Der Künstler und Politiker Bruno Schachtner ist tot. Er gründete die Druckwerkstatt und erhielt das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement.
Der gebürtige Dachauer Bruno Schachtner hat viele Projekte angestoßen und stets für seine Überzeugungen gekämpft. Er war immer ein Mitgestalter, nicht nur in Dachau. Sein Engagement reichte bis nach Paraguay. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Stadt zu einem Lern- und Erinnerungsort mit internationalen Beziehungen wurde. Nun ist er im Alter von 84 Jahren verstorben. Zurück bleiben seine deutlichen Spuren: Die KVD, die Druckwerkstatt, das Bündnis, das Kulturamt und noch viel mehr.
„Er bleibt in der KVD präsent, allein schon als Gründer der Druckwerkstatt“, sagt KVD-Vorsitzender Johannes Karl. Schachtner ist es unter anderem zu verdanken, dass die Künstlervereinigung Dachau Ende der 70er wiederbelebt wurde. Einige Jahre gehörte er dem Vorstand an. „Er hat sich über seine künstlerische Arbeit hinaus in die Kulturstadt Dachau mit eingebracht“, fasst Karl das enorme Engagement von Schachtner zusammen. Karl nennt Schachtner einen Integrator, der versucht hat, Menschen zusammen zu bringen. Der gelernte Schriftsetzer und spätere Grafikdesigner hat noch im Jahr 2023 am Tag der Druckkunst Gästen das Verfahren des Buchdrucks in der KVD-Druckwerkstatt vermittelt. Der Druck war stets sein Gegenstand und Stil des künstlerischen Schaffens.
Als junger Mann ging er beruflich für einige Jahre nach Paraguay, wo er dann seine Frau Gisela kennenlernte. Über 40 Jahre lang fand dank den beiden ein reger Austausch zwischen Dachau und Paraguay statt. Workshops, Kunstausstellungen, Konzerte, Fußballspiele, Schulprojekte, der Bau einer Solaranlage und die Finanzierung eines Kindergartens – all das stellten die Schachtners auf die Beine. Ein Höhepunkt des Künstleraustauschs mit Paraguay war die internationale Ausstellung „Dachau ‚95“ aus Anlass des 50. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers. Im Jahr 2019 bekam er für diese Völkerverständigung vom deutschen Botschafter Claudius Fischbach in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay, das Bundesverdienstkreuz überreicht.
Neben der kulturellen und künstlerischen Seite hatte Schachtner auch eine stark politisch ausgeprägte Seite. Er war Mitbegründer des Bündnis für Dachau und zog 1996 in den Stadtrat ein. Für zwei Jahre hatte er auch das Amt des Kulturreferenten inne. 2002 zog er sich aus dem Stadtrat zurück, engagierte sich aber weiterhin politisch. Zweiter Bürgermeister und sein damaliger Nachrücker, Kai Kühnel, sagt über Schachtner: „Auf ihn ging lange das ganze kulturelle Geschehen der Stadt Dachau zurück. Er hat auf alle Bürgermeister eingewirkt, dass man sich intensiv mit der Erinnerung auseinander setzen muss und nicht verdrängen darf.“ Schachtner habe nicht losgelassen, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. „Energisch und unbeirrbar“ bezeichnet Kühnel Schachtner bei politischen Diskussionen. Ab 2010 engagierte sich Bruno Schachtner zudem bei der Bürgerinitiative „Grünzug für Dachau und Karlsfeld“.
Kulturamtsleiter Tobias Schneider schätzte Bruno Schachtner sehr für seine Verdienste um Kultur und Zeitgeschichtsarbeit in Dachau. „Im Kulturamt waren wir ihm alle sehr verbunden“, sagt Schneider. Das Amt für Kultur, Tourismus und Zeitgeschichte ist nämlich auf Schachtners Initiative hin eingerichtet worden. „So lange es ging, hat er uns regelmäßig besucht.“