Bei frostigen Temperaturen setzte sich auf der Bahnhofstraße in Wolfratshausen jüngst ein orangefarben gekleideter Demonstrationszug in Bewegung. Es war ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen.
Wolfratshausen – Angeführt von den Trommlern der Penzberger Samba-Gruppe „Batedura“ marschierten die Teilnehmer von „Frauen helfen Frauen“, Kulturverein Isar-Loisach, sofia – Frauen bilden, „Omas gegen Rechts“ sowie die Soroptimistinnen Isartal-Bad Tölz in Richtung Marienplatz. Dort erinnerte Claudia Harrasser vom Soroptimist Club zunächst an die Bedeutung der „Orange Days“.
Wolfratshausen: Orangefarbener Demonstrationszug sorgt für Aufmerksamkeit
Die internationalen Aktionstage machen auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam und rufen weltweit zu deren Bekämpfung auf. Die „Orange Days“ wurden 1981 von lateinamerikanischen und karibischen Feministinnen initiiert und 1999 von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt. Die leuchtende Farbe der Kampagne steht für Optimismus und eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
„Das Thema wird mittlerweile auch mehr in den Medien wahrgenommen“, stellte Harrasser erfreut fest. Nichtdestotrotz müsse das Problem weiter benannt und gelöst werden. „Wenn’s den Frauen gutgeht, geht’s allen gut“, sagte sie. Sandra Gmeiner informierte über die Hilfsangebote des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der in Wolfratshausen sechs Plätze im Frauenhaus und einen 24-Stunden-Notruf anbietet. Daniela Satzinger vom Kulturverein Isar-Loisach wünscht sich mehr Solidarität der Frauen untereinander und rief gar zu einem mehrstündigen Streik im kommenden März auf.
Solidarität und Streik als Mittel des Protests
Vorbild ist eine Aktion von Isländerinnen: 90 Prozent der weiblichen Bevölkerung des skandinavischen Staates legten am 24. Oktober 1975 ihre häuslichen und beruflichen Arbeiten für einen Tag nieder, um auf der Straße für mehr Gleichberechtigung zu demonstrieren.
Abschließend berichtete Nicoline Pfeiffer, Mitgründerin und Vorständin von Frauen helfen Frauen, über ihre Erfahrungen im Frauenhaus. „Wir erleben in unserer Arbeit täglich, dass Gewalt gegen Frauen – ob auf der Straße, im Netz oder im häuslichen Umfeld – ein gesamtgesellschaftliches Problem ist“, betonte sie. Täter seien Männer aus allen sozialen Schichten, Altersgruppen und Herkunftslinien. „Wer suggeriert, dass Gewalt und Kriminalität erst durch Migration sozusagen importiert wird, ignoriert die Realität und spielt mit rassistischen Vorurteilen“, warnte Pfeiffer.
Musikalische Beiträge verstärken Botschaften
Zwischendurch griff sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Hans Gärtner zur Gitarre und sang Protestlieder von Rainhard Fendrich, Johanna von Koczian und Pete Seeger. Die Botschaften der Demonstranten wurden durch diese musikalischen Beiträge noch eindringlicher.
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