Nach Parteiwechsel-Eklat: Die Linke in Germering wagt den Neustart

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Einen neuen Versuch wagt die Linke in Germering: OB-Kandidatin Yulia Nikishina (2.v.r.) führt die Liste an. © Linke FFB

Die Linke Germering nominiert Yulia Nikishina als Oberbügermeister-Kandidatin. Fünf Jahre nach dem Mandatsverlust durch Parteiwechsel tritt sie mit 13 Kandidaten hinter sich stehend an.

Germering – Die Linke im Kreisverband Amper hat in Germering ihre Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin nominiert und zugleich die Liste für die Stadtratswahl 2026 aufgestellt. Die Versammlung wählte die 26-jährige Yulia Nikishina einstimmig zur OB-Bewerberin, teilt der Verband in einer Pressemitteilung mit.

OB-Kandidatin Germering Yulia Nikishina
Die 26-jährige Yulia Nikishina will Germerings Oberbürgermeisterin werden. © Linke FFB

Nikishina lebt in einer Inklusions-WG, studiert Physik und arbeitet nebenher in der Museumsvermittlung. In ihrer Rede stellte sie drei Themen in den Mittelpunkt: eine Ausweitung der Bürgersprechstunden, entschiedener Einsatz für bezahlbaren Wohnraum und mehr Angebote für junge Menschen in der Stadt. Das geht aus der Mitteilung hervor.

Die Kandidatenliste

1. Yulia Nikishina, 2. Paul Eringer, 3. Nox Kircher, 4. Luca Spano, 5. Daniela Fiegel, 6. Henri Menzel, 7. Lucia Fiegel, 8. Philipp Zimmermann, 9. Selina Schön, 10. Jonas Geiße, 11. Angelika Kluge, 12. Mert Arslanpencesi, 13. Ulrich Seibert

Für die Stadtratsliste schickt die Linke 13 Kandidaten ins Rennen – deutlich mehr als bei der vergangenen Kommunalwahl im Jahr 2020. Damals trat die Partei zum ersten Mal überhaupt in Germering an, mit einer kleinen neunköpfigen Liste. Viele Interessenten hatten sich kurz vor der Listenabgabe zurückgezogen, teils aus Sorge vor Repressionen am Arbeitsplatz oder wegen Anfeindungen im persönlichen Umfeld, berichteten Parteivertreter damals.

Die Liste führte damals Stefanie Lehenmeier an, die nach ihrem Einzug in den Stadtrat später zur SPD wechselte. Die Linke verlor dadurch ihren einzigen Sitz und forderte Lehenmeier öffentlich auf, das Mandat zurückzugeben. Erst fast fünf Jahre später erhielt die Partei ihr Stadtratsmandat zurück – durch das Nachrücken von Ulrich Seibert, nachdem Lehenmeier ihr Mandat niedergelegt hatte. Seibert kündigte bei seinem Amtsantritt an, eine regelmäßige Bürgersprechstunde einzurichten und sich besonders für barrierefreie Wege sowie bezahlbares Wohnen einzusetzen.

Mit der nun aufgestellten Liste und einer eigenen OB-Kandidatin tritt die Linke erneut an, obwohl sie in Germering weiterhin keinen eigenen Ortsverband hat. Die neue Liste führt – wie auch die OB-Kandidatur – Yulia Nikishina an, gefolgt von Paul Eringer und Nox Kircher. Insgesamt umfasst der Wahlvorschlag 13 Personen aus unterschiedlichen Alters- und Berufsgruppen. Die Partei wirbt inhaltlich mit Bürgernähe und einer „kommunalen Wohnungswende“, wie sie es nennt.

Ob die Linke damit an frühere Schwierigkeiten anknüpft oder den Neustart schaffen will, wird sich im Wahlkampf zeigen. Nur eines hat die Nominierungsversammlung bereits angedeutet: Die Partei geht geschlossen in die nächsten Monate – und mit klaren Botschaften in Richtung Wohnungsmarkt und soziale Stadtentwicklung.