Erste Dinosaurier mit Hufen in Wyoming entdeckt – 66 Millionen Jahre alte Mumien revolutionieren Urzeit-Forschung.
Kassel – Zwei versteinerte Kadaver liegen seit 66 Millionen Jahren in den Badlands von Wyoming (USA) begraben – und revolutionieren jetzt unser Bild der Urzeit. Forscher der Universität Chicago haben in der sogenannten „Mumien-Zone“ nahe Lusk zwei außergewöhnlich gut erhaltene Exemplare des Entenschnabel-Dinosauriers Edmontosaurus annectens ausgegraben. Die Sensation: Erstmals konnten Wissenschaftler bei einem Dinosaurier echte Hufe nachweisen.
Die Entdeckung gelang dem Paläontologen Paul Sereno und seinem Team in derselben Region, wo bereits 1908 und 1910 die ersten Dinosaurier-„Mumien“ gefunden wurden. Die neuen Funde stammen aus der Lance-Formation in Ost-Wyoming, einem geologischen Schatz, der die letzten Tage der Dinosaurier konserviert hat.
Historischer Fund in der Lance-Formation: 66 Millionen Jahre mumifizierte Dinos
Wie die Forscher im Fachmagazin Science berichten, handelt es sich um ein etwa zweijähriges Jungtier und einen erwachsenen Edmontosaurus. Beide starben vermutlich während einer Dürreperiode, ihre Kadaver vertrockneten und wurden später von einer Flutwelle mit Sediment begraben.
„Diese Entenschnabelsaurier-Mumien bergen viele ‚Premieren‘: die frühesten dokumentierten Hufe eines Landwirbelsäulentiers und das erste bestätigte Reptil mit Hufen“, erklärt Studienleiter Paul Sereno. Die Hinterfüße der Pflanzenfresser ähnelten modernen Huftieren wie Pferden: Drei Zehen waren von keilförmigen Hufen mit flacher Unterseite und fleischigem Fersenpolster umgeben. Besonders beeindruckend: Die Hufschalen der mittleren Zehen erreichten eine Länge von 15 Zentimetern – doppelt so lang wie die darunterliegenden Knochen. Auch die Vorderfüße trugen kleinere Hufe, allerdings in anderer Anordnung.
Forscher entdecken ersten Dinosaurier mit Hufen: Geheimnisvolle Mumifizierung durch Lehm-Maske
Das Besondere an den Dinosaurier-Funden ist ihre außergewöhnliche Erhaltung. Nach dem Tod der Dinosaurier bildete sich ein dünner Biofilm aus feuchtem Lehm und Ton um die Kadaver. „Es funktioniert wie eine Maske oder Schablone. Die Lehmschicht ist dabei so dünn, dass man sie wegpusten könnte“, beschreibt Sereno den Prozess. Diese nur 0,25 Millimeter dünne Schicht konservierte selbst kleinste Details der Haut, Stacheln und Hufe.
Die Analyse mittels 3D-Bildgebung, CT-Scans und Röntgenspektroskopie offenbarte weitere Überraschungen: Die Haut war mit ein bis vier Millimeter großen Schuppen bedeckt. Entlang der Mittellinie verlief ein fleischiger Kamm vom Hals bis zum Rumpf, der über den Hüften in eine Stachelreihe überging.
Die Hufe deuten darauf hin, dass Edmontosaurus sowohl auf zwei als auch auf vier Beinen laufen konnte – eine bisher unbekannte Eigenschaft bei gehuften Tieren. „Es ist der erste große Dinosaurier, bei dem wir wissen, wie er wirklich aussah“, betont Sereno die Bedeutung der Entdeckung. Die „Mumien-Zone“ nahe Lusk gilt als einzigartig. In einem Umkreis von nur zehn Kilometern wurden bereits mehrere außergewöhnlich erhaltene Dinosaurier-Fossilien gefunden, darunter auch Exemplare von Triceratops und Tyrannosaurus rex. Die Forscher hoffen, in dieser Region weitere spektakuläre Funde zu machen. (Quelle: Science-Studie) (kiba)