Die Meyer Werft aus Niedersachsen musste noch vor rund einem Jahr vom Bund gerettet werden. Jetzt steht der Traditionsfirma wohl ein Milliardenauftrag vor der Tür – ein wichtiges Zeichen.
Papenburg – Die im vergangenen Jahr teilverstaatlichte Meyer Werft in Papenburg steht nach Informationen des Spiegels kurz vor einem neuen Milliardenauftrag. Noch im Dezember solle eine Absichtserklärung über den Bau von vier großen Kreuzfahrtschiffen unterzeichnet werden, berichtete das Magazin am Freitag (12. Dezember). Der Bauzeitraum erstrecke sich bis etwa 2036. Beim Kunden könnte es sich um die Schweizer Reederei MSC handeln, schrieb der Spiegel. MSC reagierte nicht auf eine Anfrage des Magazins. Auch die Meyer Werft wollte den Bericht demnach nicht kommentieren.
Am Montag hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu einem gemeinsamen Pressestatement mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD), dem MSC-Aufsichtsratsvorsitzenden Pierfrancesco Vago und Meyer-Werft-Chef Bernd Eikens in Berlin eingeladen. Der Bund und das Land Niedersachsen halten seit 2024 mehr als 80 Prozent der Anteile an dem Traditionsunternehmen. Der Bund strebt laut Spiegel mittelfristig den Ausstieg an; das Land will dem Bericht zufolge möglicherweise länger beteiligt bleiben. Erst seit wenigen Monaten baut die Werft nun auch Militärschiffe.
Meyer Werft: Zuletzt heftige Spannungen – hilft jetzt ein Altbundespräsident?
Der Spiegel berichtete zudem über „heftige Spannungen“ zwischen der Eigentümerfamilie Meyer und dem Management der Werft. Die Familie habe im Oktober in einem Brandbrief an den Bund und das Land Niedersachsen schwere Vorwürfe gegen das Management erhoben; sie beklagte demnach eine fehlende strategische Ausrichtung, unnötige juristische Auseinandersetzungen und die Gefahr, die Werft könne „weiter ins Abseits geraten“. Gleichzeitig bot sie Zusammenarbeit an und forderte, ihre Erfahrung und Netzwerke wieder stärker einzubringen.
Altbundespräsident Christian Wulff und der Jurist Christian von Lenthe könnten nach Informationen in dem Streit vermitteln; beide Namen würden in Regierungs- und Werftkreisen als Moderatoren eines vertraulichen Gesprächsformats genannt. Ziel sei es, das Vertrauen zwischen Staat, Management und der Familie Meyer wiederherzustellen. (Quellen: afp) (lf)