ISW-Analyse: Mit russischen Überfällen auf Grenzdörfer soll der Westen hinters Licht geführt werden

Russlands Streitkräfte führen aktuell in den ukrainischen Regionen Sumy und Charkiw eine Kampagne der psychologischen Kriegsführung durch. Ziel ist es dabei, den Eindruck eines Zusammenbruchs der ukrainischen Frontlinie zu erzeugen. 

Laut dem "Institute for the Study of War" (ISW) sollen lokale Angriffe auf Grenzdörfer als großangelegte Offensive dargestellt werden, um die Position des Kremls bei weiteren Friedensgesprächen mit dem Westen zu stärken. 

50 Ukrainer verschleppt

Zuletzt hatten russische Soldaten ungefähr 50 Ukrainer aus der Grenzregion in Sumy nach Russland verschleppt. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez schrieb bei Telegram, bereits am vergangenen Donnerstag seien ungefähr 50 Einwohner des Dorfs Hrabowske gefangen genommen worden. 

Anschließend seien sie ohne Zugang zu Kommunikationsmitteln und unter unangemessenen Bedingungen festgehalten und am Samstag nach Russland verschleppt worden. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht prüfen. 

Eine ukrainische Artilleriestellung bei Sumy nahe der russischen Grenze (Archivbild)
Eine ukrainische Artilleriestellung bei Sumy nahe der russischen Grenze (Archivbild) Nikoletta Stoyanova/Getty Images

Keine Anzeichen für eine großangelegte Offensive

Das ISW betont jedoch, dass es keine Hinweise auf einen bevorstehenden Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung gibt. Russische Truppen hätten keine Voraussetzungen für eine großflächige Offensive über die Grenze in den Norden der Ukraine geschaffen. Laut "RBC" ist die Frontlinie in den betroffenen Gebieten seit Sommer 2025 weitgehend ruhig.