Die Langengeislinger St. Martins-Kirche zählt zu den schönsten im Landkreis. Kreisheimatpflegerin Sandra Angermaier führte durch das Gotteshaus voller Kunstschätze.
Eine der schönsten Kirchen im Landkreis steht in Langengeisling und ist dem Heiligen Martin von Tours gewidmet. Bei einer Kirchenführung im Rahmen des KBW-Adventskalenders zitierte Kreisheimatpflegerin Sandra Angermaier den Satz „Staunen nur kann ich …“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert angesichts der zahlreichen Highlights in dem Gotteshaus.
Schon von außen ist eine Besonderheit zu erkennen, denn die von Hans Kogler erbaute Kirche weist nicht den Kogler-typischen-Zwiebelturm auf. „Hier ist eine Welsche Haube, auch Thüringer Haube genannte Kirchturm-Bedeckung zu sehen“, erklärte Angermaier und verwies auch auf das Doppelbalkenkreuz auf der Kirchturmspitze. „Dies weist auf eine enge Verbindung zum Freisinger Domberg hin“, so Angermaier.
An Römerstraßen gibt es oft Martinskirchen
Sofort ins Auge stechen in der Kirche die großen Deckengemälde von Johann Martin Heigl, die eine Krankenheilung und die Himmelfahrt des Heiligen zeigen. Das Hochaltarbild zeigt den Hl. Martin, wie er seinen Mantel mit einem Bettler teilt.
„Zu der Kirche führten früher zahlreiche Wallfahrten“, erklärte die Kirchenführerin und verwies auf die gestifteten Votivkerzen an der Wand. Hierher seien auch Menschen mit Gebrechen und Leiden gekommen und hätten Heilung erfahren, wusste sie.
Grundsätzlich seien an alten Römerstraßen oft Martinskirchen zu finden, erläuterte Angermaier. Auch einige Langengeislinger waren zur Führung gekommen, die ihr Spezialwissen über ihre Kirche mit einbringen konnten. Wunderschön anzusehen sind auch die beiden Seitenaltäre, auf denen rechts der Hl. Sebastian und links der Hl. Josef mit dem Jesuskind abgebildet sind. Über dem linken Seitenaltar ist auch eine Schwarze Madonna zu sehen, nach dem Vorbild derjenigen in der Wallfahrtskirche Neukirchen-Heilig Blut.
Seltener Blick ins Johanneskircherl
Relativ wenig Stuck ist an der Decke zu finden, dafür ist kunstvolle Stuck-Malerei mit den Stuckarbeiten verbunden, wie Angermaier hervorhob. Einen zweiten Blick lohnt auch die schön verzierte Kanzel, die die vier Evangelisten abbildet. Ob eine geschnitzte „Mater Dolorosa“ von Christian Jorhan oder eine Skulptur namens „Anna selbdritt“, die laut Angermaier die heilige Anna, ihre Tochter Maria und deren Sohn Jesus darstellt – es gab bei der Veranstaltung viele interessante Details zu entdecken.
Zum Einstieg der Führung hatte Angermaier die Besucher in das eher versteckt hinter der Pfarrkirche liegende Johanneskircherl geführt. „Das Kircherl ist nur zu Maiandachten oder an Fronleichnam geöffnet“, erläuterten die Langengeislinger. Hier zeigte die Kreisheimatpflegerin schöne Silberarbeiten im Rokokostil, die als Votivgaben von Pilgern gespendet wurden.
Sicher war das Kirchlein früher nicht so schmucklos wie heute, wie Angermaier spekulierte. Es gab wohl eine andere Wandfarbe, an den Wänden hingen Leuchter und wahrscheinlich war auch ein Taufbecken vorhanden. So zeigt auch das Bild am Hochaltar die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer.