Die Gemeinde Farchant verbietet ab Freitag die Durchfahrt bei Stau. Nur wer einen triftigen Grund hat, darf noch durch den Ort fahren.
Die Gemeinde Farchant wagt sich auf neues Terrain. Aus der Not heraus. Das zumindest stellt Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) klar. Das Rathaus gab gestern bekannt, dass es ab Freitag, 19. Dezember, ein staubedingtes Durchfahrverbot für den Ort erlässt. Das gilt künftig von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen in Fahrtrichtung Süden, sollte es Stau auf der Bundesstraße 2/23 geben und der Verkehr über das Dorf ausweichen wollen. „Verkehrsteilnehmer sind dann verpflichtet, auf der Umgehungsstraße zu bleiben“, betont der Bürgermeister. Nur wer einen Grund vorweisen kann, nach Farchant zu fahren, darf dies tun. Die Polizei will die Allgemeinverordnung der Gemeinde auch kontrollieren.
Die nächste Stauphase im Loisachtal kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Das wissen der Rathauschef wie auch die Gemeinderäte. Mit den Weihnachtsferien geht es im Normalfall wieder los. Dann stehen die Pkw vor Garmisch-Partenkirchen, stauen sich vom großen Kreisel zurück durch den Tunnel. Der geht auf Blockabfertigung, und schon reagieren die genervten Fahrer, wollen das Verkehrssystem austricksen und durch Farchant die Pkw-Lawine umfahren. Wer selbst nicht auf die Idee kommt, den leitet das Navigationsgerät raus und durchs Dorf. „Meistens bringt es ja gar nichts“, weiß Hornsteiner. Und doch sorgt dieses Umfahren für Probleme. „Da geht es schon auch um die öffentliche Sicherheit“, betont der Rathauschef. Denn Rettungsdienste und Feuerwehren hätten im Notfall oft riesige Probleme, die Hauptstraße zu passieren. „Damit muss Schluss sein.“
Versucht wurde viel, die Feuerwehr postierte sich sogar teilweise an der B2-Abfahrt Nord. Aber das ist nicht deren Aufgabe – und keine Dauerlösung. Also streckte Hornsteiner die Fühler in Richtung Chiemgau aus. Dort kämpfen rund um Rosenheim und die Autobahnen A8/A93 zahlreiche Gemeinden mit einem ähnlichen Problem. Es wurden Verbote erlassen. „Ich habe mit dem Landrat und Bürgermeistern gesprochen, die Lage hat sich schon verbessert, wenngleich das Problem nicht ganz abzustellen ist.“
Rechtlich ist die Situation dort aber eine andere: Autobahnen und Bundesstraßen sind andere Kaliber als eine Ortsverbindungsstraße, die es zwischen Farchant und Oberau heute noch ist. Zunächst dachte die Gemeinde, das Landratsamt wäre verantwortlich. Stimmte nicht. „Die Zuständigkeit der unteren Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt erstreckt sich nur auf Bundes-, Staats- und Kreisstraßen“, heißt es von der dortigen Pressestelle. „Folglich fällt der Erlass einer verkehrsrechtlichen Anordnung für ein Durchfahrverbot in den eigenen Zuständigkeitsbereich der Gemeinde Farchant.“
Eine Aufgabe, der sich die Verwaltung annahm. Und nun Vollzug meldet. Gespräche gab es mit allen Stellen – alle willigten ein. Die Polizei signalisierte Hornsteiner, dass sie anlassbezogene Kontrollen veranlassen wird. „Und wir hoffen, dass wir den Verkehr reduzieren können“, sagt der Bürgermeister. „Wir werden das auch nur beobachten können.“ Als größte Herausforderung bezeichnet er, die Route durch Farchant aus den Navigationsgeräten zu verbannen. „Es gibt eine Stelle in München, die haben wir informiert.“ Fortan gilt es aber auch, das Durchfahrverbot an den betreffenden Tagen zu melden. „Wir müssen das von mehreren Stellen aus tun.“ So könnte es vielleicht gelingen, zumindest einen Teil des Schleichverkehrs loszuwerden. „Denn die Leute fahren heute doch nur noch nach Navi, die Schilder liest doch kaum jemand.“
Die werden am Freitag aufgestellt. Das Staatliche Bauamt Weilheim unterstützt in der Form, dass es an der Bundesstraße Hinweisschilder zulässt. Die werden aktiviert, sobald der Tunnel Farchant auf Blockabfertigung geht.