Seltsame Entdeckung im Gardasee: 50 Jahre alter Fund offenbart Sünden der Vergangenheit

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Ein Roboter findet 50 Jahre alte Tonteller im Gardasee – die Überreste eines vergessenen Schießstands offenbaren eine dunkle Vergangenheit des Urlaubsparadieses.

Sirmione – Ein schwarzer Teppich aus hunderten Tontellern liegt seit fast 50 Jahren auf dem Grund des Gardasees – stumme Zeugen einer Zeit, als der beliebte Urlaubssee als Schießstand missbraucht wurde. Was der Unterwasserroboter „Zeno“ vor Sirmione entdeckte, erzählt eine Geschichte von Sorglosigkeit und vergessener Umweltverschmutzung.

Ende Oktober tauchte der autonome Unterwasserroboter „Zeno“ der Universität Pisameteoweb in die Gewässer vor Desenzano und Sirmione ab. Seine Mission: Müll auf dem Seegrund kartieren und das Ökosystem des Gardasees schützen. Doch was der mit Kameras und Sonar ausgestattete Roboter fand, übertraf alle Erwartungen. Einen besonders wertvollen Fund machte kürzlich auch ein Mann beim Rasenmähen.

Funde noch 50 Jahre danach: Schießstand am Seeufer des Gardasees hinterließ Spuren

„Wir haben in der Nähe von Sirmione eine unverhältnismäßig große Menge an Wurfscheiben gefunden. Vielleicht erinnern sich nur wenige Einwohner der Gegend daran, dass an dieser Stelle, direkt am Strand, vor etwa fünfzig Jahren Tontaubenschießen betrieben wurde“, erklärt Paolo Zanollo vom WWF Bergamo-Brescia gegenüber Milano Repubblica.

Zwischen Mitte der 1960er und Ende der 1970er Jahre befand sich demnach direkt am Ufer von Sirmione ein Tontaubenschießstand. Die Tonteller wurden laut Il Dolomiti über das Wasser geschossen – manche zerbrachen beim Treffer, andere landeten unversehrt auf dem Seegrund. Dort liegen sie bis heute, eingebettet zwischen Algen und Sand.

Der WWF plant eine Säuberungsaktion im Gardasee

Francesco Ruscio, Robotik-Forscher an der Universität Pisa, beschreibt die Entdeckung: „Zeno hat Reifen und viele unter Wasser liegende Tontauben gefunden, weil dieser Bereich des Sees traditionell ein Ort war, an dem Tontaubenschießen praktiziert wurde“, zitiert ihn VTrend.

Obwohl die Schießscheiben aus Ton bestehen und nicht hochgiftig sind, plant der WWF eine Säuberungsaktion. Taucher sollen die Relikte Stück für Stück vom Seegrund holen. Besonders bedenklich: Niemand weiß, wie viel Blei aus den Schrotpatronen im Wasser landete. Forscher schlugen dieses Jahr auch Alarm, weil sich im Gardasee Riesen-Fische ausbreiten – sogar Hunde seien dadurch gefährdet.

Roboter-Funde in Italien: „Zeugnis dafür, wie der Gardasee jahrzehntelang als Mülldeponie missbraucht wurde“

Der WWF zieht gegenüber Il Dolomiti ein ernüchterndes Fazit: „Es ist ein Sprung in die Vergangenheit, aber auch ein weiteres Zeugnis dafür, wie der Gardasee jahrzehntelang als Mülldeponie missbraucht wurde.“

Der Einsatz von „Zeno“ markiert einen Wendepunkt im Umweltschutz der italienischen Seen. Der autonome Unterwasserroboter kann mit seinen multispektralen Sensoren und hochauflösenden Kameras systematisch und sicher große Wasserflächen untersuchen – weitaus effektiver als menschliche Taucher. Das Projekt ist Teil der WWF-Initiative „Adopt rivers and lakes“ zum Schutz von Süßwasserökosystemen. Die Erkenntnisse sollen als Modell für andere italienische und europäische Seen dienen. (Verwendete Quellen: Milano Repubblica, Il Dolomiti, VTrend) (tt)

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