Große deutsche Brauerei schließt Standort: Mitarbeiter erhalten Kündigungsschreiben kurz vor Weihnachten

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Sie verkauft offenbar weniger Bier: Die bayerische Oettinger-Brauerei baut in Deutschland deutlich Stellen ab. Eine Transfergesellschaft soll helfen.

Oettingen – Weihnachten und Silvester machen da keine Ausnahme: Die deutsche Wirtschaft ist in Schieflage. Und vielerorts zieht das teils drastische Folgen für das Personal nach sich. Während der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, den Reform-Druck auf die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) zuletzt massiv erhöhte, arbeitet das nächste Traditionsunternehmen an einem erheblichen Stellenabbau.

Die Oettinger Brauerei baut in Norddeutschland Stellen ab. (Symbolfoto)
Die Oettinger Brauerei baut in Norddeutschland Stellen ab. (Symbolfoto) © IMAGO / Arnulf Hettrich

Die bayerische Oettinger-Gruppe hat sich laut NDR mit dem Betriebsrat der großen Brauerei darauf verständigt, dass 140 Mitarbeiter am Standort in Braunschweig (Niedersachsen) ab Januar 2026 in eine Transfergesellschaft wechseln. Die bisherigen Beschäftigten sollen von der Brauerei ferner Ausgleichszahlungen erhalten, heißt es in dem Bericht weiter. Laut NDR haben nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) die Beschäftigten pünktlich zum Weihnachtsfest die Kündigungsschreiben erhalten. „Ein kaltherzigeres Ende für einen Traditionsbetrieb ist kaum denkbar“, kritisierte Gewerkschafter Alexander Nimptsch.

Stellenabbau in Niedersachsen: Oettinger-Brauerei stellt Bier-Produktion in Braunschweig ein

In Braunschweig soll es künftig nur noch die Logistik der Oettinger-Gruppe geben. Eine Unternehmenssprecherin hatte zuvor bereits dem NDR bestätigt, dass die Bier-Produktion am Standort Braunschweig Ende des Jahres eingestellt wird. Grund sollen dem Medienbericht zufolge sinkende Absätze sein. Bereits im Sommer wurde bekannt, dass die Produktion der dortigen Biere auf die Standorte in Oettingen (Bayern) und in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) verlagert wird.

Wie die Braunschweiger Zeitung berichtete, soll die Technik in der Brauerei am Standort Braunschweig zudem veraltet sein. Die Oettinger-Gruppe aus bayerisch Schwaben hatte 2009 dem großen Carlsberg-Konzern aus Dänemark die frühere Feldschlößchen-Brauerei in Braunschweig abgekauft. Feldschlößchen wurde dort bereits im Jahr 1871 gegründet. Eine Transfergesellschaft gilt in Deutschland als ein Instrument für einen möglichst sozialverträglichen Personalabbau.

Deutsche Wirtschaft kriselt: Wachstumsprognose macht weiter Sorgen

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wechseln nach einer betriebsbedingten Entlassung in eine befristete Beschäftigung bei einer externen Dienstleister-Gesellschaft, um sich für neue Jobs bewerben zu können, ohne arbeitslos zu werden. Jüngst hatte das ifo Institut die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft deutlich gesenkt. Indes wird in Deutschland weiter über die mögliche Kürzung von Feiertagen diskutiert, um auch damit einen Weg aus der Krise zu finden. (Quellen: Süddeutsche Zeitung, NDR, ifo Institut) (pm)