Polarisierendes Projekt in Hamburg: Hier darf nur einziehen, wer kein Auto hat

Vor der Garage steht der schwarze VW Golf des Nachbarn, Baujahr 2001. Mercedes, Ford und Opel reihen sich dahinter zwischen Pflasterstein und Gehweg. So oder so ähnlich sieht der Blick aus vielen deutschen Wohnhäusern aus. 

Nicht aber, wenn es um einen Neubau in Hamburg-Georgswerder/Wilhelmsburg geht. Ab Februar 2026 will die Saga, ein Unternehmen aus Hamburg, 58 Neubauwohnungen in der Hansestadt vermieten. Medienberichten zufolge wurden sie mit öffentlichen Geldern gefördert. Deswegen liegt der Preis pro Quadratmeter auch nur bei 7,25 Euro. 

Die Besonderheit: Nur Menschen, die kein Auto besitzen, sollen einziehen dürfen. Laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ soll der Wohnraum im Quartier „Georgswerder Kirchenwiese“ nahe der Innenstadt und Elbe entstehen.

Autofreie Wohnungen in Hamburg-Georgswerder

Wie die „Bild“-Zeitung schreibt, sollen die Mieter dieser Wohnungen vertraglich zustimmen, kein eigenes Auto zu besitzen oder sich in Zukunft eines anschaffen zu wollen. Statt für Parkplätze soll der öffentliche Raum für Carsharing-Stationen, 140 Fahrradstellplätze, 20 Stellplätze für Lastenräder sowie Fahrradwerkstätten genutzt werden.

Es ist ein Projekt, das polarisiert. Die Menschen, die auf der Suche nach einer Wohnung sind, fühlen sich bevormundet. Vor allem bei der angespannten Lage des Wohnungsmarktes wird das Autoverbot nicht mehr nur als Anreiz verstanden, wie mehrere Medien berichten. 

Ein gut besetzter Parkplatz im sächsischen Bad Schandau
Ein gut besetzter Parkplatz im sächsischen Bad Schandau. Imago

Kritik an Autoverbot: Mobilität und Lebensqualität

Kritisiert wird, dass Mieter das Verbot umgehen könnten. Ein Autoverbot ist laut einem Bericht der „Zeit“ außerdem problematisch, wenn Menschen darauf angewiesen sind, etwa Gehbehinderte oder Alleinerziehende. 

Auch aus der Politik sind Gegenstimmen zu hören. Der CDU-Bezirksabgeordnete (Hamburg-Mitte) Jörn Frommann berichtet im „Hamburger Abendblatt“ von fehlenden Absprachen. Weiter hieß es, dass Rot-Grün versuchen würde, ihre ideologische Keule in der Verkehrspolitik durch die Hintertür durchzusetzen.

Fachanwalt Thomas Pliester zweifelt daran, dass es den Vermietern möglich sein wird, ein Auto-Verbot durchzusetzen, wie er der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) sagte. Schließlich sei eine solche Regel ein Eingriff in die Privatsphäre. Laut dem „Hamburger Abendblatt“ scheiterte bereits ein ähnliches Konzept in Münster. 

Vorteile autofreier Wohnkonzepte

Andere finden: Die Wohnqualität würde sich ohne Autos verbessern. Statt Abgase und Parkplätze gäbe es mehr freien und sicheren Raum. Zudem könne sich eine Stadt mit solchen Konzepten klimafreundlicher entwickeln. Ohnehin besitzen viele Hamburger und Hamburgerinnen kein Auto. Laut Recherchen der „Zeit“ sind es nur rund 40 Prozent.

Medienberichten zufolge wurden die Vermietungen der Neubauwohnungen zunächst gestoppt. Saga, das Wohnungsunternehmen aus Hamburg, will Alternativen zum vertraglichen Verbot eines Privatautos prüfen. 

Nötig sind dabei Absprachen mit der IBA, wie das „Hamburger Abendblatt“ schreibt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben verantwortlich für die Entwicklung neuer Quartiere in Hamburg, zu dem auch das Quartier Georgswerder Kirchenwiesen zählt.