Bei den Klerikern war der Erlass „Die wahre Schönheit“ von Papst Franziskus wenig beliebt. Jetzt macht Nachfolger Leo XIV. ihn rückgängig. Eine kommentierende Analyse.
Rom – Papst Leo XIV. hat nach eigener Aussage vor, das Erbe von Franziskus anzutreten und zu bewahren. Allerdings galt er von Anfang an als weniger progressiv als sein argentinischer Vorgänger. Jetzt macht Leo eine Neuerung von Franziskus rückgängig, die beim Klerus für wenig Gegenliebe gesorgt hatte. Womöglich eine Handreichung des neuen Pontifex.
Inhaltlich geht es auf den ersten Blick nur um die Aufteilung des Bistums Rom. Doch dahinter verstecken sich viele Interessen.
Papst Leo XIV. macht Franziskus-Änderung rückgängig
Vor knapp einem Jahr hatte Papst Franziskus den Seelsorgebereich im römischen Stadtzentrum in seinem Motu-Proprio-Erlass „Die wahre Schönheit“ aufgelöst. Zu diesem gehört besonders die Altstadt Roms. Hier stehen sehr viele historische Kirchen und auch die meisten römischen Geistlichen sind hier angesiedelt.
Franziskus hatte den zentralen Bereich aus kirchenpolitisch-symbolischen Gründen abgeschafft und unter den übrigen vier Randbezirken der Hauptstadt aufgeteilt. Er hatte die Befürchtung geäußert, dass das Stadtzentrum zu einem Museum verkommen könnte. Durch die Neuordnung sollten die Kirchen wieder näher an die Stadtränder rücken, wo auch die meisten Menschen in Rom leben. Im Außenbereich gebe es dafür aber zu wenige Kirchen und Priester.
Leo bricht mit Neuerung: Franziskus-Änderung war extrem unbeliebt
Der Beschluss von Franziskus war laut Katholisch.de auf wenig Gegenliebe beim Klerus gestoßen. Er sei deshalb auch nur halbherzig umgesetzt worden.
Jetzt nimmt Leo XIV. den Erlass überraschend komplett zurück. Das neue Schreiben trägt den Titel „Unverändert bleiben“ und ist ebenfalls ein Motu Proprio. Darunter versteht man einen Papst-Erlass, der auf seiner eigenen Initiative beruht. Andere Gesetze des Vatikans werden auf einen Antrag an den Papst herangetragen und dann erlassen. Ein Motu Proprio deutet auf den persönlichen Bezug und persönliches Interesse des Papstes beim entsprechenden Thema hin.
Schon zu Beginn des Pontifikats von Leo war diskutiert worden, ob der US-Amerikaner mit dem Kurs seines Vorgängers brechen würde oder die Vorhaben weiter vorantreiben würde. Franziskus war vielen im Klerus zu progressiv. Das hatte für Unmut gesorgt. Als er die Möglichkeit bot, homosexuelle Paare zu segnen, bahnte sich einst sogar eine Spaltung an.
Bislang hat Leo aber nicht im größeren Rahmen mit Franziskus‘ Neuerungen gebrochen. Allerdings hat er auch keine radikalen eigenen Neuerungen angestoßen und so die Lage in der Kirche etwas beruhigt. Dazu könnte auch der neue Erlass beitragen, indem er die Geistlichen in der Hauptstadt zufriedenstellt. (Verwendete Quellen: Katholisch.de, Vatican News)