„Ich versteh‘ sie einfach nicht“: Einheimische fliehen vor Instagram-Wanderern aus den Alpen

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Christoph und Sarah verabschieden sich nach knapp 30 Jahren als Hüttenwirte in den Alpen. Instagram-Wanderer sind einer der Gründe für das Ende.

Grindelwald – Christoph und Sarah leben den Traum vieler Menschen. Seit 27 Jahren verbringen sie jeden Sommer auf Hütten in den Alpen, wo sie sich um die Unterkunft, die Gäste und alles Drumherum kümmern. Ihre Kinder sind in diesem Leben zwischen Tal und Berg aufgewachsen, zumindest während der Sommermonate. Doch ab Herbst 2026 soll damit Schluss sein. Der Grund dafür ist das „Instagram-Publikum“, wie Christoph es nennt.

Die Einheimischen werden vertrieben aus den Alpen. (Symbolbild) © Shotshop/Imago

In der SRF-Reihe Hüttengeschichten sprechen er und seine Frau über das bevorstehende Ende ihrer fast 30-jährigen Tätigkeit als Hüttenwirte. Christoph Sager, der die Glecksteinhütte in den Schweizer Alpen auf etwa 2317 Metern Höhe betreut, hat genug. „Die Leute gehen mir einfach auf den Keks“, sagt er. Er vermutet, dass auch das Älterwerden eine Rolle spielt.

Von Instagram-Wanderern aus den Alpen vertrieben

Der Hüttenwirt kann die Instagram-Wanderer nicht nachvollziehen. „Ich verstehe sie einfach nicht“, erklärt er. „Die kommen rauf, an einem wunderschönen Tag, machen ihre Fotos beim Sonnenaufgang und rennen dann wieder ins Tal, wahrscheinlich an einen anderen Ort.“ Damit meint er das „Instagram-Publikum“.

Besonders ärgert ihn, dass viele Besucher Speisen und Getränke, die sie im Tal gekauft haben, auf die Terrasse oder in die Gaststube mitbringen, anstatt in der Hütte einzukehren, wie es die Tradition vorsieht. Ein falscher Hüttenwirt hat Wanderer ordentlich abkassiert.

Sarah, seine Frau, kündigt an, dass die nächste Saison ihre letzte sein wird. Ab Herbst 2026 ist für die beiden Schluss. Bis dahin könnten noch Menschen zu Besuch kommen, die es bisher nicht geschafft haben, sagt sie scherzhaft. Dennoch möchten sie „auf eine schöne, gute Zeit zurückblicken“. Christoph freut sich darauf, den Sommer im Tal zu verbringen. Ihm ist es wichtig, selbst zu entscheiden, „und nicht mit goldenen Ketten an einen so schönen Ort angebunden zu sein“. Hüttenwirte aus Italien haben über einen regelrechten Urlauber-Irrsinn geklagt.

Ende nach fast drei Jahrzehnten

Die Sagers sind nicht die Einzigen, die wegen solcher Wanderer ihre Tätigkeit als Hüttenwirte aufgeben. Wie Blick berichtet, hat Ende 2024 die Hüttenwartin der Muttseehütte im Glarnerland ebenfalls aufgehört. „Die Arbeit braucht viel Energie, die ich nicht wieder zurückholen kann“, zitiert Blick sie. Besonders anstrengend fand sie den Umgang mit Personen, die nur für ein besonderes Foto für die sozialen Medien kamen.

Sarah und Christoph werden den kommenden Sommer noch auf der Glecksteinhütte verbringen, teils im Wechsel und auch mit ihren Kindern. Danach ist Schluss. Zu den Instagram-Wanderern sagt Christoph noch: „Die schätzen nicht, was wir hier haben.“ Hüttenwirte in den Alpen haben eine dringende Warnung. (Quellen: blick.ch, srf.ch, gleckstein.ch) (ci)

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