Der Chef der Tegernseer Tal Tourismus GmbH steht in Rottach-Egern massiv in der Kritik. Das Budget 2026 wurde nur mit hauchdünner Mehrheit genehmigt.
Rottach-Egern - Eigentlich hätte Christian Kausch, Chef der Tegernseer Tal Tourismus GmbH, dem Gemeinderat seinen Budgetbericht in nicht öffentlicher Sitzung präsentieren sollen. Es war CSU-Gemeinderätin Alexandra Wurmser, die per Antrag dafür sorgte, dass öffentlich diskutiert und abgestimmt wurde.
Doch noch bevor Kausch zum Bericht ansetzen konnte, nahm Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) ihn in anderer Sache ins Gebet. Ihr Thema: das Snow Peak Festival auf dem Wallberg, die viel diskutierte Techno-Party im Februar, zur Zeit der Winterruhe des Wilds. „Das hat eine hohe Welle geschlagen“, erinnerte Schultes-Jaskolla an den Aufschrei von Naturschützern und das Unverständnis vieler Bürger.
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Dabei wäre es nach ihrer Überzeugung „kein Hexenwerk gewesen, die Kuh vom Eis zu bekommen“. Dann nämlich, wenn TTT-Mitarbeiter schon beim Eintrag der Veranstaltung in den Terminkalender unter der Marke Tegernsee erkannt hätten, dass die Party in stiller Natur dem eigenen Leitbild „diametral entgegensteht“.
Aus ihrer Sicht hätten sofort Anrufe folgen müssen: beim TTT-Chef, beim Bürgermeister und der Wallbergbahn als Eigentümerin des Panoramarestaurants. Wenn bei der TTT Aufgaben richtig wahrgenommen worden wären, ließ Schultes-Jaskolla durchblicken, hätte es die Veranstaltung nie in den Kalender geschafft. Stattdessen rutschte die Festival-Ankündigung, die elektrisierende Beats in der Bergwelt verspricht, dort unter die Kategorie Highlights.
Kausch verteidigte sich. Bei 3800 Veranstaltungen pro Jahr habe die TTT nicht die Möglichkeit, Genehmigungen zu hinterfragen. Er selbst habe stets die klare Meinung vertreten, dass es ein solches Festival im Winter, während der Schonzeit, nicht geben dürfe. Die TTT habe mit der Veranstaltung nichts zu tun und bewerbe sie nicht aktiv.
Die Aussagen sorgten für Kopfschütteln. „Wenn ich komplett dagegen bin, stelle ich es doch nicht auf meine Website“, meinte Georg Höß (FWG). Thomas Tomaschek (Grüne) erachtete es als „wünschenswert“, dass der Tourismus-Chef des Tals versuche, Einfluss auf die Wallbergbahn zu nehmen.
Bürgermeister Köck bremste die Diskussion, zumal noch offen ist, ob das Festival überhaupt stattfinden kann. Das Landratsamt ist noch mit dessen Prüfung befasst.
Schon etwas angefasst, ging Kausch zum Budgetbericht über. Er hatte Positives zu vermelden: Trotz eines schwierigen Sommers ist ein Plus zu verzeichnen, in der Vorweihnachtszeit erweist sich der Adventszauber als zuverlässiger Bringer. 2026 hat die Gemeinde Rottach-Egern als Gesellschafterin eine runde Million Euro zu zahlen, 18 000 Euro mehr als heuer. Das Gremium sollte per Votum den Bürgermeister ermächtigen, das Budget bei der Gesellschafterversammlung zu bewilligen.
CSU-Kandidat will Zeichen setzen
Doch Sebastian Kölbl (CSU), Bürgermeisterkandidat seiner Partei, war daran gelegen, mit einer Ablehnung ein Zeichen zu setzen. Wegen des großen Unmuts von Gastgebern habe man nach einer nicht öffentlichen Sitzung klare Strukturreformen gefordert und punktuelle Verbesserungsvorschläge gemacht, führte er an. Das habe jedoch kein Gehör gefunden. Auch die anderen Talgemeinden sollten wissen, dass die Rottacher Vorschläge ernst gemeint seien.
Schultes-Jaskolla wiederum erinnerte an die Summen, die in die Digitalisierungsoffensive der TTT geflossen sind. „Wo ist das Geld hingekommen?“, fragte sie. Kausch sicherte einen Bericht zu.
Die Wucht der Kritik veranlasste Tomaschek, eine Lanze für die TTT zu brechen. „Das ist doch unser eigener Laden“, erklärte er. Trotzdem komme immer wieder Fundamentalkritik, und das trotz positiver Zahlen. Er selbst sei zufrieden, Rottach-Egern erhalte viel Leistung für die eine Million.
Bürgermeister Köck pflichtete dem Grünen bei. Er warne davor, den Zusammenschluss der Tal-Orte kaputtzureden. Andere Regionen schauten sich vieles von der TTT ab, weil es so gut laufe, berichtete er. Trotz seines Appells fiel die Zustimmung zum TTT-Budget mit 9:8 Stimmen denkbar knapp aus.