Mit so krasser Kritik hat die Stadt wohl nicht gerechnet: In Wolfratshausen werden die Parkgebühren erhöht – liegen aber immer noch weit unterm Schnitt.
Die große Aufregung dreht sich um 20 Cent in der halben Stunde. Um diese Summe steigt die Parkgebühr am Hatzplatz in Wolfratshausen (siehe Bericht unten). Als unsere Zeitung darüber berichtet hat, brach auf Facebook eine wilde Diskussion los. Das Thema polarisiert ungemein. Einige Kommentatoren scheinen mächtig Frust zu schieben.
„Dumme Gemeinde“ und „total Gaga“
„Es gibt auch dumme Gemeinden“, meint ein Facebooker, der als Wohnort Garmisch-Partenkirchen angibt, zur Entscheidung der Stadt. Ein andere findet den Beschluss „total gaga“. Er denkt dabei an die Einzelhändler „Die Stadt kann doch für jeden, der kommt und dort einkauft, froh sein – aber nein, man muss die Parkgebühren erhöhen.“ Manch einer übt sich in Sarkasmus: „Das belebt die Innenstadt gesichert.
Ein Kommentator schlägt vor: „Nicht mehr in die Stadt fahren, damit die Stadt jammern kann, dass alle Geschäfte pleite gehen.“ Es sei nicht nur billiger, sondern noch dazu komfortabler, im Netz einzukaufen. An dem Punkt hakt ein anderer, ein Wolfratshauser ein: Die „50 Cent Parkgebühr“ stünden in keinem Verhältnis zu den üblichen Versandkosten, die von den gängigen Online-Shops abgerufen würden.
Er sieht das Problem ganz allgemein nicht: „Mehrere tausend Euro kostet ein Pkw im Jahr, aber bei 20 Cent mehr Parkgebühren geht der mobile Bürger steil.“ Der Wolfratshauser kritisiert etwas anderes: Dass „Verhinderer Parkhäuser blockieren“, die womöglich dafür sorgen würden, dass die Gebühren deutlich günstiger wären.
Die Diskussion geht auch an Teilen des Stadtrats nicht vorbei. Grünen-Fraktionssprecher Peter Lobenstein schaltet sich ein. Er schreibt: „In Wolfratshausen gibt es zentrumsnahe Parkplätze zu einem immer noch niedrigerem Preis als in Nachbarkommunen wie Geretsried oder Penzberg.“ Und wer sich die Kosten vollständig sparen wolle, könne mit dem Rad fahren – und gratis parken. Die Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) kommentiert unseren Beitrag auf Social Media ebenfalls. Die Aufregung sei „komplett unnötig“, die Gebühren würden „leicht nach oben angepasst“. An manchen Standorten um zehn, an anderen um 20 Cent pro 30 Minuten.
Einheitlich sind die Preise in der Stadt noch nicht. Auch dieses Problem treibt manchen Facebook-Nutzer um: „In Wolfratshausen gibt es mehr Parktarifoptionen als Parkplätze“, kritisiert einer.
E-Autos sind nicht schuld
Achja: Um E-Autos geht es ja auch noch, eigentlich. Denn in der Sitzungsvorlage zur Entscheidung im Stadtrat war die Rede davon, dass der Kommune durch die Elektromobile Einnahmen durch die Lappen gehen. Die dürfen nämlich seit April auf öffentlichen Stellplätzen bayernweit drei Stunden lang kostenlos parken (wir berichteten). Neben einigem allgemeinem Geschimpfe auf E-Autos – das ist im sozialen Netzwerk so etwas wie ein Volkssport – findet man auch valide Argumente. Einer findet nämlich: „Es sollte egal sein, wer da parkt.“ Dass die strombetriebenen Fahrzeuge der Grund für die Erhöhung sind, streitet Grünen-Politikerin Heinloth ab: Durch die Frei-Parken-Regeln sei „kein bezifferbarer oder spürbarer Einnahmen-Ausfall“ entstanden. Das räumte in der Stadtratssitzung auch Bürgermeister Heilinglechner ein.