Immer mehr Schüler schaffen den Abschluss nicht: Sie wollen helfen – Coaches begleiten viele Schüler im Jahr

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Der neugewählte Vorstand von Arbeit für Jugend: (v. li.) Hans Axtner, Vize-Vorsitzender Rainer Kebekus, Schatzmeisterin Regina Schwob, Rainer Rau (Schriftführer) und Vorsitzender Horst Niegel. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Wenn Mittelschüler Probleme in der Schule haben, dann setzen sie ganzheitlich an: Der Verein Arbeit für Jugend betreut Jugendliche auf dem Weg in die Arbeit.

Sie verhelfen lernschwachen Mittelschülern zu einem Abschluss und oft auch zu einem Ausbildungsplatz. Doch die einstige Erfolgsquote der Coaches des vor 27 Jahren gegründeten Vereins „Arbeit für Jugend“ hat aufgrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen abgenommen. In der jüngsten Mitgliederversammlung in der Wirtschaft Flößerei kündigte Vorsitzender Horst Niegel eine Intensivierung der Kooperation mit den Schulen und die Fortführung von „Aktionen zur Gewinnung neuer Coaches“ an.

Etwa ein Drittel der Neuntklässler erfüllen bundesweit nicht den Mindeststandard im Lesen für den Mittleren Schulabschluss (MSA). Allein im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erreichten im Schuljahr 2023/2024 insgesamt 73 Mittelschülerinnen und -schüler keinen Abschluss. „Das ist schon eine Hausnummer“, stellte Niegel fest. Er führt diese Entwicklung vor allem auf die Nachwirkungen der langen Schulschließungen während der Corona-Zeit und verstärkte Zuwanderung zurück. „Sprachförderung und die Vermittlung von grundsätzlichem Wissen stehen nun im Vordergrund unserer Arbeit“, stellte er fest. Hoffnungsvoll stimmte ihn, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen meist die Nachfrage übertrifft.

Um neue Coaches zu gewinnen, veranstaltete der Verein 2024 ein Info-Café und einen Workshop mit der fachlichen Begleitung der Geretsrieder Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule Sylvia Marschall. Dank der Förderungen des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sowie Spendengeldern konnten im vergangenen Jahr zehn neue Coaches gewonnen werden. Zusammen mit dem Vorstand leisteten sie im vergangenen Jahr rund 4500 Arbeitsstunden. Im Schuljahr 2023/2024 kümmerte sich der Verein um 31 Schüler aus Geretsried, Wolfratshausen, Königsdorf und anderen Landkreisgemeinden. Von 21 betreuten Neuntklässlern erreichten 17 den erhofften Abschluss. 14 begannen danach nach eine Ausbildung.

Der Wolfratshauser SPD-Stadtrat Manfred Menke regte in der Versammlung an, noch früher den Kontakt zu Schulen zu suchen, um so rechtzeitig den Förderbedarf von gefährdeten Schülern zu ermitteln. Die Herausgabe der Namen scheitere laut Horst Niegel aber an den Vorgaben des Datenschutzes. Am Ende der Versammlung bestätigten ihn die 14 erschienenen Mitglieder in seinem Amt als Vorsitzender. Unterstützung erhält er vom 2. Vorsitzenden Rainer Kebekus, Schatzmeisterin Regina Schwob, dem neuen Schriftführer Rainer Rau und dem weiteren Vorstandsmitglied Hans Axtner.