Bayern erreicht einen neuen Rekord erlegter Füchse. Wirtschaftsminister Aiwanger sieht darin einen Schutz bedrohter Arten. Peta fordert ein Umdenken.
München - In Bayern wurden im Jagdjahr 2024/2025 so viele Füchse geschossen wie noch nie zuvor: Fast 123.000 Tiere fielen den Jägern zum Opfer. Dies geht aus der Jagdbilanz, der sogenannten Streckenliste, hervor, die das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie in München veröffentlichte. Das Jagdjahr wird vom 1. April bis zum 31. März gerechnet. Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert diese Rekordstrecke scharf und spricht von einem „völlig sinnlosen Fuchsmassaker“.
Rekordstrecke bei Füchsen in Bayern
Die neuen Zahlen von 122.905 Füchsen übertreffen den bisherigen Rekord aus der Vorsaison deutlich. Damals waren bereits 114.238 Füchse getötet worden, wie die Tierrechtsorganisation mitteilte. Das entspricht einer Zunahme von sieben Prozent; in Bayern wurden damit laut Peta mehr Füchse als in jedem anderen Bundesland getötet. Dass die Raubwildstrecken in Bayern steigen, sei ein Indiz dafür, dass die Populationen zunehmen, insbesondere die der invasiven Arten, aber auch, dass die Nachtsichttechnik wirke, erklärte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge.
Auch bei anderen Tierarten verzeichnet das Ministerium Rekordwerte, wie aus der Jagdbilanz hervorgeht. Bei Waschbären stieg die Zahl der erlegten Tiere demnach um 20 Prozent auf mehr als 9.500 Exemplare. Zusätzlich wurden 286 Marderhunde, 801 Nutrias und rund 5.100 Nilgänse geschossen, wie das Ministerium mitteilte.
Tierrechtsorganisation fordert Jagdverbot: „Wissenschaftlich erwiesen unnötig“
Peta übte scharfe Kritik an der bayerischen Jägerschaft. „Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass die Fuchsjagd unnötig ist“, sagte Peter Höffken, Fachreferent bei Peta. Während Luxemburg bereits sein zehnjähriges Jubiläum des Fuchsjagdverbotes feiere, würden in Bayern „Jahr für Jahr völlig sinnlose Fuchsmassaker durchgeführt“, kritisierte Höffken weiter.
Peta argumentierte, dass Füchse wichtig für den Erhalt eines gesunden Ökosystems seien und nicht „der Ausübung einer Freizeitbeschäftigung zum Opfer fallen“ dürften. Die Organisation forderte die Landespolitik auf, „endlich zu handeln und die Massentötungen von Füchsen und anderen Tierarten zu stoppen“, hieß es in der Mitteilung der Organisation.
Luxemburg als Vorbild: Fuchspopulationen regulieren sich laut Peta selbst
Als positives Beispiel führte Peta Luxemburg an, wo bereits im April 2015 ein Verbot der Fuchsjagd durchgesetzt worden sei. Laut der Mitteilung ging dort die Infektionsrate mit dem Fuchsbandwurm deutlich zurück, negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt konnten nicht festgestellt werden. Die Fuchspopulationen regulierten sich aufgrund von Sozialgefügen sowie Nahrungsverfügbarkeit, Witterung und Krankheiten selbst, hieß es von Peta.
Als „Gesundheitspolizei“ seien Füchse zudem ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur. Sie sicherten ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und Krankheitsherde sofort eliminieren, argumentierte die Tierrechtsorganisation laut Mitteilung weiter.
Minister verteidigt Jagd: Schutz bedrohter Arten im Fokus
Wirtschaftsminister Aiwanger verteidigte hingegen die hohen Abschusszahlen. „Die Zahlen zeigen, dass die bayerische Jägerschaft weiterhin viel Engagement bei der Raubwildbejagung zeigt und so einen wesentlichen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten wie Bodenbrütern leistet“, betonte der Minister laut dpa. Seit Mai 2024 ist durch eine Verordnungsänderung die Verwendung von Nachtsichttechnik bei der Bejagung von Haarraubwild wie Füchsen und Waschbären gestattet.
Die mit Abstand meist geschossene Tierart in Bayern war aber auch im Jagdjahr 2024/2025 das Rehwild mit mehr als 354.000 erlegten Tieren, wie aus dem aktuellen Jagdbericht hervorgeht. Auch Wildschweine liefen demnach oft vor die Flinten der Jäger: mehr als 69.000 Mal. Bei Hasen lag die Zahl der erlegten Tiere bei 53.288, bei Rabenkrähen waren es mehr als 64.000. (Quellen: Jagdbericht des Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Peta, dpa) (mara)