden ausgedünnt, Automaten abgebaut. Braucht man Hilfe, wird man auf das Online-Banking hingewiesen. Früher konnte ich meinen persönlichen Sachbearbeiter anrufen und etwas telefonisch klären. Heute mit Warteschleifenmusik, unpersönlich und wegen Datenschutz nicht mehr möglich ..."  Zum Originalkommentar

"Wer bei diesen Banken ist, den kann man nur bedauern! Die höchsten Dispozinsen, Kreditzinsen, niedrigsten Anlagezinsen, schlechteste Vermögensberatung, die ich je erlebt habe!"  Zum Originalkommentar

Kritik an Staatlicher Aufsicht und Rettung

Ein Teil der User richtet seine Kritik an Staat und Aufsichtsbehörden. Die Leser zweifeln daran, dass Kontrollen rechtzeitig greifen, und warnen vor moralischem Risiko durch Sicherungssysteme. Die Sorge: Am Ende haften nicht Manager, sondern die Gemeinschaft.
Tatsächlich unterliegen Genossenschaftsbanken der Aufsicht von BaFin und Bundesbank, größere Institute zusätzlich der EZB. Einlagen werden durch institutseigene Sicherungssysteme geschützt, nicht durch direkte Steuergelder. Diese Konstruktion stabilisiert das System, verwischt aber Verantwortlichkeiten – ein Kernpunkt der Leser kritik.

"Das sind genau die Szenarien, die Markus Krall schon vor 5 Jahren vorhergesagt hat, am Ende werden die Banken mit Steuergeldern gerettet."  Zum Originalkommentar

"Die Steuern steigen ins Übermäßige, die Wirtschaft geht den Bach runter, die Banken verzocken die Gelder der Sparer. Was kommt noch alles auf uns zu?"  Zum Originalkommentar

"Wir kommen nicht noch einmal so billig davon. Who bails out the bailer? Last reserve: Nur noch Gold und vielleicht Silber."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Ein Teil der Kommentare verbindet das Bankenmissmanagement mit einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber Wirtschaft und Gesellschaft. Die Skandale werden als weiteres Zeichen eines allgemeinen Vertrauensverlusts gelesen. Solche Reaktionen sind typisch in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit. Steigende Zinsen, schwächelnde Immobilienmärkte und strukturelle Umbrüche verstärken den Eindruck, dass Risiken privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Die Debatte um Genossenschaftsbanken wird so Teil einer größeren Systemkritik.

"Ich lese gerne Tarifverträge und wenn ich sehe, was man in einer Bank verdient, auch ohne Studium, dann kann dort kaum eine andere Branche mithalten. Also Einsparpotenzial hätte man genug."  Zum Originalkommentar

"Eine Volksbank investiert in neuseeländische Apfelplantagen. Klingt irgendwie nach grün…."  Zum Originalkommentar

Wie sehen Sie das: Sind härtere Gesetze nötig, ein radikaler Umbau oder der konsequente Wechsel zu Onlinebanken? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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