Eine Milliarde Euro für Busflotten-Modernisierung: Deutsche Bahn vergibt Teilauftrag an chinesischen Hersteller

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Die Deutsche Bahn bestellt 3.300 Busse für über eine Milliarde Euro. Hauptlieferant ist MAN, doch 200 Fahrzeuge kommen von BYD. Politiker warnen vor Sicherheitsrisiken.

Frankfurt a. M. – Die Deutsche Bahn hat den größten Busauftrag ihrer Unternehmensgeschichte vergeben. Mehr als 3.300 neue Fahrzeuge sollen in den kommenden Jahren die Flotte von DB Regio verstärken. Doch während der Hauptteil der Bestellung an den Münchner Hersteller MAN geht, sorgt ein kleinerer Auftrag an den chinesischen Konzern BYD für Kontroversen.

Laut einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn belaufen sich die Kosten für die neuen Busse auf mehr als eine Milliarde Euro. Die Rahmenverträge haben eine Laufzeit von sechs Jahren, die Auslieferung ist für den Zeitraum 2027 bis 2032 geplant. „Mit den neuen Bussen kommen unsere Fahrgäste weiterhin zuverlässig, komfortabel und umweltfreundlich ans Ziel“, sagte DB-Vorstand für Regionalverkehr Harmen van Zijderveld.

Milliarden-Investition in moderne Busflotte: Knapp 200 Busse vom chinesischen Hersteller BYD

Rund 95 Prozent der Bestellung entfallen auf MAN Truck & Bus. Für den Münchner Hersteller ist es der größte Busauftrag der Firmengeschichte. „Der neue Rahmenvertrag mit der Deutschen Bahn ist ein historischer Beschaffungsauftrag“, erklärte MAN-Chef Alexander Vlaskamp. Ein erheblicher Anteil der Fahrzeuge werde vollelektrisch sein, daneben umfasst das Paket auch Hybrid- und Verbrennermodelle. Eine kleinere Flotte von E-Überlandbussen liefert der chinesische Hersteller BYD aus seiner Produktion in Ungarn, wie die Bahn mitteilte. Dabei handelt es sich um knapp 200 Stück, was rund fünf Prozent der erwarteten Fahrzeuge entspricht. Zuvor hatte Spiegel Online von rund 700 BYD-Fahrzeugen berichtet, was die Bahn dementierte.

Die Entscheidung für BYD erfolgte nach einer europaweiten Ausschreibung. Laut DB wurden bei der Vergabe neben Anschaffungskosten auch Energieverbrauch, Instandhaltungsaufwand und weitere Qualitätskriterien betrachtet. Im Rahmen des vergaberechtlich Zulässigen habe die DB auch die Lage der Produktionsstandorte und den Umfang des Servicenetzes der Hersteller berücksichtigt.

Sicherheitspolitische Bedenken und Standortpatriotismus – Kritik aus Politik und Gewerkschaft

Der Grünen-Bundestagsfraktionsvize Konstantin von Notz kritisierte den Auftrag an BYD mit Blick auf die Sicherheitslage. Die Entscheidung werfe Fragen auf, zum Beispiel, ob sicherheitspolitische Aspekte in angemessenem Maße Berücksichtigung gefunden haben, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es müsse sichergestellt sein, dass eine Manipulation kritischer Verkehrsinfrastruktur und das Abschalten ganzer Flotten aus der Ferne ausgeschlossen werden könnten. Auch CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter kritisierte die Bestellung scharf. „Sicherheitspol fahrlässig, wirtschaftspolitisch töricht, strategisch kontraproduktiv“, schrieb er in einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform X.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) übte ebenfalls deutliche Kritik. EVG-Chef Martin Burkert bezeichnete die mögliche Entscheidung für BYD als „schlechten Scherz“, wie der Spiegel berichtete. Erst vor wenigen Wochen habe die Bundesregierung von der Wirtschaft mehr Standortpatriotismus gefordert. „Wir werden das im Aufsichtsrat der Bahn zum Thema machen“, kündigte Burkert an. Dabei gebe es durchaus Alternativen aus europäischen Nachbarländern, etwa die österreichische eVersum mobility solutions aus Leibnitz, die bereits im September 2025 auf der IAA autonome Shuttle-Busse für den Personennahverkehr vorstellte.

Es ist nicht der erste Auftrag seitens DB, der an BYD vergeben wird. Einem Spiegel-Bericht zufolge hat DB Regio erstmals 2021 Elektrobusse bei BYD bestellt. BYD produziert seine Elektrobusse in Ungarn, wo das Unternehmen Mitte 2024 den Grundstein für eine Erweiterung seines Werks legte. Die jährliche Produktion soll damit auf bis zu 1.250 Busse verdreifacht werden.

Knapp 200 der neuen DB-Busse kommen vom chinesischen Hersteller BYD aus dessen Werk in Ungarn – Politiker warnen vor Sicherheitsrisiken. © Manfred Segerer / IMAGO

DB Regio als größter Busanbieter Deutschlands: Moderne Ausstattung und Elektrifizierung

Alle neuen Busse sollen über USB-Anschlüsse an den Sitzen verfügen, sodass Fahrgäste unterwegs ihre Handys und Smartphones laden können. Speziell gepolsterte Sitze sollen für Komfort bei Fahrten über Land sorgen. Außerdem sind alle neuen Solo- und Gelenkbusse klimatisiert, die Elektrobusse haben Klimaanlagen mit einem klimaneutralen Kältemittel und kommen ohne fossile Zusatzheizungen aus. Für die Sicherheit im Straßenverkehr sind alle neuen Busse unter anderem mit LED-Scheinwerfern, Abbiegeassistent und Rückfahrkamera ausgerüstet. Für die E-Busse garantieren die Hersteller laut DB-Pressemitteilung hohe Reichweiten von über 300 Kilometern ohne Nachladen über die gesamte Nutzungsdauer.

Mit rund 561 Millionen Fahrgästen im Jahr 2024 ist DB Regio der größte Anbieter im deutschen Busverkehr. Jeden Tag sind im Schnitt 1,5 Millionen Menschen in Deutschland mit Bussen von DB Regio unterwegs. MAN hat der Bahn bereits in der Vergangenheit viele Busse geliefert – in den vergangenen 15 Jahren waren es dem Unternehmen zufolge nahezu 5.000 für den Stadt- und Überlandverkehr. (ls)

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