In Kochel rumort es unter Eltern. Es geht um die Erstattung der Fahrkosten für Schüler aus den Ortsteilen Ried, Ort und Pessenbach. Der Nachwuchs soll die Schulen wechseln.
Kochel - In Kochel gibt es seit diesem Schuljahr Streit um die Erstattung der Fahrkosten für Schüler aus den Ortsteilen Ried, Ort und Pessenbach. Aufgrund einer neuen Einteilung des Nahverkehrsnetzes sollen sie statt im nahegelegenen Penzberg die weiterführenden Schulen in Murnau besuchen. Rathauschef Jens Müller (UWK) forderte das Landratsamt auf, eine Ausnahme zu machen. Das Thema kam im jüngsten Gemeinderat zur Sprache.
In der Sitzung des Kochler Gemeinderats ging es um ein Streit-Thema: Eine Neuregelung der Fahrtkosten-Erstattung für Schüler sorgt für Ärger unter den Eltern
Raimund Novak aus dem Kochler Ortsteil Ort musste sich gedulden. Am liebsten wäre der Initiator der Initiative gegen den „Schulwegirrsinn“ gleich nach vorn geprescht: In der Sitzung des Kochler Gemeinderats, die diesmal im Hotel Waldschänke in Ried stattfand, hatte sich reichlich Publikum eingefunden. Vor allem betroffene Eltern.
Novak, Vater zweier Töchter, hatte sich im September ans Rathaus und die Öffentlichkeit gewandt. Der Grund: Wollen Schüler aus den Kochler Ortsteilen Ried, Ort und Pessenbach ab dem Schuljahr 2026/27 weiterhin die Fahrkosten erstattet bekommen, müssen sie anstatt nach Penzberg bis nach Murnau fahren. Warum das so ist, hat mit den Neuerungen beim Münchner Verkehrsverbund (MVV) zu tun. Nach Anschluss der Landkreise Bad Tölz–Wolfratshausen, Weilheim–Schongau und nun auch Garmisch–Partenkirchen an den MVV gibt es neue Tarifzonen. Während das Gebiet südlich Benediktbeuerns mit Kochel und Murnau zur Zone 8 gehört, liegt Penzberg in Zone 6.
Durchfahrene MVV-Tarifzonen entscheiden
Für die Erstattung der Fahrkosten zählen laut Landratsamt die durchfahrenen Tarifzonen. Das Monatsticket für die Fahrt von Ried nach Murnau kostet demnach weniger als von Ried nach Penzberg. Theoretisch. Denn in der Praxis zahlt das Landratsamt das 365-Euro-Schülerticket – gültig für ein ganzes Jahr. Das heißt: „In der Realität gibt es daher keinen Preisunterschied zwischen Murnau und Penzberg“, hat auch Kochels Rathauschef Jens Müller (UWK) verstanden. Ebenso, dass bei Übernahme der Kosten durch die Eltern als Alternative eine Unsumme Geld anfallen würde.
Müllers Brief an Landrat
Per Brief hat sich nun Kochels Bürgermeister Müller an den Bad Tölz-Wolfratshauser Landrat Josef Niedermaier (FW) gewandt. Darin bittet er den „lieben Sepp“, die Haltung der Kreisbehörde zu überdenken und eine Ausnahmeregelung zu ermöglichen.
Murnau der „falsche Schulstandort“
Murnau sei „schlichtweg der falsche Schulort“ für die betroffenen Schüler. „Doppelte Entfernung, Umstieg, anderer Sozialraum – alles spricht dagegen“, so Müller in seinem Schreiben weiter. Der richtige ist und bleibe Penzberg, las der Bürgermeister aus seinem Brief an den Landrat vor. Müller berief sich in seinem Lösungsvorschlag auf eine in der Schülerbeförderungsverordnung verankerte Ausnahmeregelung, „wonach eine Übernahme der Fahrtkosten ausnahmsweise erfolgen kann, wenn die betroffenen Aufwandsträger und Schulen zustimmen“.
Demo vor Landratsamt empfohlen
Michael Zerluth (Freie Bürger Ried) fragte nach, inwiefern die Gemeinde – außer Bittbriefe zu schreiben – Einspruch erheben könne. Laut Müller handele es sich um eine Sache, „für die wir eigentlich nicht zuständig sind“. Markus Greiner (Junge Liste) wusste es besser: „Irgendwas geht immer.“ Reinhard Dollrieß (FW) riet Novak stellvertretend für alle Initiatoren gar, nach Tölz zu gehen und vor dem Landratsamt zu demonstrieren.
Sollte das Landratsamt bei seiner Haltung bleiben, könne die Gemeinde entscheiden, wie sie die etwa 20 Betroffenen unterstützen können, deutete Müller an. Unabhängig von den enormen Mitteln, die dazu aufzubringen wären, ziehe dieser Schritt jedoch Probleme mit der Rechtsaufsicht nach sich, warnte der Rathauschef.
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