Pionier des Vogelschutzes: Heribert Zintl mit 93 Jahren gestorben

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In seinem Element: Heribert Zintl hatte eine starke Bindung zu seiner Heimat an der Isar. © privat

Heribert Zintl war langjähriger LBV-Kreisvorsitzender und Pionier des Vogelschutzes. Er schuf schwimmende Nistflöße für bedrohte Arten.

Lenggries - Im Alter von 93 Jahren ist der in Lenggries ansässige Naturschützer und im Landesbund für Vogelschutz engagierte Heribert Zintl gestorben. Er war Gründungsmitglied der seit 1973 bestehenden Kreisgruppe und deren langjähriger Vorsitzender. Weit über diese Organisation hinaus genoss er höchste Anerkennung und wurde mehrfach ausgezeichnet: mit der Isar-Loisach-Medaille des Landkreises, der Lenggrieser Silbernen Bürgermedaille und der Bayerischen Umweltmedaille.

Naturschutz glaubhaft vorgelebt

Heribert Zintl verfügte nicht nur über „ein profundes Fachwissen, das seinesgleichen suchte“, wie Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, betont. Zintl sei auch einer gewesen, der „nicht nur geredet, sondern den Naturschutz auch immer glaubhaft vorgelebt und durch die Tat vorangebracht hat“. Er war „nicht nur ein Naturfreund, sondern auch ein großer Menschenfreund mit viel Empathie für alle Mitgeschöpfe“, ergänzt Krönauer. Einer, der Naturschutz nicht dogmatisch, sondern pragmatisch verstand. „Einer, der die Menschen nicht belehren und mit Verboten abschrecken, sondern ihnen die Zusammenhänge in der Natur allgemeinverständlich erklären und sie so für einen achtsamen Umgang mit ihr gewinnen wollte.“

Hohes Ansehen in der Politik

Der Verstorbene genoss auch in der Politik hohes Ansehen und konnte Einfluss auf Entscheidungen nehmen, etwa durch seine Mitgliedschaft im Arbeitskreis Umwelt des CSU-Kreisverbands. „Er war ein Urvater und Pionier des Natur- und Vogelschutzes und ein wunderbarer Mensch“, sagt LBV-Kreisvorstand Josef Winterberger. Er erwähnt, dass Zintl bereits seit 1955 auch Mitglied in der Ornithologischen Gesellschaft Bayern war. Kreativ praktizierter Naturschutz sah für Heribert Zintl zum Beispiel so aus, dass er die ersten schwimmenden Nistflöße für Fluss-Seeschwalben auf bayerischen Seen konzipierte und Kiesinseln in der Isar für die ebenfalls hochgradig gefährdeten Bodenbrüter (zum Beispiel Uferläufer und Flussregenpfeifer) anlegte. Mit der Schaffung von Brutmöglichkeiten und dem Schutz von Gelegen trug er maßgeblich dazu bei, dass diese seltenen Vogelarten im Tölzer Land eine Zukunft haben.

30 Jahre Lehrer in Hohenburg

Heribert Zintl wuchs in München-Laim auf, besuchte dort das Gymnasium und studierte Biologie, Chemie und Geografie. Danach entschied er sich für das Lehrfach, unterrichtete ab 1962 zuerst in Mindelheim, wo er seine Frau Elisabeth kennenlernte, mit der er einen Sohn und eine Tochter hat. 1965 wechselte er an die Internatsschule im Schloss Hohenburg, wo er bis zu seiner Pensionierung 1995 unterrichtete. „Er hatte eine starke Bindung zu seiner Heimat an der Isar“, betont seine Frau. Aber nicht nur die Natur selbst sei ihm am Herzen gelegen – auch, wie sich Menschen seit alters her in ihr eingerichtet haben. So war er etwa im Förderverein Burgruine Hohenburg aktiv.

Sehr gläubiger Mensch

Zudem sei er ein sehr gläubiger Mensch gewesen, dem bewusst war, dass bei allem Fortschritt und Wohlstand letztlich die Natur und das Göttliche über unser Schicksal entscheiden. So zu verstehen sei auch das Bonhoeffer-Zitat auf der Traueranzeige der Familie, dass die Menschen „von guten Mächten wunderbar geborgen“ darin sind.

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