Unternehmerkreis Oberland und IDW wollen gemeinsam Vollgas geben

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Prominente Referentin zu Gast in der Tiefstollenhalle: Gerlinde Kaltenbrunner (7.v.l.) zusammen mit den Sprecherkreismitgliedern von IDW und Unternehmerkreis Oberland. © Bernhard Jepsen

Erstmals luden beide Wirtschaftskreise zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein. Rund 170 Besucher kamen nach Peißenberg. Ein Zusammenschluss ist denkbar. Hauptrednerin war Extrem-Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner.

Landkreis - „Wow, wenn ich das sehe. Das ist fast wie auf einem Gipfel stehen und runterschauen – faszinierend“: Marcus Kanis, Vorsitzender des Unternehmerkreises Oberland, geriet ins Schwärmen, als er das mit rund 170 Besuchern gut gefüllte Auditorium von der Bühne der Peißenberger Tiefstollenhalle begrüßte – und das in doppeldeutigem Sinn.

Die Metapher mit dem „Gipfel“ war eine Anspielung auf Profi-Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, die im Anschluss über ihre Besteigung des K2, dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Erde, referieren sollte (siehe Kasten). Kanis drückte damit aber auch seine Begeisterung über die hohe Besucherresonanz aus – ebenso wie Alexander Schmitz vom „Informationskreis der Wirtschaft Schongau“ (IDW): „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in den letzten 15 Jahren beim IDW auch nur annähernd eine solche Teilnehmerzahl erreicht hätten.“

„Ziel nie aus den Augen verloren“

Wenn Institutionen zu Vortragsabenden einladen, die thematisch nicht direkt etwas mit ihrem Metier zu tun haben, dann wird oft versucht, Gemeinsamkeiten zu herzuleiten. Beim Vortragsabend des Unternehmerkreises Oberland und des Informationskreises Wirtschaft Schongau war das nicht anders. Da wurden Schlagworte wie „Resilienz“, „Willensstärke“, „Disziplin“, „Geduld“ und „Gelassenheit“ genannt, die sowohl Extrembergsteiger als auch das Führungspersonal in Unternehmen aufweisen müssten.

Bei Gerlinde Kaltenbrunner, die als erste Frau alle 14 Achttausender dieser Welt ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen hat, war zumindest, was die Besteigung des K2 anbelangt, vor allem „Geduld“ gefragt. Sieben Anläufe brauchte es, bis die heute 54-Jährige im Jahr 2011 auf dem Gipfel des K2 stand. „Ich habe oft umgedreht, aber mein Ziel nie aus den Augen verloren“, erklärte Kaltenbrunner bei ihrem kurzweiligen Vortrag in Peißenberg.

Die Extrembergsteigerin gab spannende Einblicke in die Route über die Nordflanke des K2. Die Expedition erforderte Entbehrungen („Fettes Essen in der Höhe bedeutet automatisch Kopfweh“) und war mitunter ein reiner Überlebenskampf – Lawinenverschüttung und dreitägiges Not-Biwakieren während Sturm und Schneefall auf einem kleinen Plateau in der steilen Bergflanke inbegriffen. „Die innere Haltung ist mitentscheidend“, erklärte Kaltenbrunner ihren Zuhörern – und: „Es hat jeder so seinen 8000er im Leben zu bewältigen.“

Der Unternehmerkreis Oberland und der IDW, das waren viele Jahre lang zwei Institutionen ohne große Berührungspunkte. Der Unternehmerkreis bediente den Altlandkreis Weilheim, der IDW den Altlandkreis Schongau. „Es war ein Nebeneinander“, sagt Unternehmerkreis-Vorstandsmitglied Barbara Christ (Bauer Unternehmensgruppe) im Gespräch mit der Heimatzeitung. Nun aber haben sich die Vorzeichen gedreht: „Wir versuchen jetzt ein Miteinander“, betont Christ.

Aber wie kam die Annäherung zustande? Seit gut zwei Jahren sitzen Vertreter des IDW, des Unternehmerkreises, der IHK, der Handwerkerschaft sowie Fachstellen des Landratsamtes zusammen in einer Arbeitsgruppe. Es geht darum, der Wirtschaftsförderung im Landkreis neue Impulse zu geben, respektive selbige zu erweitern. Die Chemie zwischen den Akteuren stimmt: „Wir haben sofort erkannt, wie gut wir harmonieren“, sagt Schmitz.

Schnell kam der Gedanke auf, den IDW und den Unternehmerkreis besser zu vernetzen und – wie es Kanis beschreibt – „die Power zu bündeln“: „Wir wollen unseren Unternehmen eine Plattform bieten. Dynamik und Motivation kann nur entstehen, wenn Menschen zusammenkommen.“ Inhaltlich beschäftigen den IDW und den Unternehmerkreis die gleichen Themen. Da geht es um Fachkräftemangel, bezahlbaren Wohnraum für Mitarbeiter oder den Einsatz von künstlicher Intelligenz. „Die Unterschiede liegen im Filigranen und sind meist lokal bedingt“, sagt Kanis: „Die Arbeitsweise ist sehr ähnlich. Es kommt zusammen, was zusammengehört.“

Zusammenschluss nicht ausgeschlossen

Heißt das, dass es bald einen Zusammenschluss zwischen IDW und Unternehmerkreis geben wird? „Denkbar ist vieles. Es gibt keine Ressentiments“, betont Kanis. Entscheidend sei der „Mehrwert“ – und: Es soll den Mitgliedsunternehmen nichts übergestülpt werden: „Der Wunsch muss aus den eigenen Reihen kommen.“ Dem IDW und dem Unternehmerkreis haben sich zusammen rund 100 Firmen angeschlossen. Hinter den Unternehmen stehen über 17 000 Mitarbeiter: „Das ist schon eine Stärke“, konstatiert IDW-Sprecherkreis-Vorsitzender Florian Kellner-Fendt (Tecniplast Deutschland GmbH).

Fazit: Es war deutlich zu spüren, dass die Motivation bei IDW und Unternehmerkreis groß ist, die Wirtschaft im Landkreis gemeinsam und stärker zu positionieren. „Wir sind wahnsinnig stolz auf die Veranstaltung“, so Kanis: „Wir wollen gemeinsam Vollgas geben für die Wirtschaft.“