Für Joshua Kimmich war es vielleicht ganz praktisch, dass die Allianz Arena in der zweiten Halbzeit des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Bayern und Sporting Lissabon (3:1) unter einer Wolkendecke aus Rauchschwaden hing. In der 54. Minute hatte Kimmich ein ungeschicktes Eigentor fabriziert, das war auch unter erschwerten Sichtbedingungen untrüglich.
Am Ende ging’s gut für die Bayern, Serge Gnabry, Lennart Karl und Jonathan Tah drehten die Partie zum Sieg. Die Freude war trotzdem getrübt – ungefähr so stark wie die Linsen der Fernsehkameras, nachdem Bayern-Fans vor Wiederanpfiff ein großflächiges Lichtermeer aus Pyrotechnik hatten aufflackern lassen.
Damit wurde die Spielfortsetzung gefährdet und mit ihr der sportliche Erfolg. „Ich hatte Sorge, dass womöglich abgebrochen wird“, sagte Bayerns Vorstandschef Jan-Christian Dreesen später. Und zürnte: „Es ist einfach nicht zu akzeptieren!“
Bayern-Fans, die sich mal wieder in leidiger und peinlicher Selbstinszenierung suhlen
Die Pyro-Show generierte beeindruckende Bilder, gewiss. Aber ehrlich gesagt war sie auch erstaunlich kurzsichtig (da haben wir es wieder mit der Sicht). Und reichlich egoistisch – von Bayern-Fans, die sich mal wieder in leidiger und peinlicher Selbstinszenierung suhlten.
Mir ist sehr bewusst, dass es exakt jener harte Kern an Anhängern ist, der die verbesserte Atmosphäre in der Allianz Arena verantwortet. Selbst gegnerische Fanszenen respektieren das Ausmaß der Unterstützung, das die Bayern bei ihren Auswärtsspielen erfahren.
Zudem hat die Südkurve – die Heimat der Ultras – seit langem ein bemerkenswert feines Gespür für vereinspolitische Stimmungen und Schwingungen dargelegt. An dieser Stelle nur eines von vielen möglichen Stichworten: Katar.
Es sind die Wichtigtuer, die den guten Gesamteindruck vernebeln (bitte verzeihen Sie mir die verlockenden Wortwitze). Zumal wir den Bogen weiter spannen müssen. Denn letztlich schaden die Pyro-Fans mit ihrem Starrsinn dem ganzen Klub.
Die Bayern sind Wiederholungstäter, erst im Frühjahr wurden sie wegen Pyro-Verstößen von der Uefa zu 50.000 Euro Geldstrafe verurteilt – und zu einer Teilsperre auf Bewährung, die jetzt hinfällig geworden ist. Erneute Zwischenfälle waren in der Sanktion nämlich ausdrücklich eingeschlossen. Die Konsequenz ist unumgänglich: Ein „Teilausschluss der Fans in der Südkurve“, wie es Dreesen ausdrückte, wird garantiert kommen.
Pyro-Shows sind das Produkt von Unverbesserlichen, die es nie lernen oder nie lernen wollen
Und das ist ja nicht alles. In der Saison 2023/24 mussten die Münchner beim FC Arsenal komplett auf ihre Fans verzichten. In einem Viertelfinale! Schon damals gab es zuvor eine Bewährung, die wegen wiederholter Pyro-Verstöße irgendwann keine Bewährung mehr war.
Unabhängig davon wurde mir über Jahre oft gesagt, dass Pyrotechnik angeblich nicht gefährlich sei. Für mich kein Argument, das greift. Wer einmal in der Nähe dieser bengalischen Feuer (es sind immer noch Feuer) gestanden ist und diese sogenannte „Fankultur“ nicht zufällig super findet, kann schnell ein Gefühl des Unbehagens entwickeln. Oder gar der Furcht.
Ein paar wenige zündeln herum, weil sie herumzündeln wollen, und 75.000 Menschen im Stadion plus Millionen Bayern-Sympathisanten weltweit müssen die Auswirkungen ertragen – Auswirkungen in Form von sportlichen Nachteilen, die Spiele ohne Fan-Support nun einmal mit sich bringen.
Das ist in meinen Augen keine Rechnung, die aufgeht. Sondern das Produkt von Unverbesserlichen, die es nie lernen (wollen).