Dieses Schreiben wird den Kommunalwahlkampf in Regensburg prägen. Namhafte Akteure der Immobilienwirtschaft fordern eine Kehrtwende bei der Baupolitik.
Regensburg - Obwohl die wirtschaftlichen Interessen weitgehend übereinstimmen, ist der Vorgang in Regensburg beispiellos: Zehn einflussreiche Akteure der Bau- und Immobilienbranche haben einen sechsseitigen Brandbrief verfasst, in dem sie die Stadt scharf kritisieren. Der Ton bleibt verbindlich, die Sprache jedoch unmissverständlich.
Im Fokus der Kritik: das Regensburger Baulandmodell
Ihr Hauptvorwurf: Die Rahmenbedingungen in Regensburg seien maßgeblich für den Wohnungsmangel verantwortlich. Ihre Forderung: Das Baulandmodell, das 40 Prozent geförderte Wohnungen vorschreibt, müsse abgeschafft werden.
Unterzeichnet haben den Brief, der gestern an die Oberbürgermeisterin und die Stadtratsfraktionen ging, die führenden Namen der Regensburger Immobilienwirtschaft: Ferdinand Schmack, bekannt durch die Bebauung des ehemaligen Zuckerfabrik-Areals und langjährige Konflikte mit der Stadt; das Immobilien Zentrum Regensburg (IZ), das unter OB Hans Schaidinger stark expandierte; Thomas Rosenkranz, früher beim IZ, heute mit seiner Projektentwicklungsgesellschaft am Keilberg aktiv.
Die Kro Immobilien GmbH, die unter anderem am Brandlberg baute; Peter Trepnau, dessen Firma die Wohnhäuser am Donaumarkt errichtete; die Michael Lösch Objektbau GmbH mit Projekten im gesamten Stadtgebiet; die Lambert Immobilien GmbH, spezialisiert auf Studentenapartments wie UNIKato und UNIsono; die VR Bank Niederbayern-Oberpfalz sowie die Eckert-Gruppe, bekannt durch die Eckert-Schulen und ein breites Immobilienportfolio.
Düstere Prognose und Kritik
Ihre Prognose ist düster: Die Wohnraumsituation werde sich weiter verschärfen, die ohnehin geringe Bautätigkeit weiter zurückgehen. Die Stadt schöne ihre Zahlen, indem sie Garagen, Balkone und Umbauten als Neubauten zähle. Tatsächlich liege die Zahl der Bauvorhaben, die 2025 begonnen wurden, bei nur 13 Prozent des Durchschnitts der Vorjahre.
Die Sozialquote von 40 Prozent, kombiniert mit zu niedrigen Fördermitteln, führe dazu, dass jährlich nur 150 geförderte Wohnungen entstehen könnten. Bei 1.438 zur Förderung anstehenden Wohnungen bedeute dies eine Wartezeit von 9,5 Jahren bis zur Genehmigung neuer Projekte.
Fördertöpfe des Freistaats sind leer
Die Stadt könne zwar nichts für steigende Baukosten, Zinsen oder die unzureichenden Fördermittel des Freistaats, wohl aber für die lokalen Rahmenbedingungen, heißt es im Schreiben.
Viele Kritikpunkte sind nicht neu und bleiben vage: zu lange Genehmigungszeiten, komplizierte Abstimmungsprozesse, überzogene Anforderungen der städtischen Stellen und ein „fehlender Wille, Entscheidungen zu treffen“. Konkrete Lösungsvorschläge fehlen fast völlig – bis auf einen: Die Politik müsse ihren Kurs radikal ändern, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Das Baulandmodell in seiner jetzigen Form sei gescheitert.
Das Schreiben dürfte vor allem der CSU in die Karten spielen. Diese hatte bereits im Juli gefordert, die Sozialquote des Baulandmodells auszusetzen. Es ist absehbar, dass das Thema den anlaufenden Wahlkampf prägen wird.