"Bitte an die eigene Nase greifen": Leser bewerten Nahles-Warnung

Eine Warnung mit Wirkung: Nach der Einschätzung von Arbeitsagentur-Chefin Nahles, dass Jobchancen für Arbeitslose so schlecht wie nie seien, entbrennt eine lebhafte Diskussion. Viele Leser machen vor allem die Regierung und ihre Politik für die Entwicklungen verantwortlich. Andere sehen die Ursachen in strukturellen Problemen des Arbeitsmarkts und mangelhafter Qualifizierung. Wieder andere zweifeln an der Rolle der Arbeitsagentur oder üben Kritik am Sozialsystem. Insgesamt kreist die Debatte um Fragen politischer Verantwortung, wirtschaftlicher Perspektiven und die Wirksamkeit von Reformen.

Kritik an Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit

Mit 32 Prozent spiegelt dieses Lager die Kritik vieler Leser an der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt wider. Beschwerden richten sich gegen mangelnde Vermittlungsmöglichkeiten, fehlende Qualifizierung und sinkende Chancen für Arbeitnehmer – besonders für Ältere und Jobeinsteiger. Einige betonen die Wiederkehr arbeitsloser Menschen ins Jobcenter trotz Bemühungen, andere stellen die Effektivität von Arbeitsagentur und Sozialsystem infrage. Die Kommentare greifen Aspekte der Jobchancen-Prognose von Nahles sowie die reale Situation vieler Betroffener auf.

"Eine Bekannte wurde gerade arbeitslos, sie meldete sich auf der Arbeitsagentur. Ihre Ansprechpartnerin verspätete sich, erzählte, sie käme gerade von einer Agentur-internen Krisenversammlung. Grund: Es würden massenhaft Arbeitslosenmeldungen reinkommen. Hintergrund wären sehr viele Entlassungen, vor allem in der Metall- und Autozulieferungsindustrie. Und das bei uns im Rhein-Neckarkreis (Nordbaden), der wirtschaftlich gut dasteht. Leute, wenn es bei uns, in dieser bisher prosperierenden Gegend, Alarmstimmung in den Arbeitsagenturen gibt, dann müssen wir uns in diesem Winter noch ganz, ganz warm anziehen."  Zum Originalkommentar

"Frau Nahles, was für eine Erkenntnis ist das. Die hatte ich schon seit Jahren. Arbeitslose, die schon während der „guten“ Arbeitsmarktlage keine Anstellung gefunden oder keine haben wollten und jetzt mit den zunehmend gut ausgebildeten neuen Arbeitslosen konkurrieren, fallen runter. Das ist aber auch vielfach dem eigenen Versagen geschuldet, denn die Zeit, in die eigene Aus- und Weiterbildung oder zusätzliche Qualifizierung zu investieren, wurde vertrödelt. Lebenslanges Lernen ist die Grundlage dafür, dass man auch in schwierigen Zeiten weiterhin eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat."  Zum Originalkommentar

"Durch die vielen Insolvenzen werden auch viele Menschen arbeitslos im Alter von 50+, die immer fleißig waren. Die werden aber aktuell kaum einen neuen Job finden. Die Zeit bis 67+ wird ganz schön lang. Da bin ich mal gespannt, was die neue Rentenkommission uns da demnächst für Vorschläge unterbreitet."  Zum Originalkommentar

Kritik an Politik und Regierung

Bei 29 Prozent der Leser dominiert die Deutung, dass politische Fehlentscheidungen und politische Akteure die schlechte Entwicklung am Arbeitsmarkt verschärft haben. Genannt werden hohe Energiepreise, Bürokratie, verpasste Reformen sowie Personalpolitik und mangelnde wirtschaftspolitische Kompetenz – insbesondere der aktuellen und vorherigen Bundesregierung. Die Einmischung der EU, parteipolitische Interessen und Kritik an Andrea Nahles’ Besetzung als BA-Chefin bestimmen die argumentative Linie. Viele bezweifeln die Wirksamkeit politischer Maßnahmen und bemängeln fehlende Verantwortung.

"Die letzten zwei Regierungen und Brüssel arbeiten hart und erfolgreich daran, dass es so ist, wie es ist!"  Zum Originalkommentar

"Da braucht man keine Frau Nahles für, wenn immer mehr Unternehmen schließen, wird die Nachfrage gering oder endet."  Zum Originalkommentar

"Eine bahnbrechende Erkenntnis, Frau Nahles. Nur bitte mal an die eigene Nase greifen. Wer hat denn dafür gesorgt, dass wir die weltweit höchsten Energiepreise haben? Wer hat den Betrieben ein riesiges Bürokratiemonster übergestülpt? Wer erstickt jegliches Unternehmertum mit immer neuen unnötigen Vorschriften? Und die Tatsache, dass viele der Bürger schlicht zu faul sind, um zu arbeiten, wird auch unter den Teppich gekehrt. Finde den Fehler."  Zum Originalkommentar

Kritik an Wirtschaft und Energiepolitik

Zehn Prozent der Kommentierenden legen den Fokus auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie gestiegene Energiepreise, Bürokratie und die Folgen der Energiewende. Diese Perspektive sieht darin eine Hauptursache für die sinkende Wettbewerbsfähigkeit und einen schleichenden wirtschaftlichen Rückzug von Unternehmen. Es wird zudem der Einfluss von Politik, EU-Vorgaben und unternehmerischem Reglement thematisiert. Das Thema Deindustrialisierung wird im Zusammenhang mit dem Artikel besonders betont.

"Der durch die Energiewende verursachte rot/grüne Konjunkturmotor findet im Gegensatz zu den Versprechungen in anderen Ländern statt. Polen ist z.B. sehr beliebt bei manchen Wärmepumpenlieferanten. Zudem kommen Energiekosten für Grünstrom, der bedeutend teurer ist als die versprochene Kugel Eis."  Zum Originalkommentar

"Tja, jetzt schlagen die Errungenschaften des Rot/Grünen Regierungsexperiments eben voll auf den Arbeitsmarkt und die Realwirtschaft durch, oder hat jemand ernsthaft geglaubt, dass die starke Erhöhung der Energiekosten, immer neue Vorschriften und Vorgaben, immer in vorauseilendem Gehorsam des EU Wahnsinns, gut für unsere Wirtschaft sind? Machen wir uns nichts vor, wir sind im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig und das ist erst der Anfang der sich abzeichnenden Abwärtsspirale."  Zum Originalkommentar

"Und warum sind die Jobchancen so schlecht wie nie? Und warum haben wir die größte Wirtschaftskrise wie nie? Und warum drehen immer mehr Unternehmen dem Wirtschaftsstandort Deutschland den Rücken zu? Ich glaube, daran sind die Herrschaften Schuld, die in der Regierung sitzen und seit Angela Merkel dort saßen!"  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Arbeitsagentur und Verwaltung

Einige Leser (neun Prozent) äußern sich kritisch zur Rolle der Arbeitsagentur. Der Umgang mit arbeitslosen Menschen, interne Schwierigkeiten und zu geringe Vermittlungserfolge werden ebenso angeprangert wie zu viel Bürokratie. Auch die Besetzung leitender Stellen und mangelnde Flexibilität der Verwaltung werden hinterfragt. In Bezug auf den Artikel bemängeln die Kommentierenden vorrangig die langsame Reaktion der Verwaltung und fehlende Innovationskraft.

"Einmal jährlich eine Zustandsbeschreibung ohne Lösungsansatz genügt, um die Eignung für diesen Job nachzuweisen. Qualifikation, die man selbst nicht hat, wird nur von den Probanden gefordert. Noch einfacher macht es sich Frau Bas, die anscheinend den Klassenkampf bevorzugt."  Zum Originalkommentar

"Die Meldungen sind doch zwischen Bas und Nahles ganz eng abgestimmt. Es ist schwierig, einen Job zu finden, deswegen ist es wichtig, nicht am Bürgergeld zu rütteln. Doch die Message ist falsch. Wenn man im bisherigen Beruf nichts findet, ist Flexibilität gefragt. Aber unser soziales Netz ist so engmaschig gewebt, dass jede Flexibilität sofort konterkariert wird."  Zum Originalkommentar

"Wenn dort so gut wie niemand vermittelt wird, kann man sich doch eigentlich die ganze Behörde sparen."  Zum Originalkommentar

Kritik an Sozialleistungen und Bürgergeld

Mit sieben Prozent bezieht sich dieses Lager auf das Bürgergeld und die Frage, ob hohe Sozialleistungen negative Anreize setzen. Diskutiert wird, ob das soziale Netz Flexibilität verhindert und der Bezug von Bürgergeld im Verhältnis zu Niedriglöhnen zu attraktiv ist. Einige fordern mehr Eigenbeteiligung und weniger staatliche Unterstützung, andere sehen in Qualifizierung und Absicherung weiterhin eine wichtige Aufgabe.

"Im gesamten Niedriglohnsektor bekomme ich nirgends so viel Geld, wie ein Bürgergeldempfänger komplett bekommt."  Zum Originalkommentar

"Was nutzen Qualifizierungsoffensiven, wenn sich die Menschen nicht qualifizieren wollen? Angebote gibt es in Hülle und Fülle. Den Bezug von Bürgergeld jedoch bevorzugen."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Arbeitsmarktprognosen

Vier Prozent der Kommentare bringen Skepsis gegenüber den Arbeitsmarktprognosen zum Ausdruck. Besonders betont wird ein Widerspruch zwischen den wiederholt kommunizierten Fachkräfteengpässen und der aktuellen Warnung vor geringen Jobchancen. Viele fordern im Lichte der Aussagen von Nahles mehr Ehrlichkeit und Transparenz in der Kommunikation von Arbeitsmarkttrends.

"Soll das ein Witz sein, Frau Nahles? Vor ein paar Monaten hieß es noch, dass Millionen von Arbeitsplätzen nicht besetzt werden können, weil Arbeitskräfte fehlen. Was denn nun? Ich habe so den Eindruck, dass da bei Ihnen etwas nicht richtig läuft."  Zum Originalkommentar

"Na, ganz so negativ ist das ja nicht, ... -Aktuell gibt es aus Sicht von BA-Chefin Nahles keine Gruppe an Arbeitnehmern, die vor Jobverlust gefeit ist.- ... in der Politik, bzw. deren Anschlussverschwendung ist ja offenbar immer gesichert. Wie man bei der Nahles, der Baerbock, der U.v.d.L, und unzähligen mehr immer wieder gesehen hat."  Zum Originalkommentar

Sonstige Stimmen

Die übrigen Leserbeiträge (neun Prozent) lassen sich nicht klar einer bestimmten Perspektive zuweisen. Hier finden sich sowohl sarkastische Kommentare zu aktuellen politischen Themen als auch ironische Bemerkungen zu den Zuständen im Arbeitsmarkt, die mehrere Aspekte streifen oder sich vorrangig auf Randthemen beziehen.

"Rüstungsindustrie boomt momentan, also Waffen, Waffen produzieren, dann wird das wieder mit uns!"  Zum Originalkommentar

"Ach Frau Nahles, wenn es nach Ihnen ginge, müsste gar niemand arbeiten. Außer "die Reichen" natürlich. Die sollen alles finanzieren."  Zum Originalkommentar

"Wer genau nochmal ist dort Chef und dafür verantwortlich?"  Zum Originalkommentar

Die Community diskutiert scharf über Ursachen, Verantwortung und Perspektiven der Arbeitsmarktentwicklung. Wer trägt die Hauptschuld an der Situation – Politik, Wirtschaft oder die Arbeitsagentur? Ihre Meinung zählt. Diskutieren Sie mit!

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Arbeitsagentur-Chefin Nahles sieht Jobchancen für Arbeitslose so schlecht wie nie
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