Bei der Leonhardifahrt in Bad Tölz zog überraschend ein fremdes Gespann den ersten Wagen. Die Leonhardilader erklärten im Stadtrat die besonderen Umstände.
Bad Tölz – Mancher Leonhardifahrt-Besucher mag sich am 6. November gewundert haben: Wieso fährt denn ein fremdes Gespann den ersten Wagen mit der Tölzer Geistlichkeit und nicht, wie man es erwartet hätte, Josef Ibelherr (Lachermann) aus Ellbach? Die Antwort lieferte Anton Mayer in der jüngsten Stadtratssitzung nach. Der Leonhardilader aus Ellbach, der selbst ein eigenes Haflinger-Gespann besitzt, erläuterte, dass Ibelherr drei Wochen vor Leonhardi habe absagen müssen, weil er eine dringende Baustelle an seinem Hof hatte.
Besonderheiten bei der Tölzer Leonhardifahrt
Was tun? Mayer ist auch bei den Pferdezüchtern engagiert und startete eine Anfrage bei Georg Gilg aus Pang bei Rosenheim, der mit dem Zuspanner Andreas Kriechbaumer aus Glonn zusagte. Gilg sei, wie Mayer sagte, ziemlich stolz auf diese Ehre gewesen, den ersten Wagen bei der Tölzer Leonhardifahrt zu fahren. „Das bleibt aber eine Ausnahme“, versicherte Mayer. „Wir wollen nicht von irgendwoher Gespanne herziehen, damit wir die Wagenzahl erhöhen.“
Es gab noch eine weitere Auffälligkeit bei der Wallfahrt. Die wagenlos gewordenen Tölzer Ministranten waren heuer zum zweiten Mal Gäste der Königsdorfer Ministranten und fuhren gemeinsam auf dem Wagen von Konrad Woisetschläger aus Königsdorf mit. Das ging natürlich nur, weil Woisetschläger statt einer Truhe mit einem Tafelwagen fuhr. „Das hat er gerne gemacht“, sagte Mayer. Beide Pfarreien hätten diese Änderung gutgeheißen.
Lob für diszipliniertes Fahren an Leonhardi
Ansonsten nutzten die beiden Lader Mayer und Michael Lindmair die Gelegenheit, kurz zurückzuschauen und Fuhrleuten, Teilnehmern und Organisatoren Danke zu sagen. Es sei sehr diszipliniert gefahren worden. Mayer: „Das wird jedes Jahr besser.“ Zusammen mit Lindmair sei er vor der Wallfahrt an einem Dutzend Tagen unterwegs gewesen, um den mitfahrenden Höfen die Grüße der Stadt zu überbringen und sie förmlich zu laden, also einzuladen.
Er freute sich auch über die elf Ehrungen heuer. „Das nimmt jetzt jedes Jahr zu.“ Das liegt daran, dass nach der schweren Zeit in den 1960er- und 70er-Jahren, als Pferde zugunsten von Traktoren abgeschafft wurden, wieder eine Renaissance des Leonhardifahrens einsetzte und die Teilnehmerzahlen wieder nach oben gingen.