Wenn das Kind wütend ist, greift das auch die Nerven der Eltern an. Trotzdem sollte man ruhig bleiben und einige Dinge auf keinen Fall sagen.
Eben war die Welt noch in Ordnung, und im nächsten Moment fließen Tränen und der Zorn bricht los. Kinder wirken oft so, als würden ihre Wutanfälle aus dem Nichts kommen. Doch hinter jeder Wut steckt ein Grund. Wut ist eine natürliche, körperliche Reaktion, die Menschen hilft, ihre Bedürfnisse zu verteidigen. Diese Fähigkeit ist angeboren und zeigt sich schon bei Säuglingen. Im Laufe der Kindheit lernen sie dann, ihre Gefühle zu steuern – doch dafür brauchen sie anfangs noch die Unterstützung ihrer Eltern.
Damit ein Wutanfall schnell überwunden ist, sollten Eltern vor allem ruhig bleiben
Wenn der Nachwuchs in einem Wutanfall steckt, können bestimmte Sätze die Situation noch schlimmer machen, egal wie gut sie gemeint sind. Hier sind zehn Aussagen, die Eltern besser vermeiden sollte, wenn das Kind von seinen Emotionen gerade überrollt wird.
1. „Beruhige dich doch einfach.“ Ein Kind mitten im Wutanfall kann sich nicht einfach auf Kommando beruhigen. Es fehlt ihm in diesem Moment die Fähigkeit zur Selbstregulation. Laut Leben-und-erziehen.de verschlimmert dieser Satz die Situation, weil Kinder sich unverstanden fühlen. Sie interpretieren es als Forderung, ihre Emotionen unter Kontrolle zu bringen, obwohl sie das in diesem Moment nicht können.
2. „Es ist doch gar nicht so schlimm.“ Diese Aussage lässt die Gefühle des Kindes als unbedeutend erscheinen. Laut Beziehungsorientiert.at wird dadurch das Gefühl des Kindes invalidiert, was die Wut oft nur verstärkt. Für das Kind ist die Situation real und ernst und es fühlt sich durch diesen Satz nicht ernst genommen.
3. „Jetzt hör auf zu weinen.“ Mit dieser Aussage bekommt das Kind das Gefühl, dass seine Emotionen falsch sind oder nicht ausgedrückt werden dürfen. Brigitte.de betont, dass Weinen eine natürliche Reaktion auf Frustration und Stress ist. Ein Verbot des Weinens setzt das Kind zusätzlich unter Druck und kann die Emotionen verstärken. Laut Therapeuten, ist das sogar einer der schlimmsten Sätze, die Eltern zu ihren Kindern sagen können.
4. „Wenn du weiter so machst, bekommst du keine Belohnung.“ Diese Form der Drohung kann kurzfristig wirken, aber langfristig eskaliert sie die Situation oft weiter. Laut Leben-und-erziehen.de wird das Kind durch diese Aussage oder auch durch Androhungen von Strafen in einen Konflikt gedrängt, der es stresst, anstatt die Wut zu lindern. Druck baut zusätzliche negative Emotionen auf.
5. „Reiß dich zusammen.“ Ähnlich wie „Beruhige dich“ verlangt dieser Satz, dass das Kind seine Emotionen sofort unter Kontrolle bringen soll, was es in einem Wutanfall nicht leisten kann. Laut Elternmorphose.de haben Kinder oft noch nicht die Impulskontrolle, um in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, und dieser Satz verstärkt nur das Gefühl der Überforderung.
6. „Andere Kinder verhalten sich nicht so.“ Der Vergleich mit anderen Kindern kann ein Kind zusätzlich frustrieren und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein. Dieser Vergleich baut Druck auf, was das Kind zusätzlich in die Defensive drängt und die Wut verstärkt, weil es das Gefühl hat, nicht so sein zu dürfen, wie es ist.
7. „Ich hab dir doch gesagt, dass das passiert.“ Dieser „Ich hab’s dir doch gesagt“-Satz bringt wenig in einer emotionalen Ausnahmesituation. Laut Leben-und-erziehen.de verschärft dieses Nachtragen den Wutanfall, da er das Kind in seinem Fehler beschämt und zusätzlich belastet. Kinder lernen aus ihren Erfahrungen, aber nicht in dem Moment, in dem sie überfordert sind.
8. „Das ist ja lächerlich.“ Das Herunterspielen oder Lächerlichmachen der Gefühle eines Kindes zeigt fehlendes Verständnis für seine Perspektive. Brigitte.de erklärt, dass Kinder durch solche Aussagen das Gefühl bekommen, ihre Emotionen seien nicht gerechtfertigt oder unwichtig, was die Wut verstärken kann.
9. „Warum musst du immer so ein Drama machen?“ Auch diese Aussage impliziert, dass das Kind übertreibt oder absichtlich dramatisch ist. Durch diese Art von Kommentar werden Kinder nicht ruhiger, sondern noch wütender, weil sie sich nicht verstanden fühlen. Ihr Bedürfnis nach emotionaler Unterstützung bleibt unerfüllt.
10. „Wenn du nicht aufhörst, gehe ich weg.“ Drohungen mit Liebesentzug oder dem Verlassen der Situation können ein Gefühl der Unsicherheit auslösen. Kinder fühlen sich durch solche Aussagen alleingelassen und in ihrer emotionalen Not im Stich gelassen. Die Angst, verlassen zu werden, kann die Wut zusätzlich verstärken.
Was man stattdessen machen sollte: Empathie und Verständnis zeigen und Ruhe bewahren
Anstatt die Wut des Kindes mit Sätzen, die Unverständnis signalisieren, weiter zu schüren, ist es wichtig, Empathie zu zeigen. Kinder erleben Wut oft als überwältigende Emotion, und sie brauchen in diesen Momenten vor allem Verständnis und Unterstützung. Laut Familienhandbuch.de sollten Eltern versuchen, die Perspektive des Kindes einzunehmen und ihm zu signalisieren, dass seine Gefühle gesehen und akzeptiert werden. Ein einfacher Satz wie „Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist, und das ist okay“ kann helfen, das Kind zu beruhigen.
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Es ist auch hilfreich, ruhig zu bleiben und sich selbst nicht emotional aufzuladen. Es ist wichtig, dass Eltern den Raum bieten, in dem das Kind seine Gefühle ausdrücken kann, ohne verurteilt zu werden. Mitgefühl und Verständnis schaffen eine Basis, auf der Kinder lernen können, mit ihren Gefühlen besser umzugehen. Indem Eltern ihre eigenen Reaktionen auf die Wut des Kindes reflektieren und ihre Worte mit Bedacht wählen, können sie dazu beitragen, dass der Wutanfall nicht eskaliert, sondern dass das Kind nach und nach lernt, seine Emotionen zu regulieren.