Bärenstark in Bayreuth: SC Riessersee dreht trotz acht Ausfällen ein 0:2 in einen 7:3-Sieg

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Überragender Mann in Bayreuth: Parker Colley (r.), der mit Leon Neiger die Treffer feiert. © VOLK

Defensive ist wieder Trumpf: Die Riesserseer Rumpftruppe überrascht beim Tabellensechsten der Oberliga mit einem 7:3-Erfolg.

In der bittersten Stunde nach der Derbyklatsche in Bad Tölz hatte Markus Jocher ein Versprechen gegeben: Das Defensivspiel werde er seiner Mannschaft beibringen – unter Garantie. Keine zwei Wochen später kann man sagen: Er hat keine Sprüche geklopft. Ja, die Riesserseer wissen wieder, wie man hinten dicht macht, wie man den Gegner zur Verzweiflung bringen kann. Das gelang gestern Abend sogar mit einer absoluten Rumpftruppe beim Oberliga-Sechsten in Bayreuth. Mit acht Ausfällen angereist, holte sich ein hocheffizienter SCR den Dreier durch ein 7:3.

Es waren die letzten Mohikaner, die sich am Sonntag in Richtung Bayreuth aufmachten. Acht Ausfälle – der SCR kam etwas gerupft in Oberfranken an. Zu den Langzeitverletzten Robin Soudek, Lubor Dibelka und Jesse Roach gesellten sich Nik Armstrong-Kingkade nach seinem Stockcheck ins Gesicht vom Freitag, Quirin Glas-Bader, Andreas Mechel und Luis Jäckle meldeten sich krank. Und weil das noch nicht reichte, zog Rosenheim Jannick Stein ab. Schon war nicht mehr viel übrig. Nur gut, dass zumindest Partner Ravensburg Anselm Gerg entbehren konnte.

So waren es gerade mal drei Reihen inklusive aller Youngster, die sich den schwarz-gelben Tigers entgegenstellten. Die boten vier komplette Reihen auf, waren komplett. Recht ungleiche Voraussetzungen also. Nur, das muss ja nicht immer etwas bedeuten.

Zunächst sah es freilich schon so aus. Vom Eröffnungsbully weg drückten die Gastgeber. Kaum einmal kamen die Riesserseer in der Anfangsphase kontrolliert an den Puck. In der zehnten Minute gab es überhaupt erst den ersten geordneten Angriff. In der ersten Unterzahl gab es dann auch den Rückschlag: Ein auf den ersten Blick harmloser Schlenzer von außen fand den Weg in den Kasten. Goalie Patrik Mühlberger ließ sich davon nicht beeindrucken, gab in der Folge einen starken Rückhalt, hatte auch großen Anteil am Auswärtserfolg. Beim 0:2 war er machtlos: Da legte Parker Colley dem Gegner die Scheibe direkt auf die Kelle.

Das Spiel lief in die falsche Richtung. Doch nur 20 Sekunden nach dem 0:2 jubelten plötzlich die Riesserseer: Tobias Kircher arbeitete den Puck vors Tor, Tim Hettich schloss aus der Drehung einfach ab – 1:2. Der Treffer wirkte schon wie eine Initialzündung. Vielleicht gewann der SCR den Glauben an sich selbst zurück, dass es nicht aussichtslos war an diesem Abend. „Wir haben nicht aufgehört, unser Defensivsystem weitergespielt“, lobte Coach Jocher.

Den Lohn kassierte das Team in Drittel zwei. Von da an spielte fast nur noch der Gast. Bayreuth-Goalie Maximilian Meier verhinderte zunächst mit Glanzparaden gegen Charlie Risk und Colley einen höheren Rückstand. Zwei Tore gelangen dem SCR dennoch: Zunächst legte Andreas Schneider auf Alexander Höller, der den Puck unbedrängt in den Kasten stocherte, dann staubte Thomas Schmid, neuerdings als Kampfpaket im Powerplay vor dem gegnerischen Tor, zum 3:2 ab.

Im Schlussabschnitt spielte der SCR dann ähnlich furios auf, wie es die Tölzer Löwen im Derby gegen die Riesserseer getan hatten. Plötzlich lief es. Gleich nach 26 Sekunden ging es los. Tobias Kircher tankte sich vors Tor, schloss mit der Rückhand ab. Dann begannen die Konterspiele: Colley setzte Leon Neiger in Szene – 5:2. Und dann war es der Kanadier selbst, der zwei Alleingänge sehenswert abschloss. Das Bayreuther 3:5 war nur Makulatur gewesen. „Vielleicht war‘s am Ende etwas zu hoch“, spekulierte Jocher. Ganz sicher war es ein Eishockeyabend, den so wohl kaum einer erwartet hatte.