10 Klima-Erfolge aus Deutschland, China und Frankreich, die Hoffnung machen

Gibt es mit Blick auf Klima und Umwelt eigentlich auch Entwicklungen, die optimistisch stimmen? Man muss suchen, aber einige gibt es tatsächlich. Beispiele, die Zuversicht wecken:

1. Hochsee-Abkommen auf gutem Weg

Das internationale Abkommen zum Schutz des Hochsees kann in Kraft treten, nachdem ihm mehr als 60 Staaten beigetreten sind. „Dies ist ein Meilenstein, um verantwortungslose Überfischung zu beenden und den globalen Meeresschutz voranzubringen“, heißt es von der Naturschutzorganisation Pro Wildlife.

Das Abkommen ermöglicht die Einrichtung von Schutzgebieten auf Hoher See, die über 40 Prozent der Erdoberfläche umfasst. Darüber hinaus werden verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfungen für Aktivitäten mit Auswirkungen auf die Meeresumwelt des Hohen Sees eingeführt.

2. CO2-Einsparungen in der EU

Das Thema Klimaschutz hat es in der EU seit geraumer Zeit wahrlich nicht leicht. Das zeigte nicht zuletzt, dass zähe Ringe der Mitgliedstaaten ein Klimaziel für das Jahr 2040 sind: Es endete letztendlich in einem Kompromiss, demzufolge sich die Länder zumindest Teile der Wirtschaftsgüter durch Deals mit dem außereuropäischen Ausland erwerben können. Aber: In Sachen CO2-Einsparungen weist die EU nach wie vor den Weg, zumindest teilweise.

Aktuelle Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA) zeigen, dass die Treibhausgas-Emissionen in der EU 2024 weiter zurückgegangen sind, und zwar um 2,5 Prozent. Damit befinden sich die Staaten nach EWR-Angaben weiter oder weniger auf Kurs, das selbstgesteckte Ziel einer Emissionsverringerung von 55 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 zu erreichen: Nach jüngstem Stand würden die 27 insgesamt bis Ende des Jahrzehnts bei einem Rückgang von 54 Prozent landen - wenn sie denn alle aktuellen und geplanten Klimaschutzmaßnahmen vollständig umsetzen.

Gut läuft es nach Angaben der in Kopenhagen ansässigen EEA bereits bei der Umstellung auf erneuerbare Energien, viel schlechter dagegen in der Industrie und bei den Verkehrsemissionen.

3. Erneuerbare in China

China baut wie kein anderes Land der Welt Kapazitäten bei Solar- und Windkraft aus. In seinen nationalen Klimazielen soll die Volksrepublik in diesen Gebieten bis 2035 rund 3.600 Gigawatt (GW) an Kapazität installiert haben. Für 2024 beziffert die nationale Energiebehörde den Ausbau auf 373 Gigawatt – ein Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zu 2023. Der Löwenanteil stellte Solarenergie (278 GW), gefolgt von Windkraft (fast 80 GW).

China hat zwischen 2014 und 2023 fast dreimal so viel wie die USA und doppelt so viel wie Europa in Erneuerbare Energien investiert. (Archivbild)
China hat in den letzten Jahren massiv in Erneuerbare Energien investiert. Hu Huhu/Xinhua/dpa

4. Schutz der Ozonschicht

Die weltweiten Bemühungen zur Rettung der schützenden Ozonschicht, die die Erde umhüllt, tragen Früchte: 2024 war das Ozonloch wieder kleiner als im 30-jährigen Mittel (1990-2020). Es wurde unter anderem durch schädliche Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verursacht, die etwa in Kühlgeräten, Feuerlöschschaum oder Haarspray verwendet wurden.

FCKW wurden seit den späten 1980ern nach und nach weitgehend verbannt. Bis Mitte des Jahrhunderts dürfte sich die Ozonschicht nach Prognosen der Weltwetterorganisation (WMO) auf das Niveau der 1980er Jahre erholt haben.

5. Greentech-Boom treibt Deutschlands Wirtschaft voran

Der Greentech-Sektor wächst schneller als jede andere Branche, schafft Millionen Arbeitsplätze und stärkt die Exportkraft. Der aktuelle „Greentech“-Atlas zeigt, dass die Branche inzwischen über 314 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung erzielt – fast neun Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.

Rund 3,4 Millionen Menschen arbeiten bereits in diesem Bereich, der jährlich um etwa fünf Prozent wächst. Experten betonen, dass Klimaschutz wirtschaftlich sinnvoll sei, da erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom mittlerweile die günstigsten Energiequellen weltweit seien.

Bauarbeiter installieren Solarpaneele
Die Greentech-Branche schafft Arbeitsplätze in Deutschland. IMAGO / Christian Ender

6. Entkopplung von BIP und CO2-Emissionen

Laut einer Analyse des „Energy & Climate Intelligence Unit“ gelingt es immer mehr Ländern, ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu steigern, während die CO2-Emissionen sinken oder langsamer wachsen. Die Studie „10 Years Post-Paris: How emissions decoupling has progressed globally“ untersuchte 113 Länder, die zusammen 97 Prozent des globalen BIP und 93 Prozent der weltweiten Emissionen repräsentieren. 

Seit dem Pariser Klimaabkommen stieg die Zahl der Länder mit absoluter Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen auf 43, während 40 Länder eine relative Entkopplung erreichten. Besonders erfolgreich sind west- und nordeuropäische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Norwegen. Simon Land, Mitautor der Studie, betont: „Die Entkopplung ist mittlerweile die Norm und keine Ausnahme mehr.“

7. Luftqualität regional besser

Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Waldbrände sorgen weltweit vielerorts für immer schlechtere Luft, aber zum Beispiel im Osten Chinas um die Millionenstadt Shanghai hat sich die Lage deutlich verbessert, wie die WMO im September berichtete. 

Die Konzentration von Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (PM2,5) sank dort, weil mehr Parks angelegt und Bäume gepflanzt wurden und viele neue Autos elektrische Antriebe hatten und damit weniger Schadstoffe ausstoßen. Auch in Nordamerika und in Europa sei die Konzentration von Feinstaub in der Atmosphäre durch Umweltschutzmaßnahmen gesunken.

Blick auf Shanghai
In Shanghai wurden für den Klimaschutz mehr Parks angelegt und Bäume gepflanzt. IMAGO / YAY Images

8. Satelliten zeigen Fortschritte bei der Klimaanpassung

Eine internationale Studie der University of Galway und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zeigt, wie Satelliten helfen, globale Klimaanpassung messbar zu machen. Mithilfe von Langzeitbeobachtungen aus dem All werden Veränderungen bei Vegetation, Wasserhaushalt und Temperatur erfasst. 

Zwei Drittel der wichtigsten Klimavariablen können durch Satelliten überwacht werden, auch in abgelegenen Regionen ohne Messstationen. „Satellitendaten sollten ein fester Bestandteil der Indikatoren zur Klimaanpassung sein“, betont ESA-Wissenschaftlerin Sarah Connors. Die Daten helfen, Risiken für Landwirtschaft, Gesundheit und Infrastruktur frühzeitig zu erkennen.

9. Einfache Methan-Maßnahmen mit großer Wirkung

Experten betonen, dass einfache Methanreduktionen weltweit jährlich 180.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verhindern und Ernteverluste von 19 Millionen Tonnen vermeiden könnten. 

Zu den Maßnahmen zählen Leckerkennung und Reparaturen im Öl- und Gassektor, Wassermanagement im Reisanbau sowie die getrennte Behandlung organischer Abfälle. Martina Otto von der Climate and Clean Air Coalition fordert mehr Tempo: „Die Technologien sind da, jetzt müssen wir handeln.“ Die Experten sehen Methanreduktion als eine leicht umsetzbare und vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit, die globale Erwärmung zu bremsen und Leben zu retten.

Methanbläschen meer
Methan ist unsichtbar – doch manchmal zeigt es sich im Wasser in Form von aufsteigenden Bläschen. IMAGO / Pond5 Images

10. Grüne Mobilität in der Stadt der Liebe

Paris gilt als Vorbild, was grüne Mobilität angeht, und mittlerweile ist das im Stadtbild auch deutlich sichtbar: Seit 2002 ist der Autoverkehr in Paris um fast 50 Prozent gesunken. Wo früher die Autos direkt am Seineufer entlangrasten, liegt heute eine Spazier- und Freizeitzone. In weiten Teilen der Stadt gilt Tempo 30. In der Innenstadt ist eine Zone für den Durchgangsverkehr gesperrt und auf zig großen Straßen mussten Fahrspuren, Radwege und breitere Fußwege weichen.

Mehr als 200 der gut 6.000 Pariser Straßen sind mittlerweile autofreie Zone – bald sollen 500 weitere hinzukommen, wie die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt im Frühjahr entschieden. Verglichen mit früher hat Paris mittlerweile deutlich weniger Probleme mit schlechter Luft. Die Verkehrswende dürfte dazu beigetragen haben.