„Er hat keine Ahnung": Freie-Wähler-Politikerin schießt gegen Lauterbach – es geht um die Kreisklinik

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Auf Einladung der freien Wähler in Geretsried: FW-Landtagsabgeordnete Susann Enders (Mitte) mit (v. li.) Sonja Frank, Marion Wagner, Wolfgang Möckel und Cornelia Irmer. © FW

Die Kreiskliniken stecken in der Krise, das liegt auch an der großen Politik, findet eine Landtagsabgeordnete der Freien Wähler. Sie wird deutlich.

Gesundheitspolitische und soziale Themen, die auch die Freien Wähler (FW) in Geretsried umtreiben, sprach die Landtagsabgeordnete Susann Enders auf Einladung des Ortsverbands am Montagabend im Bistro Malor an. FW-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Möckel läutete mit der Veranstaltung den Wahlkampf ein. Für diesen habe man als Schwerpunkte Wirtschaft und Soziales, aber auch das Thema Respekt festgelegt, sagte er.

Die Krönung war Karl Lauterbach. Er hat keine Ahnung, wie ein Krankenhaus funktioniert – außer vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt her.

Susann Enders sitzt seit 2018 im Landtag, ist Gesundheitspolitische Sprecherin, Generalsekretärin und seit kurzem stellvertretende Landesvorsitzende der Freien Wähler. Die examinierte Krankenschwester arbeitete zuvor in der Unfallklinik Murnau als OP-Schwester. Ehrenamtlich engagiert sich die 58-Jährige als Kreisvorsitzende des VdK Oberland und Behindertenbeauftragte ihres Wohnorts Weilheim.

Möckel versprach, er werde sich für den Erhalt der Wolfratshauser Kreisklinik einsetzen. Seit Horst Seehofer gehe es bergab mit den kommunalen Krankenhäusern, meinte Enders mit Blick auf Reformen und Kostendeckelungen. „Die Krönung war Karl Lauterbach. Er hat keine Ahnung, wie ein Krankenhaus funktioniert – außer vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt her“. Enders ist überzeugt, eine Kreisklinik leiste genauso gute Arbeit wie eine Universitätsklinik.

Sie erinnerte daran, dass die Freien Wähler die Landarztquote eingeführt haben. Ein Studium der Humanmedizin ist damit an bayerischen Universitäten auch ohne 1,0-Abitur möglich. Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank bedauerte, dass das Modell „Wohnen für Hilfe“ im Landkreis bislang nicht umsetzbar sei. Senioren vermieten dabei Zimmer günstig an junge Menschen, die die Älteren als Gegenleistung im Alltag unterstützen. Enders bot ein Gespräch mit Fachleuten und Fraktionskollegen, die Erfahrung mit dem Modell haben, in München an.

Eine Veranstaltungsbesucherin sagte, dass die Barrierefreiheit im Landkreis verbesserungsfähig sei. Enders riet ihr, sich an die Behindertenbeauftragten der Städte und des Landkreises zu wenden sowie an die Berater beim örtlichen VdK. Sie selbst habe sich dafür starkgemacht, dass jede Kommune einen Behindertenbeauftragten bekomme. Die Parteien könnten sich zudem das Thema Barrierefreiheit einmal für ein Jahr vornehmen und genau untersuchen.

Die diskutierte Abschaffung des Pflegegrads 1 aus Kostengründen lehnt die FW-Generalsekretärin entschieden ab. Sie fordert, dass sich die CSU im Bund für den Erhalt einsetzt. Besucher berichteten, wie enorm wichtig gerade die 131 Euro monatlich, die es für den Pflegegrad gibt, für ältere Menschen seien. Davon könnte ihr Vater sich zum Beispiel eine Putzhilfe leisten, sagte eine pflegende Tochter. Für sie wäre das auch eine Entlastung. Susann Enders wünscht sich in dem Zusammenhang mehr (finanzielle) Anerkennung für die Angehörigen als „größtem Pflegedienst“.