Ausbildung im Allgäu: Handwerk weiter hoch im Kurs

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Autos faszinieren ihn, beruflich wie privat: Deshalb hat sich der Buchloer Timo Mareck für eine Berufsausbildung entschieden und den Schritt bislang nicht bereut. © Tobisch

Bei Allrad-Pauli in Buchloe haben die Arbeitsagentur, IHK und HWK aktuelle Zahlen zum Ausbildungsmarkt im Allgäu vorgestellt. Wichtigste Nachricht: Trotz kriselnder Wirtschaft gibt es weiterhin für jeden interessierten Jugendlichen einen Ausbildungsplatz.

Buchloe/Allgäu – Die Zahl junger Allgäuer, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden, ist zuletzt gesunken. Das berichtet Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Im vergangenen Ausbildungsmarktjahr waren es 3.000, die vermittelt werden wollten“ – 200 weniger als im Vorjahr, sagt Amtmann. Grund dafür sei unter anderem der „überwiegend ausgefallene Abiturjahrgang“ an den Gymnasien im vergangenen Sommer, nachdem zuletzt von G8 auf G9 umgestellt wurde.

Gleichzeitig lobt Amtmann das „hohe Maß an Ausbildungsbereitschaft im Allgäu“, trotz Konjunkturkrise setze die regionale Wirtschaft weiter stark auf den Nachwuchs. „Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin komfortabel, das Verhältnis der gemeldeten Lehrstellen zu den gemeldeten Ausbildungssuchenden ist fast 2:1“, so die Regionalleiterin der Arbeitsagentur.

Beim Pressegespräch zum Ausbildungsmarkt im Allgäu (v. li.): Manuela Albrecht (HWK), Wolfgang Haschner (IHK), Timo Mareck, Leni Pauli, Pia Klimes, Bettina Pauli, Claudia Pauli, Peter Pauli, Arbeitsagenturleiterin Maria Amtmann, Johannes Seifert und Ursula Hofgärtner.
Beim Pressegespräch zum Ausbildungsmarkt im Allgäu (v. li.): Manuela Albrecht (HWK), Wolfgang Haschner (IHK), Timo Mareck, Leni Pauli, Pia Klimes, Bettina Pauli, Claudia Pauli, Peter Pauli, Arbeitsagenturleiterin Maria Amtmann, Johannes Seifert und Ursula Hofgärtner. © Monika Ambronn/Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen

Zum Stichtag 30. September seien sogar noch fast 1.000 Lehrstellen unbesetzt gewesen, dem gegenüber standen zum selben Zeitpunkt 100 Bewerber, die noch bzw. schon wieder auf Stellensuche waren – denn erste Abbrecher hätten ihre Ausbildungsplätze nach einem unbefriedigenden Start im September schon wieder geräumt, so Amtmann.

Im Handwerk geht´s weiter bergauf

Von einer positiven Entwicklung bei der Ausbildungssituation im Handwerk berichtete Manuela Albrecht, zuständige Geschäftsbereichsleiterin bei der Handwerkskammer (HWK) Schwaben. Im Allgäu seien heuer knapp 1.500 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, etwa 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Dass es im zweiten Jahr infolge einen Zuwachs gibt, stimme sie positiv, sagt Albrecht, die aber auch klarmacht: „Der Bedarf an Nachwuchs ist ungleich höher. Und das trotz der aktuell schwierigen Wirtschaftslage, in der sich das Handwerk sehr robust zeigt.“ Die beliebtesten drei Handwerksberufe (nach Verträgen): Kraftfahrzeugmechatroniker, Zimmerer und Elektroniker.

Dass das Handwerk zuletzt gerade bei jungen Menschen an Attraktivität gewonnen habe, führt Albrecht darauf zurück, dass die Jobs hier als „sinnvolle, erfüllende und gesellschaftlich relevante Tätigkeiten“ mit „zukunftssicherer Perspektive“ wahrgenommen werden.

„Bisher macht´s sehr viel Spaß“

Das bestätigt auch Timo Mareck, der im September eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker bei Allrad-Pauli in Buchloe begonnen hat. „Ich schraube auch privat viel an Autos“, sagt der 18-Jährige. Nach seinem Fachabi könne er seiner Leidenschaft nun auch beruflich nachgehen. „Bisher macht´s sehr viel Spaß“ , lautet sein Fazit nach den ersten zwei Monaten. Ähnlich begeistert ist auch Auszubildende Leni Pauli, Enkelin von Gründer und Geschäftsleiter Peter Pauli. „Es war immer klar, dass ich hier lande“, meint die angehende Automobilkauffrau strahlend.

Beide können sich vorstellen, für immer im Betrieb zu bleiben und würden damit einer erfolgreichen Tradition folgen: Von 37 Mitarbeitern bei Allrad-Pauli haben 23 ihr Handwerk vor Ort gelernt. Der Betrieb gilt, auch über die Region hinaus, als Spezialist für Geländewagen.

Leni Pauli hat im Familienbetrieb in Buchloe eine Ausbildung als Automobilkauffrau begonnen.
Leni Pauli hat im Familienbetrieb in Buchloe eine Ausbildung als Automobilkauffrau begonnen. © Tobisch

Während Handwerksberufe ein Azubi-Plus verzeichnen, musste Wolfgang Haschner, Geschäftsbereich Berufliche Bildung bei der IHK Schwaben, von einem leichten Minus von 3,5 Prozent bei den unterzeichneten Ausbildungsverträgen berichten. Vor allem in Elektro- oder Metallberufen laufe die Nachwuchssuche schleppend. Anders das Hotel- und Gaststättengewerbe: Hier starteten heuer 13 Prozent mehr Azubis im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz KI und Social Media: Es menschelt weiterhin

Die effektivsten Wege der Nachwuchsgewinnung und allen voran die Frage, wie Unternehmen Jugendliche heutzutage erreichen, beschäftigt die Verantwortlichen von IHK, HWK und Arbeitsagentur gleichermaßen. Haschner betonte, Social Media sei für die Betriebe heute „unverzichtbar“, viele seien hier längst aktiv. Manuela Albrecht berichtete, dass Handwerksbetriebe sogar schon in die Grundschule kämen, um für ihre Zunft zu werben. Für potenzielle Berufsanfänger unbedingt lohnenswert seien auch weiterhin Berufspraktika als „Türoffner“, empfehlen die Experten.

Und welche Rolle spielt die KI heutzutage? Da sei man zwar, was das „Matching“ zwischen Bewerber und Betrieb betrifft, noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, meint Maria Amtmann. Ausbildungsmessen und Praktika seien aber weiterhin wichtig, um in persönliche Gespräche zu kommen. „Da können die Schulnoten noch so gut sein, irgendwo muss es menschlich miteinander harmonieren“, betont die Arbeitsagenturleiterin.

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/bayern/schwaben/allgaeu/ausbildung-im-allgaeu-handwerk-weiter-hoch-im-kurs-94019533.html