"Hatte unser Kanzler nicht eine Rücknahme des Heizungsgesetzes angekündigt?"

Die neue Heizregel für 82 deutsche Städte stößt bei vielen FOCUS-online-Lesern auf massiven Widerstand. Mehr als die Hälfte der Kommentare äußert grundsätzliche Kritik an Kosten, Umsetzung und politischer Steuerung. Neben praktischen Sorgen um Infrastruktur und Bezahlbarkeit wird die Debatte zunehmend grundsätzlicher geführt: Sie berührt Fragen von Demokratieverständnis, sozialer Gerechtigkeit und dem Verhältnis zwischen nationaler Politik und EU-Vorgaben. 

Kritik an staatlicher Klimapolitik

Mehr als die Hälfte der Kommentatoren lehnt die Klimapolitik grundsätzlich ab. Viele prangern den Einfluss der EU und die aus ihrer Sicht fehlende Berücksichtigung der Bedürfnisse von Mietern und Eigentümern an. Besonders das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird als Zwangsmaßnahme wahrgenommen. Faktisch sieht das Gesetz jedoch keine sofortige Austauschpflicht für bestehende Heizungen vor. Bestehende Öl- und Gasheizungen dürfen weiter betrieben und repariert werden. Erst beim Einbau neuer Heizungen gelten schrittweise strengere Anforderungen, die zudem durch Übergangsfristen, Härtefallregelungen und Förderprogramme flankiert werden sollen. Ziel ist es, den Gebäudesektor langfristig klimaneutral zu machen, der derzeit rund ein Drittel der CO2-Emissionen verursacht.

"Der Bürger scheint noch nicht zu wissen, was auf ihn zukommt, wenn das GEG 2024 so bleibt ..."  Zum Originalkommentar

"(...) Kein Strom, aber noch mehr Wärmepumpen. Verbrauchskosten sind bei den aktuellen Strompreisen teurer als bei Gas oder erst recht bei Öl."  Zum Originalkommentar

"Meine Ölheizung bleibt, basta. Die Demokratie wird in meinem Keller verteidigt."  Zum Originalkommentar

Kritik an Infrastruktur und Technik

Viele Kommentare schildern konkrete bauliche und technische Hindernisse. Diese Einwände sind nicht unbegründet. Gerade in Altbauten, verdichteten Innenstadtlagen oder großen Wohnungseigentümergemeinschaften sind Wärmepumpen nicht ohne Weiteres einsetzbar. Auch Stromnetze müssen teils ausgebaut werden. Genau deshalb sieht die Gesetzgebung technologieoffene Lösungen vor: Neben Wärmepumpen sind auch Fernwärme, Biomasse, Hybridheizungen oder perspektivisch Wasserstoff möglich. Kommunen sollen zudem Wärmepläne erstellen, um quartiersbezogene Lösungen zu entwickeln. Diese Planungen stehen vielerorts noch am Anfang. 

"Ich lebte mal einige Jahre außerhalb von Wuppertal. Dabei denke ich nun, wie man das zum Beispiel in den alten, sehr engen Wohnbereichen von Elberfeld bewerkstelligen will. Da ist einfach kein Platz, um Wärmepumpen für die Wohnblocks aufzustellen. Hinterhöfe gibt es fast gar nicht."  Zum Originalkommentar

"Ich lebe in einer Eigentumsanlage mit 24 Wohneinheiten an einer Hauptstraße in Kiel. Fernwärme ist hier nicht geplant; Stromleitungen zum Haus hin nicht ausreichend für Wärmepumpe, die Innenverkabelung übrigens auch nicht. Viele Garagen ohne Stromanschluss. Wärmepumpe nur zu horrenden Kosten umsetzbar. Dachausrichtung für Solarnutzung ziemlich unbrauchbar. Wir werden uns dann wohl im Winter ums Lagerfeuer im Garten scharen müssen."  Zum Originalkommentar

"Altbauwohnung in Berlin. Wie soll das gehen? Bei Elektroheizung reichen die Haus- und Straßenleitungen nicht aus."  Zum Originalkommentar

Sorge vor steigenden Kosten

Ein teil der User sorgt sich um steigende Mietkosten. Investitionen in neue Heizsysteme sind hoch, besonders bei Bestandsgebäuden. Der Bund gewährt deshalb Förderquoten von bis zu 70 Prozent – gestaffelt nach Einkommen und Geschwindigkeit des Umstiegs. Dennoch bleibt ein Eigenanteil, der viele Haushalte spürbar belastet. Für Mieter gilt: Umlagefähig sind nur begrenzte Modernisierungsanteile, doch die Sorge vor steigenden Mieten besteht weiterhin, da energetische Sanierungen häufig Teil größerer Investitionen sind. 

"Das wird natürlich ziemlich teuer für die Mieter werden, die die hohen Heizkosten und die Sanierungskosten tragen müssen. Ein Ergebnis linksgrüner Sozialismuspolitik, die alles verteuert."  Zum Originalkommentar

"Staatliche Subventionen haben in den letzten zehn Jahren die Gasversorgung ermöglicht, das nun zugunsten von energetisch schlechterem Monopol Fernwärmegasversorgung auf die Müllhalde kommt? "  Zum Originalkommentar

"Meine Mieter müssen dann eben auf eigene Kosten sich Elektroheizungen kaufen oder ausziehen. Ich selber schließe meine Gasheizung an Gasflasche an. Wenn Wohnraum - erst recht in Großstädten - abgeschafft werden soll, ist es eben so."  Zum Originalkommentar

Misstrauen gegenüber politischer Umsetzung

Einige Leser misstrauen politischen Zusagen. Tatsächlich wurde das Heizungsgesetz mehrfach verändert, abgeschwächt und nachverhandelt. Das hat zwar zu mehr Ausnahmen geführt, zugleich aber Verunsicherung verstärkt. Politisch handelt es sich weniger um Wortbruch als um einen Prozess, in dem Gesetze an Kritik angepasst wurden. Für viele Leser wirkt das jedoch wie Orientierungslosigkeit. 

"Dabei sagt doch der Koalitionsvertrag der SchuKo, dass Wirrbecks Heizungsgesetz rückabgewickelt werden soll. Lügt da schon wieder wer?"  Zum Originalkommentar

"Auszug aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD: Das Heizungsgesetz wird abgeschafft. Und wieder gelogen, Herr Merz."  Zum Originalkommentar

"Hatte unser Kanzler noch nicht eine Rücknahme des Heizungsgesetzes angekündigt?"  Zum Originalkommentar

Kitik an EU-Einflussnahme

Wenige Kommentare thematisieren die Rolle der EU. Die EU-Vorgaben zur Heizungsumstellung werden als Eingriff in die nationale Souveränität verstanden. Tatsächlich setzt die EU Klimaziele, etwa zur Emissionsreduktion und Energieeffizienz. Die konkrete Ausgestaltung nationaler Heizungsregeln liegt jedoch bei den Mitgliedstaaten. Die deutschen Vorgaben sind somit kein EU-Diktat, sondern Teil der nationalen Umsetzung europäischer Klimaziele, denen Bundestag und Bundesregierung zugestimmt haben. In der öffentlichen Wahrnehmung verschwimmen diese Ebenen. 

"Entschuldigung. Was hat diese EU einem souveränen Land zu befehlen? Raus aus diesem Klub und Deutschland geht es besser."  Zum Originalkommentar

"Es ist zum Heulen, wer soll das bezahlen, was kommt auf Mieter zu, bald sind viele Menschen von der Armut betroffen. EU kann von mir aus abgeschaltet werden."  Zum Originalkommentar

"Die EU entscheidet und wir Bürger können uns Gedanken machen, wie wir es finanzieren. Wir haben nicht alle die Gehälter von EU-Abgeordneten."  Zum Originalkommentar

Zustimmung zur Energiewende Notwendigkeit

Die wenigen zustimmenden Stimmen verweisen auf den langfristigen Zweck der Maßnahmen. Tatsächlich gilt der Gebäudesektor als einer der zentralen Hebel für Klimaschutz, da hier Emissionen besonders träge sinken. Ohne strukturelle Änderungen lassen sich die nationalen Klimaziele kaum erreichen. 

"Wovor haben nur alle Angst? Alle hier Kommentierenden werden den richtigen Klimawandel nicht mehr erleben und ihre Kinder sich bei Ihnen dann für Ihre Ignoranz auch nicht mehr bedanken können. Wer weiter mit Gas und Öl heizen will, darf es doch weiterhin, nur eben mit 65 % CO2-emittierendem Biogas oder Bioöl. Wer den Schuss noch immer nicht gehört hat oder hören will, kann weiter fleißig CO2 produzieren."  Zum Originalkommentar

"In Großstädten wählt man grün, also richtig so."  Zum Originalkommentar

"(...) Ich habe eine Gasheizung, einen Kaminofen und im Sommer kommt eine Luft-Luft-Wärmepumpe (Klimaanlage, die auch heizen kann) dazu, staatlich gefördert mit 50 %. Bei drei Heizungen kann man entspannt bleiben."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Einige Leserstimmen lassen sich nicht eindeutig einer Perspektive zuordnen. Sie bringen eine Mischung aus Humor, Ratlosigkeit, Fragen und ironischen Kommentaren ein. Einzelne Kommentierende diskutieren über generelle Stimmung, Lebensstilentscheidungen und machen sich in teils augenzwinkernder Form Luft. 

"(...) Vllt. kann man Genossenschaften oder Zweckverbände gründen, um das abzuwehren?!"  Zum Originalkommentar

"Nicht meckern. Ihr habt sie ja gewählt"  Zum Originalkommentar

Was denken Sie: Ist das Heizgesetz ein notwendiger Schritt für Klima und Zukunft oder ein zu großer Eingriff in Eigentum und Portemonnaie? Diskutieren Sie mit: Wie sehen Sie die Balance zwischen Klimaschutz, sozialer Verantwortung und technischer Machbarkeit in Ihrer Stadt?

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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