Experten warnen: Russland stationiert Oreschnik-Hyperschallraketen in Belarus

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Satellitenbilder legen nahe, dass Russland nuklearfähige Oreschnik-Raketen in Belarus stationiert. Experten werten dies als Signal an die NATO.

Krytschau/Minsk – Russland stationiert nach Einschätzung westlicher Fachleute offenbar neue nuklearfähige Hyperschallraketen auf dem Gebiet von Belarus. Hinweise aus offenen Quellen sprechen dafür, dass dafür ein ehemaliger Militärflugplatz im Osten des Landes genutzt wird. Beobachter sehen darin eine bewusste Machtdemonstration Moskaus in Zeiten des Ukraine-Kriegs und eine weitere Zuspitzung der sicherheitspolitischen Lage in Europa.

Russlands Präsident Wladimir Putin (r.) und Belarusslands Machthaber Alexander Lukaschenko bei einem Treffen in St. Petersburg im Dezember 2025. Nach Angaben aus Minsk und Moskau sollen russische Oreschnik-Hyperschallraketen in Belarus stationiert worden sein. Experten werten die Verlegung als politisches Signal im Ukraine-Krieg und gegenüber der NATO. © Foto links: IMAGO / ITAR-TASS | Foto rechts: X (Screenshot)/@Globalsurv

Die maßgebliche Grundlage der Einschätzung liefern Recherchen von Reuters. Demnach haben die US-Experten Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies und Decker Eveleth von der Denkfabrik CNA aktuelle Satellitenbilder des Anbieters Planet Labs ausgewertet. Eine mit den Vorgängen vertraute Person sagte gegenüber der genannten Nachrichtenagentur, die Analyse decke sich „weitgehend mit den Erkenntnissen der US-Geheimdienste“.

Russland stationiert offenbar Oreschnik-Hyperschallraketen in Belarus

Nach Angaben von Reuters identifizierten die Forscher den früheren Flugplatz Krytschau-6, rund 307 Kilometer östlich von Minsk und wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt, als wahrscheinlichen Stationierungsort. Lewis und Eveleth erklärten, sie seien zu 90 Prozent sicher, dass dort mobile Startfahrzeuge des Oreschnik-Systems untergebracht werden sollen. Als „entscheidenden Hinweis“ bezeichnete Eveleth einen neu errichteten, militärisch gesicherten Bahnumschlagplatz, über den Raketen und Startfahrzeuge angeliefert werden könnten.

Auch der von Lewis beschriebene Betonbereich am Ende der Startbahn passt aus Sicht der Forscher ins Bild. Die Fläche sei zunächst gegossen und anschließend mit Erde überdeckt worden, was „mit einem getarnten Startpunkt vereinbar“ sei. Die Analyse der Satellitenbilder zeige zudem eine ungewöhnlich hastige Bautätigkeit seit Anfang August, was auf eine kurzfristige strategische Entscheidung hindeute.

Putins Schatten über Europa: Politische Dimension der Stationierung

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte wiederholt erklärt, Mittelstreckenraketen des Typs Oreschnik in Belarus stationieren zu wollen. Das System soll eine Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern haben und sowohl konventionell als auch nuklear bestückt werden können. Ein konventionell bewaffneter Testschuss gegen ein Ziel in der Ukraine erfolgte nach russischen Angaben im November 2024.

Der britische Sicherheitsexperte John Foreman sagte Reuters, die Verlegung nach Belarus diene dazu, „die Reichweite weiter nach Europa hinein zu verlängern“. Zugleich wertet er den Schritt als Reaktion auf die geplante Stationierung konventioneller US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland, darunter das Hyperschallsystem „Dark Eagle“.

Belarus bestätigt Einsatzbereitschaft

Die staatliche belarussische Nachrichtenagentur BelTA zitierte Machthaber Alexander Lukaschenko mit den Worten, die ersten Positionen für das Oreschnik-System seien vorbereitet und die Raketen bereits in Alarmbereitschaft versetzt worden. Lukaschenko erklärte, dies sei Teil der strategischen Abschreckung im Rahmen der militärischen Zusammenarbeit mit Russland. Kritik, Belarus werde dadurch selbst zum bevorzugten Angriffsziel, wies er zurück.

Lukaschenko von bis zu zehn stationierten Raketen, nannte jedoch keinen Standort. Die US-Forscher gehen hingegen davon aus, dass der identifizierte Flugplatz lediglich Platz für zwei bis drei Startfahrzeuge bietet, was auf weitere mögliche Stationierungsorte hindeutet.

Oreschnik-System im Überblick

Aspekt Details
Reichweite 3.500–5.500 km (deckt Berlin, Paris, London ab)
Geschwindigkeit Mach 10+ (Hyperschall)
Bestückung Nuklear (bis 1 Megatonne) oder konventionell
Basis RS-26 Rubezh (IRBM), mobiler Start
Test Erster Einsatz Nov. 2024 gegen Dnipro (Ukraine) – konventionell (ohne Atombombe)
Vergleich Ähnlich US-Hyperschallrakete Dark Eagle (ab 2026 in DE)

Putins Oreschnik-Hyperschallraketen in Belarus: Bewertungen von Experten

Nicht alle Fachleute sehen in der Stationierung einen militärischen Mehrwert. Der in Genf lebende Nuklearexperte Pavel Podvig sagte Reuters, er erkenne keinen zusätzlichen militärischen oder politischen Vorteil gegenüber einer Stationierung auf russischem Gebiet. Aus seiner Sicht diene der Schritt vor allem der symbolischen Absicherung der belarussischen Führung.

Auf dem renommierten Fachblog armscontrolwonk.com argumentiert Jeffrey Lewis ebenfalls, die Verlegung habe vor allem politische Bedeutung. Die Stationierung eines nuklearfähigen Mittelstreckensystems außerhalb Russlands stelle einen deutlichen Bruch mit früheren Rüstungskontrollnormen dar und sende ein bewusstes Signal an die NATO. Militärisch bringe der Standort nahe der russischen Grenze hingegen keinen zusätzlichen Reichweitengewinn. (Quellen: Reuters, BelTA, armscontrolwonk.com) (chnnn)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/experten-warnen-russland-stationiert-offenbar-oreschnik-hyperschallraketen-in-belarus-zr-94099997.html