"Äpfel mit Birnen verglichen" – Leser bewerten Dänemark-Vergleich

Dänemark gilt vielen als Vorbild in der Klimapolitik. Der Artikel mit aktuellen Zahlen und dem Vergleich zu Deutschland stößt in der Community eine intensive Debatte an. In den Kommentaren rücken weniger die Klimaziele selbst in den Fokus als die Umsetzung – und die Frage, ob Länder mit so unterschiedlichen wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen überhaupt sinnvoll vergleichbar sind.

Kritik am Vergleich

Viele Leser bezweifeln, dass sich Dänemarks Klimapolitik auf Deutschland übertragen lässt. Sie verweisen auf klare Unterschiede: Deutschland hat eine deutlich größere Bevölkerung, eine energieintensive Industrie und weniger geografische Vorteile beim Ausbau von Offshore-Windkraft. Der Hinweis ist faktisch korrekt: Dänemark produziert pro Kopf weniger Industrieemissionen und profitiert stärker von Küstenlage und geringerer Bevölkerungsdichte. Entsprechend halten viele Kommentatoren den Vergleich für verkürzt, erkennen aber vereinzelt an, dass einzelne pragmatische Ansätze dennoch Anregungen liefern könnten.

"Naja, Dänemark hat die bessere Natur für Erneuerbare als wir. Hinzu kommt noch, dass sie viel, viel weniger Einwohner und damit Haushalte versorgen müssen und daher weniger Anlagen brauchen, auch, weil sie nicht so eine energieintensive Industrieflotte haben. Daher ist der Vergleich Dänemark-Deutschland ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen ..."  Zum Originalkommentar

"Klar, Deutschland mit Dänemark vergleichen: Dänemark hat keine Stahlwerke, Autofabriken, Großchemie usw. Kaufen die bei uns. Und nun?"  Zum Originalkommentar

"Der Vergleich zu Deutschland hinkt hinten wie vorne (...) Während die deutsche Industrie traditionell auf energieintensive Branchen wie Chemie, Metallerzeugung und Automobilbau setzt, hat Dänemark eine Wirtschaftsstruktur entwickelt, die pro erwirtschaftetem Euro deutlich weniger Energie benötigt."  Zum Originalkommentar

Kritik an CO2-Steuer 

Ein großer Teil der Diskussion richtet sich gegen CO2-Steuern und ähnliche Abgaben. Leser kritisieren, dass Steuern allein das Klima nicht schützen, sondern vor allem Kosten verursachen. Tatsächlich gelten CO2-Preise in der Klimapolitik als Lenkungsinstrument, nicht als alleinige Lösung. Ihre Wirkung hängt davon ab, ob Einnahmen zurückgegeben oder gezielt investiert werden. In der Debatte überwiegt jedoch die Sorge vor finanzieller Belastung ohne sichtbaren Nutzen.

"Eine Abgabe oder Steuer macht das Klima erstmal nicht besser. Eine entsprechende Frage wird nie beantwortet, mit welchem Geld wollen sich Staaten in Zukunft bei Klimaneutralität finanzieren, wenn Steuern auf fossile Energien wegfallen?"  Zum Originalkommentar

"Wir zahlen genug Steuern. Wir brauchen das nicht. Es ist seit der Einführung dieser unnützen Steuer noch kein Baum grüner geworden."  Zum Originalkommentar

"Wir sollten uns entscheiden: Klimaschutz oder Wirtschaftsschutz. Ich bin für Letzteres!"  Zum Originalkommentar

Debatte zur globalen Perspektive

Viele Kommentatoren stellen infrage, wie wirksam nationale Klimapolitik sein kann, solange große Emittenten wie China oder die USA nicht im gleichen Maß handeln. Der Einwand ist sachlich nachvollziehbar: Deutschlands und Dänemarks Emissionen machen nur einen kleinen Teil der globalen Emissionen aus. Gleichzeitig weisen Experten darauf hin, dass nationale Maßnahmen dennoch Teil internationaler Verpflichtungen und technischer Vorreiterrollen sein können. In den Kommentaren dominiert jedoch die Skepsis gegenüber dieser Argumentation.

"Da kann man hier Maßnahmen einführen und Geld ausgeben, wie man will, es nützt kein bisschen. Die CO2-Konzentration weltweit (Keelingkurve) steigt seit 60 Jahren in zunehmendem Maße. Da tut sich nichts in Richtung Besserung. Da müssten alle Länder in gleicher Weise mitmachen und das ist Illusion."  Zum Originalkommentar

"Die großen Emittenten wie China, Indien, Golfstaaten, USA haben keine CO2-Steuer. Aber Europa macht das schon."  Zum Originalkommentar

"Produktion wird teils ins Ausland verlagert, was den globalen Fußabdruck nicht wirklich verringert. Genau das machen wir auch seit vielen Jahren."  Zum Originalkommentar

Kritik an Klimapolitik und Umsetzung

Einige Leser kritisieren weniger die Klimaziele selbst als deren politische Umsetzung. Sie bemängeln Symbolpolitik, hohe Kosten und fehlende messbare Effekte. Der Vergleich mit Dänemark werde oft genutzt, um politischen Druck zu erzeugen, ohne strukturelle Unterschiede ausreichend zu erklären. Auch diese Kritik greift einen realen Punkt auf: Erfolgsmessung im Klimaschutz bleibt komplex und schwer vermittelbar.

"(...) Wo sind denn die Erfolge der CO2-Steuer der letzten Jahrzehnte? Die fing ja schon viel früher an, wenn auch woanders. Sollte ja ohne Probleme wissenschaftlich nachweisbar sein. Und wenn es keine gibt oder immer schlimmer wird trotz immer mehr Geld, warum zahlen wir dann noch?"  Zum Originalkommentar

"Wer kaum energieintensive Industrie hat oder hatte, tut sich eben leicht(er)."  Zum Originalkommentar

Debatte um Politik in Dänemark

Ein kleinerer Teil der Diskussion verweist auf den politischen Konsens in Dänemark als Erfolgsfaktor. Gleichzeitig bezweifeln viele, dass sich ein ähnlicher Konsens in Deutschland erreichen lässt. Der Hinweis ist nicht unbegründet: Dänemark setzt Klimaziele parteiübergreifend um, während die deutsche Klimapolitik stärker polarisiert bleibt.

"Ja, die Dänen können es! Warum? Weil dort auch viele Politiker und Gesetzesvorschreiber mitdenkende Menschen sind und nicht nur Beamtensesselsitzer. Unsere Landwirtschaft blockiert jeden Vorschlag in Richtung Klimaschutz und Natur-/Gewässerschutz."  Zum Originalkommentar

"Dänemark ist keine Industrienation, sondern lebt vom Tourismus. Da kann man die Klimaaktivitäten gut im Marketing verpacken und gibt auch noch Raum für Preissteigerungen. Wenn wir uns Dänemark als Vorbild nehmen wollen, dann bitte auch im Gesundheits- und Bildungswesen und in der Migrationspolitik. Nur zusammen wird daraus ein Schuh, ansonsten ist es ideologisches Cherry-Picking."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Viele Beiträge bleiben unspezifisch, persönlich, wiederholen sich oder weichen vom Kernthema ab. Sie unterstreichen vor allem eines: Die Klimadebatte ist stark emotionalisiert und wird zunehmend mit grundsätzlichen politischen Fragen verknüpft.

"Es sind immer noch nur Ankündigungen. Keine aktuellen Handlungen."  Zum Originalkommentar

"Dänemark hat so viele Einwohner wie Berlin.. mehr braucht man dazu nicht zu sagen."  Zum Originalkommentar

 

Diskutieren Sie mit: Welche Lehren sollte Deutschland wirklich aus Dänemark ziehen – und welche besser nicht? Teilen Sie Ihre Meinung unten in den Kommentaren und werden Sie Teil der FOCUS-online-Debatte!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Sogar die Kühe zahlen hier CO2-Steuer: Die Dänen sind die neuen Klimastreber
Jetzt mitreden