Ohne Tiefengeothermie klafft 2045 eine riesige Lücke bei der Wärme

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Das Projekt Geothermie hätte einen riesigen Einfluss auf die lokale Energiegewinnung in Germering (Symbolbild). © Jens Büttner

Der digitale Energienutzungsplan zeigt zwei Szenarien für Germering. Ohne Geothermie müssen 40 Prozent der Wärme importiert werden.

Germering – Der Satz fällt gleich zu Beginn: „Das Tool ist keine Glaskugel, aber es zeigt sehr gut, wo wir realistisch landen können“, sagte Pascal Luginger im Umweltausschuss. Der Klimaschutzbeauftragte stellte das neue Szenarientool des digitalen Energienutzungsplans (ENP) vor – eine Excel-Anwendung, mit der sich die energetische Zukunft der Stadt simulieren lässt.

Das Landratsamt hat den digitalen ENP für alle Kommunen bereitgestellt. Kernstück ist das Szenarientool, das per Stellschrauben wie Sanierungsrate, Photovoltaik-Ausbau oder Fernwärme den künftigen Energiebedarf und die lokale Erzeugung abschätzt. Die ursprüngliche Voreinstellung passte jedoch kaum zu Germering. „Deshalb haben wir eigene, realistischere Szenarien gerechnet“, so Luginger.

Die Verwaltung hat zwei Modelle entwickelt – eines ohne Tiefengeothermie, eines mit. Entscheidend ist die Frage, ob Germering künftig eigene geothermische Wärme beziehen kann.

Im Szenario I ohne Tiefengeothermie liegt der Wärmebedarf 2045 deutlich über der lokalen Erzeugung. Rund 40 Prozent müssten weiterhin importiert werden. „Wie diese Lücke gedeckt wird, ist völlig offen“, warnte Luginger. Biomethan, Wasserstoff oder andere Träger seien womöglich nicht in ausreichender Menge verfügbar. Auch beim Strom könnte nur etwa die Hälfte des Bedarfs vor Ort gedeckt werden. Eingerechnet ist lediglich eine Windkraftanlage.

Im Szenario II mit Tiefengeothermie verändert sich das Bild spürbar: Eine Bohrung würde die lokale Wärmeerzeugung deutlich erhöhen und einen Großteil des Bedarfs abdecken. „Das ist der große Sprung. Mit Geothermie werden wir bei der Wärmeversorgung resilienter“, so Luginger.

Die Grafiken des ENP zeigen, wie stark einzelne Faktoren die Bilanz beeinflussen. Zugleich betonte Luginger die Grenzen des Werkzeugs: „Viele Stellschrauben liegen nicht in unserer Hand – die Sanierungsrate zum Beispiel oder der private PV-Ausbau.“ Die bundesweite Quote liege derzeit bei nur 0,7 Prozent. Beim Ausbau der Photovoltaik zeigte er sich optimistischer: Die installierte Leistung steigt, das Potenzial auf den Dächern ist groß.

Die Beschlussvorlage fasst es zusammen: Trotz städtischen Charakters kann Germering langfristig einen hohen Anteil seines Energiebedarfs selbst decken. Voraussetzung ist jedoch ein ambitionierter Ausbau – und ein erfolgreicher Start der Tiefengeothermie. Ohne sie müsste auch 2045 ein erheblicher Teil der Wärme importiert werden. „Und ob diese Energieträger dann günstig und ausreichend vorhanden sind, ist fraglich“, so Luginger.

Das Tool dient nun als Orientierung – nicht als exakte Prognose, aber als Grundlage für künftige Entscheidungen.